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Polizei kennt das ProblemGruppe junger Leute treibt mit Böllern ihr Unwesen in Brühl

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Zu sehen ist ein Mann, der auf ein Loch in einer Sitzbank zeigt.

Eine Gruppe junger Leute zündet immer noch Böller am Balthasar-Neumann-Platz. Dabei haben die Feuerwerkskörper auch schon Schäden am Sitzmöbeln verursacht. Darauf weist Anwohner Johannes Rudolph hin.

Eine Gruppe junger Leute zündet seit Weihnachten Böller am Balthasar-Neumann-Platz. Die Feuerwerkskörper haben schon Schäden am Sitzmöbeln verursacht.

Seit dem Jahreswechsel mit dem gewohnten Silvesterfeuerwerk sind inzwischen zwei Wochen vergangen, doch am Brühler Balthasar-Neumann-Platz werden immer noch Böller gezündet. „Hier scheppert es abends regelmäßig“, sagt Johannes Rudolph.

Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Balthasar-Neumann-Platz, ist inzwischen mehr als genervt. Denn die seiner Beobachtung nach jungen Feuerwerksfreunde schrecken nicht nur Anwohner, Passanten und Haustiere auf, sie hinterlassen auch Schäden an den Sitzinseln, die die Stadt vor wenigen Jahren bei der Neugestaltung des in den 1970er-Jahren errichteten Platzes im Westen der City angeschafft hat. Rudolph zeigt verbogene Blechverkleidungen und Löcher in den hölzernen Bänken und die Spuren von Böllern lassen keinen Zweifel an der Herkunft der Schäden zu.

So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie
Johannes Rudolph, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Balthasar-Neumann-Platz

„So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie. Das sind auch keine gewöhnlichen Knaller, die man vor Silvester im Geschäft kaufen kann, sondern deutlich stärkere“, ist der Brühler überzeugt. Insbesondere die älteren Bewohner der umliegenden Häuser – darunter ein großes Seniorenheim – litten unter den Geschehnissen. „Je nachdem, wo die Böller platziert werden, hört man den Knall noch in der achten Etage“, sagt Rudolph, der bereits mehrfach die Polizei verständigt hat.

„Die Beamten sind sehr aufmerksam und kommen schnell“, sagt er. Rudolph hat sogar schon beobachtet, wie vier Streifenwagen gleichzeitig auf den Platz rollten. Aber die jungen Täter trieben offensichtlich ein Versteckspiel mit der Polizei und seien weg, sobald die Beamten auftauchten, sagt er.

Ganz so chancenlos sind die Polizisten aber wohl nicht in diesem Kräftemessen. „Es konnten bereits Täter ermittelt werden“, erklärt Hauke Weigand, Sprecher der Polizei Rhein-Erft-Kreis. Und weiter: „Wir sind uns des Problems bewusst. Der Bereich rund um den Balthasar-Neumann-Platz wird intensiv bestreift. Zudem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Brühler Ordnungsdienst.“ Anzeigen wegen möglicher Straftaten oder Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten seien die Folge für die Täter.

Auch bei der Stadtverwaltung sind die Geschehnisse, die schon kurz nach Weihnachten ihren Lauf nahmen, ein Thema. Zum wiederholten Male. Bereits seit einigen Jahren zeige sich immer wieder dasselbe Bild, klagt die Verwaltung, „in den Tagen vor und auch nach der Silvesternacht werden widerrechtlich Feuerwerkskörper oder andere pyrotechnische Gegenstände von Einzelpersonen gezündet“.

Zu sehen ist das verbogene Blech an einer Sitzbank.

Die Blechverkleidung einer Sitzgruppe wurde von einem Böller beschädigt.

Dabei sei die Gesetzeslage eindeutig und erlaube dies nur am 31. Dezember und 1. Januar. Mitarbeiter des Ordnungsdienstes hätten zuletzt aufgrund von Beschwerden von Anwohnern gemeinsam mit der Polizei Sondereinsätze durchgeführt. Schwerpunkt waren der Balthasar-Neumann-Platz und umliegende Straßen. Dabei seien „etliche Verursacher“ ermittelt worden, gegen die ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werde. Erwischt wurden „ausschließlich Jugendliche und junge Erwachsene“, hieß es.

Bürgermeister Dr. Marc Prokop (CDU) erklärt: „Es handelt sich hierbei um Ordnungswidrigkeiten, die entsprechend des vorgeschriebenen Verfahrens mit Bußgeldern bis zu 1.000 Euro geahndet werden.“ Letztlich würden die Bußgelder „unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit und Ausüben pflichtgemäßen Ermessens festgelegt“. Die Höhe variiert abhängig von der Bedeutung der Ordnungswidrigkeit sowie der wirtschaftlichen Verhältnisse des Täters. 

Zu sehen ist der Balthasar-Neumann-Platz in Brühl.

Die Anwohner rund um den Balthasar-Neumann-Platz sind von der der Knallerei genervt.

Prokop sagt: „Das frühzeitige Abfeuern ist kein Kavaliersdelikt, insbesondere nicht, wenn damit gezielt Sachbeschädigungen oder Verletzungen von Unbeteiligten einhergehen.“ Die Zusammenarbeit von Ordnungsamt und Polizei wird entsprechend weiter intensiviert und zusätzliche Ordnungspartnerschaften und Kontrollen werden geplant. Auch für den kommenden Jahreswechsel werden weitere Maßnahmen mit der Polizei abgestimmt.

Wie wichtig dies ist, zeigt ein weiteres Vorkommnis auf einem Grundstück der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gebausie an der Vochemer Schöffenstraße. Dort wurde in der Silvesternacht an einem jahrzehntealten Nadelbaum gezündelt. Der Baum sei so sehr geschädigt worden, dass er aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste, wie Gebausie-Sprecherin Kerstin Lammer mitteilte.