Die Möglichkeiten, mit einer veränderten Fassade der künftigen Wache mehrere Millionen Euro zu sparen, sind gegeben, aber es bleibt ein großes Risiko.
Es geht um MillionenEine Sorge lässt Politik in Brühl bei Gestaltung der Feuerwache zögern

Die Arbeiten laufen auf Hochtouren, wie die neue Feuerwache aussehen wird, ist aber noch offen.
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Markus Stark, der mit dem Neubau der Feuer- und Rettungswache beauftragte Architekt, stand am Montagabend (20. April) im städtischen Hauptausschuss noch einmal Rede und Antwort zum teuersten Projekt der Brühler Stadtgeschichte. Die wohl wichtigste Information blieb er jedoch schuldig. Nämlich wie groß die finanziellen Risiken einer veränderten Ausführung insbesondere der Fassade des Gebäudes und der damit verbundenen Verzögerungen sind. „Ich kenne ihr Dilemma. Aber ich kann leider nicht sagen, was es kosten wird“, erklärte Stark den Ausschussmitgliedern.
Zwar haben er und die Fachleute der Stadtverwaltung vier unterschiedliche Varianten einer Fassadengestaltung in den Blick genommen und deren Kosten und Folgen für die Bauzeit beziffert, doch wie bereits beauftragte Unternehmen reagieren und sich die Preise für Material und Ausführung während der möglicherweise deutlich längeren Bauzeit entwickeln, weiß niemand vorherzusagen.
Abkehr von ursprünglich vorgesehener Bauweise würde Fertigstellung der Wache verzögern
Klar sei, so Stark, dass eine Abkehr von der bisher geplanten Gestaltung aus Holz und mit viel Grün Verzögerungen mit sich brächte. „Es müssten Umplanungen stattfinden, die Anschlüsse stimmen dann nicht mehr, Ausschreibungen müssten geändert werden. Das bringt die beteiligten Unternehmen aus ihren Terminplänen“, sagte er. Das sei ein komplexes Thema und lasse das Einsparvolumen unter dem Strich sinken.
Bislang geht die Verwaltung von Baukosten für die Fassade von 15,8 Millionen Euro aus – die gesamte Wache soll mehr als 80 Millionen Euro kosten. Wird die Begrünung der Fassade reduziert und lässt man die zusätzliche PV-Anlage an der Wand weg – diese amortisiert sich laut Verwaltung erst nach mehr als 20 Jahren – , verringern sich die Baukosten um mehr als vier Millionen Euro. Sogar 6,5 Millionen Euro lassen sich sparen, wenn die Holz- durch eine Metallfassade ersetzt und die Begrünung reduziert wird. Die Bauzeitverlängerung bewegt sich je nach Variante zwischen fünf und zehn Monaten.
Und dann gibt es noch eine weitere Variante: Fiele die Begrünung ganz weg und würde man auf Metall setzen, wären Einsparungen von fast elf Millionen Euro möglich. Die Bauzeit würde sich dann um zwölf bis 14 Monate verlängern, zudem müsste der Bebauungsplan verändert werden, weil das Gelände insgesamt weniger Grün als dort festgehalten aufwiese.
Das wiederum könnte die Tür für weitere Einsprüche und Klagen öffnen. Die Vertreter des schwarz-roten Mehrheitsbündnisses im Rat wollen daher eine juristische Einschätzung der Risiken eines Rüttelns am Bebauungsplan abwarten. „Vorher werden wir keine Empfehlung abgeben. Wir sind es den Bürgern schuldig, jede mögliche Einsparung in den Blick zu nehmen“, erklärt CDU-Fraktionschef Holger Köllejan. Es gehe keinesfalls darum, der Feuerwehr einen Streich zu spielen und die Fertigstellung nach hinten auszudehnen.
Keine kostengünstige Begrünung möglich
Die von den Grünen abgefragten Möglichkeiten einer kostengünstigeren Bodenbegrünung insbesondere an der Front zum angrenzenden Seniorenheim scheiden derweil laut Stark aus Brandschutzgründen aus. Er nahm ebenfalls die Sorge vor höheren Raumtemperaturen oder Problemen für den Handyempfang durch die Metallfassade. Einer von FDP-Ratsherr Jochem Pitz angesprochenen Putzfassade als weitere Variante steht Stark skeptisch gegenüber. Zwar spreche technisch nichts dagegen, aufwendige Brandschutzvorkehrungen und Isolierung jedoch schon. Die Einsparungen seien dann wohl „nicht so groß“.
