Rhein-Erft-Kreis – Er geht von Tür zu Tür und bietet seine Waren feil. Und wie es sich für einen ordentlichen Hausierer gehört, hat er auch eine Reisegewerbekarte. Doch Bernd Wollersheim ist alles andere als ein gewöhnlicher fliegender Händler oder Staubsaugervertreter. Der 68-Jährige ist Schriftsteller und verkauft seine Werke ausschließlich an der Haustür. Der Jülicher ist in diesen Tagen auch im Rhein-Erft-Kreis unterwegs. So klingelte er in dieser Woche etwa an zahlreichen Bedburger Haustüren.
„Ich bin ein staatlich anerkannter Hausierer, dank Ausnahmegenehmigung des belgischen Monarchen auch im Königreich Belgien“, sagt Wollersheim. Und der Bücherverkauf direkt beim Leser daheim lohnt sich offenbar. Seine Rente reiche zwar nicht zum Leben, aber dank der Schriftstellerei komme er durchaus über die Runden, sagt Wollersheim. „Ich brauche nicht viel. Ich brauche kein großes Haus und keinen Porsche mehr. Nur mein Motorrad, das brauche ich.“
Er ist der einzige Autor in seinem Ein-Mann-Verlag, und eigentlich sollte es auch nur bei einem Buch bleiben, als der Jojo-Erftgeist-Verlag vor 15 Jahren an den Start ging. Wollersheim wollte Tempo rausnehmen aus seinem Leben. Aber inzwischen sind seit 1998 fünf Bücher erschienen, von denen jedoch kein einziges im Buchhandel erhältlich ist. „Etwas mehr als 10.000 Stück habe ich verkauft, fast alle an der Haustür, einige auch bei Lesungen“, sagt Wollersheim.Seine Bücher heißen etwa „Geschichten und Gedichte zwischen Tag und Traum“ oder „Geschichten und Gedichte zwischen Sonne und Wind“.
Auch einen Bildband mit Gedichten auf Deutsch und Niederländisch hat er von einer Druckerei in Buchform bringen lassen. Ein Herzinfarkt im Jahr 2005 drosselte seinen schriftstellerischen Tatendrang. Seitdem versteht er seine Wanderungen von Haustür zu Haustür auch als Therapie. „2009 sagten mir die Ärzte, ich solle meine letzten Dinge regeln. Ich lebe noch immer.“
Der gebürtige Kölner Wollersheim hat nach eigenen Angaben mehrere Jahre in einem US-Konzern als Controller gearbeitet. Als er kurz davor stand, sich den vierten Porsche zu kaufen, sei ihm ein Formular auf den Tisch geflattert. „Ich sollte Vorschläge machen, welche sieben Prozent der Beschäftigten entlassen werden könnten.“ Er trug sich kurzerhand selbst ein.
Dann arbeitete er als Journalist für Zeitungen und fürs Fernsehen. Auch in Bergheim lebte er einige Jahre. „Als ich zum ersten Mal das Kraftwerk in Niederaußem gesehen habe, dachte ich, wie kann man so bekloppt sein, hier zu wohnen.“ Später habe er sich hier ein Haus gekauft. Wer sich für Wollersheims Bücher interessiert, erreicht ihn unter ☎ 0178-6721230.
