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Unverzichtbare EhrenamtlerBrühlerin Kerstin Fourate arbeitet selbst in Afrika für ihren Verein am PC

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Zu sehen ist Kerstin Fourate.

Kerstin Fourate engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Verein „Kahramanlar – Brühler Helden“. 

Die 39-Jährige ist beim Verein „Kahramanlar – Die Brühler Helden“ eine unverzichtbare Ehrenamtlerin, selbst während ihres Job-Sabbaticals in Ägypten.

Mehr als 4000 Kilometer werden Kerstin Fourate für Monate von der Stätte ihres Engagements und ihrer Leidenschaft trennen. Luftlinie. Und doch wird die 39-Jährige ihrem Verein „Kahramanlar – Die Brühler Helden“, der ihr so viel bedeutet, auch während des kommenden halben Jahres nahe sein. Statt im Büro über der Sporthalle im Brühler Osten klappt Fourate nun im ägyptischen Hurghada nach der Arbeit ihr Notebook auf, um sich der Buchhaltung, neuen Konzepten, Förderanträgen und Mitgliederanmeldungen zu widmen.

„Warum nicht?“, fragt sie, als wäre das selbstverständlich. Das Lächeln in ihren Augen verrät jedoch, dass ihr durchaus bewusst ist, welch ungewöhnliche Beziehung sie zu ihrem ehrenamtlichen Wirken hat. „Mir ist schon klar, dass es nicht jeder so macht. Aber ich fühle mich in diesem Verein unglaublich wohl, und mir ist es wichtig, etwas Sinnvolles bewirken zu können“, sagt die junge Frau, die in Bornheim-Merten ihr Zuhause hat.

Brühl: Alles begann mit einem Aerobic-Kurs

Manchmal nimmt sie den Job nach dem Job in den eigenen vier Wänden in Angriff, meistens aber kommt sie in die Sporthalle, wo sie neben der Büroarbeit auch Kurse in Jumping und Step-Aerobic gibt. So ähnlich hat auch alles angefangen. Fourate arbeitete in einem Brühler Fitness-Studio, wo der Kahramanlar-Vorsitzende Fatih Türk sie kennenlernte und fragte, ob sie nicht Kurse in seinem Verein geben wolle. „Ich habe mir gedacht, dass ich das mal ausprobiere.“

Kurz darauf leitete sie erstmals bei den Brühler Helden zweimal wöchentlich einen Aerobic-Kurs für Frauen. Zehn Jahre sind seitdem vergangen. Ein Jahrzehnt, das aus der Trainerin einen unverzichtbaren Teil des Vereins gemacht hat. „Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, was wir ohne Kerstin machen würden. Eine oder einer allein könnte sie jedenfalls niemals ersetzen“, macht sich Türk nichts vor.

Fourate leitet Kurse und springt ein, wenn ein Kollege ausfällt; sie hat die komplette Buchhaltung des in der Zeit ihres Engagements von 200 auf mehr als 2500 Mitglieder gewachsenen Vereins im Griff, sie schreibt Konzepte für die Weiterentwicklung des Klubs und kümmert sich nebenbei um Anliegen von Trainern und Mitgliedern. „Ich glaube, es geht schneller zu sagen, was ich nicht mache“, erklärt sie mit einem Lachen.

Rund fünf Stunden verbringt sie mit ihrem Ehrenamt, an jedem Wochentag. „Wenn größere Veranstaltungen anstehen, sind es auch mehr“, sagt sie. Dabei hat die Bornheimerin auch noch einen herausfordernden regulären Job. Sie ist bei einem großen Getränkekonzern als Business-Analystin tätig.

Ich bin nicht der Typ, der gerne auf der Couch sitzt.
Kerstin Fourate vom Verein „Kahramanlar - Die Brühler Helden“

Die Frage nach dem „Warum“ beantwortet die 39-Jährige auf mehreren Ebenen. „Ich bin nicht der Typ, der gerne auf der Couch sitzt. Ich muss immer etwas tun, und es fühlt sich gut an, wenn etwas funktioniert“, sagt sie. Der Verein sei zudem so etwas wie ihr Freundeskreis, ihre zweite Familie geworden. Hinzu kämen einzigartige Erlebnisse, etwa die Jumping-Auftritte bei Konzerten der Hamburger Hip-Hop-Kombo Deichkind. Vor allem aber treibe es sie an, „etwas für die Gesellschaft, die Gesundheit ihrer Mitmenschen und gegen Einsamkeit tun zu können“, betont sie.

Um den Schulterklopfer auf großer Bühne geht es ihr hingegen nicht. „Ich halte mich lieber im Hintergrund, Fathi kann besser reden und Dinge präsentieren“, sagt sie. Und auch den schnellen Euro nebenbei hat sie nicht im Sinn. Den Obolus, den sie als Übungsleiterin und Ausbilderin von Trainern im Jumping erhält, stellt Fourate dem Verein für die weitere Arbeit zur Verfügung. „Ich verdiene gut im Job und brauche das Geld nicht“, stellt sie klar.

Zu sehen ist Kerstin Fourate.

Kerstin Fourate gibt Kurse im Jumping und kümmert sich um die Buchhaltung des 2500 Mitglieder zählenden Vereins.

Bei Kahramanlar gebe es hingegen viele Mitglieder, die Unterstützung bräuchten. So habe man aus der Ukraine Geflüchteten ein Jahr kostenlosen Sport angeboten und arbeite intensiv, um in Sachen Integration etwas zu bewegen. „Menschen mit 96 Nationalitäten sind bei uns aktiv. Wir wollen sie zusammenbringen“, sagt sie und verweist auf das breite Spektrum des Vereins, der neben Sportkursen von Pilates über Taekwondo, Rehasport und Laufradfahren bis zum Schwimmtraining auch Sprachkurse und Nachhilfeunterricht anbietet.

Wenn alles gutgeht, soll bald ein weiteres Projekt in Angriff genommen werden. Gleich neben der 2019 eröffneten Sporthalle soll ein weiteres Gebäude entstehen und neben einem Lehrschwimmbecken, Sauna und einem Fitnessstudio auch eine Sport-Kita beherbergen. Noch ist das ein Plan, an dem auch Fourate eifrig feilt. Die eigentliche Umsetzung wird sie dann nach ihrem Job-Sabbatical und dem Aufenthalt als Fitnesstrainerin in einem Urlaubsresort in Ägypten wieder aus der unmittelbaren Nähe begleiten. Von ihrem Büro in Brühl-Ost, dem Ort ihrer Leidenschaft und ihres Engagements.

In der nächsten Folge am Samstag, 2. Mai, stellen wir Helmut Weihers vor. Er war bis Ende 2012 Geschäftsführer des Chemieparks Knapsack und kümmert sich im Ruhestand seit vielen Jahren als Vorsitzender der Pensionärsvereinigung mit viel Einsatz darum, dass die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen der „Chemischen“ auf dem Knapsacker Hügel verbunden bleiben.