1938 hat das Cercena den Brühlern seine Türen geöffnet und ist bis heute als traditionsreicher Familienbetrieb etabliert.
SaisoneröffnungDiese Geschichte zeichnet die Eisdiele Cercena in Brühl aus

Eva-Maria Gehn (77) genießt ihren Eiskaffee vor der Brühler Traditions-Eisdiele Cercena.
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Bereits um 10.30 Uhr geht eine Kugel Snickers-Eis im traditionsreichen Eiscafé Cercena in Brühl über die Theke – ein kühler Genuss in der Früh, der Steppjacke zum Trotz. Und das, obwohl das Eiscafé Cercena in den Vormittagsstunden eher auf Latte Macchiato und Cappuccino setzt. Erst gegen Nachmittag verwandelt sich die Nachfrage wie von Zauberhand von Kaffee zu Eis, wenn die Kinder aus den Schulen und die Erwachsenen aus den Büros in Richtung Ladentheke des Cercena strömen.
Im Jahr 1938 hat das Cercena den Brühlerinnen und Brühlern seine Türen geöffnet und ist bis heute als traditionsreicher Familienbetrieb etabliert. Wie schon ihr Urgroßvater hat auch die Inhaberin Liana Cercena eine traditionelle, ehrwürdige Form der Eismachkunst erlernt. Sie kommt aus eine jener italienischen Familien, die aus dem Eismachertal in den Dolomiten stammen – dem Val di Zoldo, von wo aus die Familie Cercena einst ihr Eis in Italien in einem unverkennbaren Eiswagen in Form einer „Gondola“ vertrieb.
Den Winter verbringen die Inhaber der Eisdiele in Italien
Nach Stationen im Piemont und in den Dolomiten, brachte die Familie ihr Speiseeis in den 1930er-Jahren ins Brühler Zentrum. Doch nicht nur der Familienbetrieb hat sich am Standort des Brühler Markts gehalten, sondern auch die traditionsreiche Rezeptur der Familie. Ein gutes Rezept will geheim bleiben, doch dass zu einem traditionellen dolomitischen Eis stets frische Zutaten und eben kein Pulver oder Fertigprodukte gehören, weiß man in der Familie Cercena ganz genau.
Wichtig daneben sei laut Liana Cercena aber auch die Balance, denn letztlich ist es mit dem Eis wie mit Wein: „Es kommt auf die Sorte, die Früchte und ihren jeweiligen Reifegrad an.“ So bedarf es je nach Eissorte einer bestimmten Technik und Ausgewogenheit der jeweiligen Produkte. Um mit ihrem Eis wie jedes Jahr die Menschen zu beglücken, kehrt Liana Cercena zu jeder Saison im Frühling nach Brühl zurück. Den Winter aber verbringt sie mit ihrer Familie in der italienischen Heimat: „Wir sind, wie die Schwalben, die im Winter in den Süden fliegen.“
Zurück für ihre Arbeit in Deutschland kehrt sie dann Anfang März, um die Eismaschinerie wieder in Gang zu bringen. Mit den ersten Sonnenstrahlen werden die Menschen aus ihren Winterschlaf ins Eiscafé gelockt, wo mittlerweile rund 40 Eissorten geführt werden. Neben den Klassikern wie Schokolade, Vanille oder Erdbeere, die sich konstant an Beliebtheit erfreuen, sind auch Nusssorten und Amarena-Kirsch begehrt. Das zeigt sich auch bei einem Blick auf die sonnigen Tische, auf denen in der Mittagszeit schon einige Eisbecher und Eiswaffeln zu sichten sind.
Die sonnige Lage schätzt auch Eva-Maria Gehm, die seit etwa 40 Jahren immer wieder ins Cercena kommt: „Es ist wunderbar gelegen, sonnig und mitten in der Stadt.“ Neben ihren Lieblingssorten Zitrone und Walnuss genießt sie hier aber vor allem den Eiskaffee, der schon vor ihr auf dem Tisch wartet. Auch Helga und Heiner Rabe schätzen das Eiscafé Cercena und seine zentrale Lage seit Jahren sehr, obwohl sie eigentlich aus Frechen kommen.
Die Klassiker sind immer noch sehr beliebte Eissorten
Bei Terminen in der Stadt Brühl macht das Paar immer wieder gerne einen Abstecher in die hiesige Eisdiele. Mit ihrer Eis-Auswahl stechen Rabes heraus: Während sich viele an Nussorten, den Klassikern oder schlichtweg einem Kaffee erfreuen, türmen sich, zwischen Amarena-Kirsch und Stracciatella, vor allem die After-Eight Kugeln in den gläsernen Eisbechern. Für Helga Rabe ist es das erste Eis in diesem Jahr, „das auch immer am besten schmeckt.“ Für ihren Mann ist es schon das zweite Mal in dieser Saison. Er ließ sich am Tag zuvor in Bedburg zwei Kugeln schmecken – natürlich After-Eight.

