Bergheim-Ahe – Ein geräumiges Haus mit unverbaubarer Ortsrandlage, und gleich hinter dem Garten liegt ein prächtiges Biotop – eigentlich müssten Professor Waldemar Mathews und seine Frau glückliche Hausbesitzer sein. Eigentlich. Doch die beiden fühlen sich in dem Haus, in dem sie seit 35 Jahren in Ahe leben, nicht mehr wohl: In den vergangenen drei Jahren wurde bei ihnen fünfmal eingebrochen. Mathews ist zutiefst frustriert. „Seit Jahren wird bei uns eingebrochen, ohne dass etwas geschieht“, sagt der 67-Jährige. „Wir sichern unser Haus immer stärker, aber gegen die Diebesbanden sind wir machtlos.“ Er hoffe auf Hilfe von Polizei und Politik, fühle sich aber alleingelassen.
Die beiden jüngsten Einbrüche haben bei dem Ehepaar das Fass zum Überlaufen gebracht. Zuerst seien die Einbrecher am 26. Juli eingestiegen. „Sie haben genau ausgekundschaftet, wann wir in Urlaub gefahren sind“, sagt Mathews. Dann seien die Unbekannten wieder einmal durch das Biotop in den Garten eingedrungen und hätten sich Zutritt ins Haus verschafft, indem sie durch einen Lichtschacht und ein Kellerfenster geklettert seien.
Bei diesem Einbruch hätten sich die Diebe offenbar zugleich auch genau angesehen, welche Fenster und Terrassentüren Mathews auf Ratschlag der Polizei mit zusätzlichen Beschlägen gesichert hatte – und welche nicht. „Vier Tage später sind sie wiedergekommen und haben mit Hilfe von Schraubendrehern ein Fenster aufgehebelt, das noch nicht gesichert war“, sagt Mathews. Seinem Nachbarn könne er es schon nicht mehr zumuten, während ihrer Reisen nach dem Haus zu schauen.
Geige des Großvaters gestohlen
Wertvoller Familienbesitz sei entwendet worden, sagt Mathews, darunter eine 150 Jahre alte Geige, die schon sein Großvater besessen habe. Gestohlen wurden auch eine 50 Jahre alte Gitarre, die Mathews selbst gekauft hatte, Familienschmuck sowie eine Videokamera mit Filmen von den Enkelkindern – „alles unwiederbringlich“.
Die Einbrecher finden bei Mathews aber auch allerbeste Voraussetzungen vor. Ein Grillplatz gegenüber dient den Verbrechern vermutlich dazu, das Haus in aller Ruhe auszukundschaften. Das Biotop neben dem Garten ermöglicht es den Tätern, ungesehen auf das Grundstück zu gelangen. Und die A 61 ganz in der Nähe bietet schnelle Fluchtmöglichkeiten. Bei einem der früheren Einbrüche seien später Familiendokumente an einer Autobahn bei Essen gefunden worden. „Inzwischen kommen die Täter nachmittags, weil sie wissen, dass in der Dunkelheit unsere Bewegungsmelder helle Strahler aktivieren.“
Der Chemiker hat schon etliche Ratschläge der Polizei befolgt, nun will er ausnahmslos alle Fenster zusätzlich sichern, die Lichtschächte zuschweißen und sich auch noch eine Alarmanlage beschaffen. Rund 7000 Euro werde er dann ausgegeben haben. Und er erwägt einen Umzug. „Meine Frau hält es nicht mehr aus hier.“ Von den Behörden erwarte er mehr Hilfe. „Sollen wir etwa Bürgerwehren gründen, um uns zu schützen?“
„Für die Sicherung seines Eigentums ist der Bürger zuständig, wir sind keine Objektschutzfirma“, sagt Anton Hamacher, Sprecher der Kreispolizei. Was Mathews allerdings an seinem Haus an Sicherungsmaßnahmen vornehme, sei „sehr gut“. Hamacher bietet ausdrücklich die Hilfe des Kommissariats Vorbeugung an. Ahes Ortsbürgermeister Frank Amenda setzt ganz auf die Nachbarschaftshilfe: „Wer etwas Verdächtiges sieht, soll sich bei der Polizei melden.“
