Oussama Kebdani ist im Wohnpark in Ahe aufgewachsen. Der Profiboxer hat bereits mit 24 Jahren Höhen und Tiefen im Sport erlebt.
ProfiboxenDeutscher Box-Meister im Superfedergewicht ist Bergheimer – und will an die Spitze

Oussama Kebdani setzte sich im Superfedergewicht bei der German Boxing Series durch.
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Sein Trainer ist sich sicher: Oussama Kebdani kann bis an die Spitze kommen. Abdellah Bourasse, der den Verein „1131 Sport statt Drogen“ alias „Atlas Boxing“ betreut, sieht in seinem Profischützling die nötige Disziplin, das Talent und auch die Ambition dafür. „Das ist unser großer Traum. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er es auch hinbekommt, wenn er so weitermacht.“
Kebdani ist 2001 geboren und in Bergheim-Ahe aufgewachsen. Für Furore sorgte er im November, als er die German Boxing Series gewann und Deutscher Meister im Superfedergewicht wurde. Der 24-Jährige hat damit bereits seinen ersten Gürtel.
Von großen Namen beeinflusst
Angefangen hatte Kebdani mit drei Jahren mit Thaiboxen, erinnert er sich. Er habe schon seinen Vater, der wie seine Mutter aus Marokko stammt, zum Training begleitet. „Dort habe ich das erste Mal die Handschuhe angezogen und die Liebe zum Sport gefunden.“ Nach einigen Jahren Fußball beim VfL Sindorf und dem FC Bergheim 2000 ist er zurück zum Kampfsport gewechselt. Mittlerweile boxt er seit neun Jahren.
Im Fernsehen verfolgte er die großen Namen wie die Klitschkos und Felix Sturm, auch der marokkanische Kickboxer Badr Hari habe ihn inspiriert. Selbstverständlich verfolgte Kebdani auch den jüngsten Erfolg von Agit Kabayel. „Ich bin ein großer Fan von Agit. Ich kenne ihn auch persönlich. Er hat sich das definitiv verdient.“ Er erwecke den Profiboxsport in Deutschland wieder zum Leben, mein Oussama Kebdani.
Solz auf sein Viertel
Sein Abitur absolvierte der Bergheimer Boxer am Erftgymnasium. „Der Sport hat mir einen Ausgleich zur Schule gegeben“, sagt Kebdani. Neben seiner Karriere als Sportler hilft er seinem Vater, der einen Kiosk im Wohnpark in Ahe betreibt. Dieser habe unberechtigterweise einen schlechten Ruf als kriminelles Viertel. „Ich finde es schade, dass die Zeitungen nur darüber berichten“, sagt Kebdani. Er selbst sei stolz, dort aufgewachsen zu sein. Ahe stand sogar auf einer seiner Boxhosen. „Das ist eine schöne Geschichte ist, die ich zu erzählen habe.“
Der Ortsbürgermeister aus Ahe, Winfried Kösters, nannte Kebdani einen seiner Botschafter des Orts. „Ich habe nur bedauert, dass er nicht mehr Olympiasieger werden kann“, sagt Kösters. Der zählt im Boxsport nämlich zum Amateurbereich, den Kebdani bereits hinter sich gelassen hat.
Boxtraining in Horrem
Laut seinem Trainer Abdellah Bourasse habe der Bergheimer Boxer von Anfang an den nötigen Ehrgeiz und die Disziplin mitgebracht. Für die anderen Boxer im Verein sei es eine tolle Motivation, ihn als Profi dabei zu haben. „Sie sehen: Er hat es geschafft, also schaffen wir das auch, wenn wir diszipliniert daran arbeiten“, sagt Abdellah Bourasse.
Kebdanis Trainingsplan ist jedenfalls gut gefüllt: Sechs mal die Woche gibt es Sport, davon fünf Mal auch zwei Mal am Tag. Laufen, Schwimmen, Training mit Pratzen, am Sandsack, Krafttraining, Sparring. „Durch harte Arbeit kommen Erfolge“, sagt Kebdani. Komplett Ruhe habe er am Sonntag.
Ein Besuch bei seinem Training in Horrem zeigt ebenfalls die Disziplin der Sportler. Drei Minuten Boxen, dann ertönt zweimal der Gong. Es gibt 20 Sekunden Pause zum Durchatmen, bevor der Trainer die nächste Anweisung gibt: „Jetzt Infighting!“ Die Boxer stellen sich dicht beieinander, stecken die Köpfe zusammen und igeln sich ein, während sie kurze, aber harte Schläge austeilen.
Gestärkt durch Niederlage
Widrigkeiten blieben dem Leistungssportler aus der Kreisstadt aber nicht erspart. Vor einem Jahr sei Kebdanis rechte Mittelhand angebrochen und er habe einen Kampf nach hinten verschieben müssen. Seine größte Enttäuschung war aber seine erste Niederlage im Profibereich im April 2024.
„So eine Niederlage ist wirklich sehr, sehr bitter, wenn man fünf, sechs Jahre lang ungeschlagen war“, sagt Oussama Kebdani. Bei den Amateuren hatte er keine einzige Niederlage verzeichnet, als Profi kam die erste Niederlage nach acht Kämpfen. „Das nimmt einen mental sehr mit. Wenn man ein bisschen emotional ist, fallen auch ein, zwei Tränen.“ Aber: Durch die Niederlage sei er körperlich und mental über sich hinausgewachsen.
„Weggesteckt habe ich die Niederlage immer noch nicht, um ehrlich zu sein. Aber ich habe daraus gelernt“, sagt der Profiboxer. Niederlagen, Verletzungen, Siege oder Enttäuschung, das alles gehöre eben zum Sport dazu. „Und es formt auch einen Kämpfer.“
Hallenzeiten sind ein Problem
Eine weitere Widrigkeit sind die Hallenzeiten, wie Trainer Abdellah Bourasse erklärt. Sie trainieren in einer Sporthalle in Kerpen-Horrem, aber morgens während des Schulbetriebs und beim Training müssen sie ausweichen, zum Beispiel in eine Halle in Köln oder sie gehen einfach nach draußen. Dabei kenne er Gegenbeispiele, in denen Projekte rund um das Boxen mehr Unterstützung erfahren. In Frankfurt etwa habe die Stadt einem Verein eine ganze Halle gestellt, der Verein müsse nur für die Wartung aufkommen.
Trotzdem traut ihm sein Trainer die Spitze zu - und auch Kebdani schaut nach oben. Nach der German Boxing Series will er erstmal in der Rangliste klettern. Seinen Titel will er dann im Sommer verteidigen. Der nächste Schritt sei der Titel der European Boxing Union. Und nach Europa? Da will er zu den großen Weltverbänden: WBC, WBA, IBF, IBO. Kebdani ist unbekümmert: „Mal gucken, wohin die Reise führt.“

