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Mit zwölf schon ein WissenschaftlerLinus Szymanszki eröffnet Museum in Brühl

Lesezeit 3 Minuten
Linus Szymanszki interessiert sich seit seinem sechsten Lebensjahr für Fossilien.

Linus Szymanszki interessiert sich seit seinem sechsten Lebensjahr für Fossilien.

  • Seit seinem fünften Lebensjahr beschäftigt sich der Realschüler mit Fossilien.
  • nun eröffnete er im Beisein seiner Eltern, vieler Freunde und Bürgermeister Dieter Freytag Brühls kleinstes und erstes Urzeitmuseum.
  • Und das Haarbüschel des Wollhaarmammuts ist dort nur eines von sehr vielen Millionen Jahre alter Schätze.

Brühl-Badorf – Wer die Schwelle des kleinen Urzeitmuseums in der Straße Auf den Steinen überschreitet, betritt eine faszinierende Welt. Linus hat versteinerte Pflanzen und Tiere aus vielen Teilen der Welt in diesem etwa zehn Quadratmeter großen Kellerraum zusammengebracht. Für ihn sind es Zeugnisse für die vielen Millionen Jahre Leben auf dem Planet Erde. Etliche der ausgestellten Fossilien hat der Junge sogar selber in Deutschland, Amerika und Großbritannien gefunden. Und für ihn hat jedes einzelne Exponat auch eine Geschichte.

Ganz genau spitzten auch die beiden jugendlichen Besucher Jan (7) und Leonhard (12) die Ohren, als ihnen Linus von der Grabungsstätte in Holzmaden erzählte, wo quasi jeder Besucher zum Hobby-Archäologe werden kann. „Wichtigste Utensilien, die man dorthin mitnehmen sollte, sind Hammer, Meißel und ein Pinsel“, erklärte Linus. Im vergangenen Jahr sei er dort gewesen und mit reichen Funden zurück nach Brühl gekommen. „Zuerst sieht man nur viele Steine“, sagte er lachend.

Fasziniert von Fossilien

Doch schnell lasse sich an den Formen und der Farbe des Gesteins schon im Voraus erkennen, ob sich ein Fossil darin befinde. Für ihn bleibe es immer ein ganz besonderer Moment, wenn er den Stein vorsichtig aufschlägt und dann das Fossil sichtbar wird. „Das hier zum Beispiel ist ein versteinertes etwa 50 000 Jahre altes Farngewächs aus Holzmaden“, sagte er und ergänzte: „Das Farn sieht im Übrigen heute noch genauso aus wie vor 50 000 Jahren.“ An der Ostsee habe er kleine versteinerte Seeigel gefunden und in einem Steinbruch in Kemmerer in Wyoming USA habe er sogar versteinerte Fische zutage befördert.

„Dieser Steinbruch in Amerika war früher einmal ein See“, berichtete er. Und dann zeigte er die tollen Funde. „Das ist ein Knochenfisch“, sagte Linus und deutete auf die große helle Steinplatte. Knochenfische seien Allesfresser gewesen. „Sie lebten vor etwa 50 Millionen Jahren und haben sogar ihren eigenen Nachwuchs aufgefressen.“ Immer noch ist der Junge total begeistert über die versteinerten Fische, die er aus Kemmerer mitgebracht hat. „Diese Fossilien sehen einfach fantastisch aus“, sagte er.

Exponate gekauft und getauscht

Wenn man genau hinsehe, dann erkenne man die Gräten und die Flossen und sogar den Mageninhalt der Urzeittiere. „Unsere Funde konnten wir dort direkt vor Ort in Form schneiden, bei dem Rückflug ist deswegen nicht eine einzige Platte zerbrochen“, berichtete Linus. Sein absolutes Lieblingsstück sei der komplette versteinerte etwa 20 Zentimeter große Keichousaurus. „Er ist etwa 100 bis 150 Millionen Jahre alt und wurde in China, in der Provinz Guihon gefunden“, erklärte er. Einige Exponate habe er gekauft und getauscht. So sei er auch an den versteinerten etwa 150 Millionen Jahre alten Wirbelknochen eines Urzeit Stegosaurus gekommen, die ausgewachsen bis zu neun Meter lang, vier Meter hoch und 2300 Kilogramm schwer werden konnten.

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„Und das hier ist der Kiefer eines Mosasaurus, eine Maasechse“, sagt Linus und zeigte die gewaltigen versteinerten Hauer. Dieser Super-Prädator habe mehrere Kiefer in mehreren Zahnreihen in seinem gewaltigen Maul gehabt. Fast ehrfurchtsvoll berichtet der Junge: „Der Mosasaurus konnte bis zu 18 Meter lang und 14 000 Kilogramm schwer werden“. Auch wenn er sein aus Marokko stammendes Exponat in England gekauft habe, so sei dieser absolute Urzeitgigant zum ersten Mal in Maastricht gefunden worden, wovon letztendlich auch sein Name abgeleitet wurde.

Hocherfreut über die spürbare Begeisterung des Jungen für die Paläontologie war auch Bürgermeister Dieter Freytag, der das Museum besichtigte. Ganz besonders gut findet er, dass Linus interessierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene an seiner Arbeit teilhaben lässt. Feste Öffnungszeiten hat das Urzeitmuseum zwar nicht. Wer will, kann sich aber einen Termin reservieren.

www.urzeitmuseum-bruehl.de

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