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SondengängerKleine Schätze unter der Erde

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Die Funde: Konze hat Münzen, Ringe, eine Patrone und vieles mehr entdeckt. (Bild: Vlaminck)

Bergheim-Fliesteden – Es brummt und surrt. Sondengänger Carsten Konze verzieht keine Miene. Doch als sich der Ton seines Detektors zu einem hellen Fiepen wandelt, wird der Fliestedener hellhörig. Er greift zu seinem kleinen Spaten und sticht damit in die Erde. „Bei einem dunklen Ton ist es in der Regel nur Eisen, ein alter rostiger Nagel zum Beispiel“, sagt der 38-Jährige. Schnell hat Konze im frisch aufgeworfenen Erdhaufen ein Metallklümpchen ausgemacht. „Ein Groschen aus D-Mark-Zeiten“, sagt er. „Völlig aufgequollen. Da ist einfach kein gutes Material verwendet worden.“

Konze, der sich selbst als Schatzsucher bezeichnet, ist für ein besonderes Projekt unterwegs: Er durchsucht mit seinem Metalldetektor den alten Sportplatz in seinem Heimatdorf Fliesteden, der zurzeit in Bauland umgewandelt wird. „Ich will Dinge finden, die die Sportler und Besucher hier mal verloren haben“, sagt Konze. Wenn möglich, sollen Funde und frühere Besitzer wieder zusammengeführt werden. Den gesamten Rasen ist er inzwischen abgegangen. „Dabei habe ich viele Sachen gefunden, bei denen man sich fragt, wie die hierhergekommen sind.“

Ein Abzeichen war darunter, das sehr an eine alte Polizeimarke erinnert. Auch eine große Gewehrpatrone lag unter der Grasnarbe. Und ein Medaillon mit einem Bild des Brandenburger Tors trug die Aufschrift „Berlin – Hauptstadt der DDR“. Der wohl älteste Fund sei eine belgische Münze, die aus dem 17. oder 18. Jahrhundert stammt, einer Zeit also, als es noch gar keinen Sportplatz in Fliesteden gab. Am Mittelpunkt hat Konze eine französische Münze ausgegraben, ein 20-Centimes-Stück. „Sie glänzte schön golden – ich gehe fest davon aus, dass der Schiedsrichter sie bei der Anstoßwahl vor dem Anpfiff eines Spiels verloren hat“, sagt Konze.

92 1/2 Münzen gefunden

Ringe, teils mit Prägestempel, eine Silberkette, einen Armreif und vor allem viele Münzen hat der Fliestedener Sportplatz lange unter seinem Gras bewahrt. Reichspfennige hat Konze gefunden, auch einiges aus der Preußenzeit, vor allem aber viele D-Mark und Pfennige. „Ich habe nur eine Euro-Münze entdeckt“, berichtet Konze. Insgesamt seien es 92 Münzen gewesen – und eine halbe. „Irgendjemand hat hier eine halbe 20-Cent-Münze verloren. Ich habe keine Ahnung, warum sie durchtrennt wurde.“

Oftmals allerdings hat Konze umsonst seinen Spaten in die Erde getrieben. Etliche Fundstücke seien doch eher „sportplatztypisch“ gewesen: „Ich habe bestimmt 30 Kronkorken von Kölschflaschen und 50 Schraubverschlüsse von Sprudelflaschen ausgegraben“, sagt Konze.

Der Fliestedener ist von Beruf Filmemacher. Er stellt vor allem Produkt- und Marketingvideos fürs Internet her. Die Schatzsuche ist sein Hobby. Im Rhein-Erft-Kreis ist er mit seiner Sonde auf den Äckern unterwegs, nachdem er sich zuvor schlau gemacht hat, wo alte Wege verlaufen sind oder Siedlungen und Burgen gestanden haben. Die Suche ist laut Konze völlig legal: „Ich habe eine Lizenz vom Landschaftsverband Rheinland, und ich frage die Landwirte, bevor ich ihre Äcker betrete.“

Seit fast genau einem Jahr gibt es in Nordrhein-Westfalen wie in den anderen Bundesländern das sogenannte Schatzregal: Archäologische Funde sind nun automatisch Eigentum des Staates. Sondengänger müsse ihre Entdeckungen abgeben, in unserer Region an den Landschaftsverband Rheinland.

Der Freistaat Bayern ist das einzige Bundesland, in dem das anders gehandhabt wird: In Bayern gehört die eine Hälfte des Funds dem Finder und die andere dem Grundstückseigentümer. Das ist die sogenannte Hadrianische Teilung, die noch auf den römischen Kaiser Hadrian (117–138) zurückgeht. (dv)

Was er an alten Schätzen findet, schickt er an den Landschaftsverband – sofern es einen historischen Wert gibt. Dort werden die Funde gesichtet und bewertet. Wenn man Glück habe, bekomme man auch mal etwas zurück, etwa wenn es von einer Münze schon sehr viele Exemplare gibt. „Mein ältestes Fundstück war eine 800 Jahre alte Münze des Erzbistums Köln“, sagt Konze.

Filme von seinen Sondengängen stellt er in seinen Youtube-Kanal im Internet ein. Auch ein Beitrag über die Suche auf dem Fliestedener Sportplatz wird in den nächsten Tagen ins Netz gestellt. Und vielleicht kann da auch schon vermeldet werden, ob das ein oder andere Fundstück schon zu seinem Besitzer zurückgelangt ist. Denn alle Funde gehen erst einmal an Ortsvorsteherin Elisabeth Hülsewig, die sich bemüht, die Eigentümer ausfindig zu machen. „Ich bin mir fast sicher, dass wir den Besitzer des Berlin-Medaillons finden werden“, glaubt Konze.