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1200 Menschen im EinsatzNeue Einsatztruppe übt im Rhein-Energie-Stadion den Ernstfall

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Rund 1200 Einsatzkräfte üben bei der Bevölkerungsschutzübung resConEx '26 im Kölner Stadion.

Rund 1200 Einsatzkräfte übten bei der Bevölkerungsschutzübung resConEx '26 im Kölner Stadion.

Ein Knall, eine Giftwolke, Hunderte Betroffene – was wie ein Albtraum klingt, war am Mittwoch gewollte Realität. Eine neue Spezialeinheit übte den Umgang mit chemischen Gefahrstoffen.

Ein lauter Knall lässt die Besucher im Rhein-Energie-Stadion aufschrecken. Kurz darauf zieht eine dunkle Wolke über das Stadion hinweg. Wie sich schnell herausstellt, hat es in einer nahegelegenen Pestizid-Fabrik eine Explosion gegeben – giftige Stoffe breiten sich über dem Stadion und seinen Besuchern aus.

Es ist ein fiktives Szenario, das an diesem Mittwochmorgen in Müngersdorf geprobt wird. Wie evakuiert man ein Stadion, das mit chemischen Gefahrstoffen kontaminiert ist? Wie behandelt man in kürzester Zeit Hunderte oder gar Tausende kontaminierter Personen – und wie dekontaminiert man Fahrzeuge und wichtige Infrastruktur? Rund 800 Einsatzkräfte und 400 Komparsen probten den Ernstfall in einer der wohl aufwendigsten Katastrophenschutzübungen, die Köln bislang gesehen hat.

Rund 40 Millionen Euro für deutsche Helfer

Wie Übungsleiter Nils Jakubeit vom Technischen Hilfswerk (THW) im Vorfeld erläutert, war Deutschland – und Europa insgesamt – bislang nicht ausreichend auf Großlagen mit chemischen, biologischen, radiologischen oder nuklearen Bedrohungen vorbereitet. Genau das soll die neu formierte Einheit „rescEU-CBRN-DECON“ künftig ändern. Das Gemeinschaftsprojekt von THW, Bundespolizei und Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wird von der Europäischen Union finanziert – knapp 40 Millionen Euro stehen den deutschen Helfern dafür zur Verfügung.

Einsatzkräfte des THW üben die Dekontamination von Fahrzeugen.

Einsatzkräfte des THW üben die Dekontamination von Fahrzeugen.

„Es ist das erste Mal, dass das, was da draußen zu sehen ist, so in dieser Konstellation zusammenkommt. Viereinhalb Jahre lang haben wir daran gearbeitet“, sagt Jakubeit kurz vor dem Start der Übung. 

Zum Team gehören rund 300 Personen und etwa 60 Fahrzeuge, die in einem Konvoi auf bis zu acht Kilometer Länge ausrücken können. Wie gewaltig der Apparat ist, erleben die Komparsen, als sie nach der fiktiven Explosion aus der Südkurve heraus vor das Stadion geführt werden. Dort hat die Einheit bereits ein weitläufiges Containerdorf errichtet, das an verschiedenen Stationen die unterschiedlichsten Bedürfnisse vor Ort abdeckt. Polizisten und Feuerwehrleute in Vollschutzanzügen lotsen Komparsen und Kollegen durch das Gelände.

Im Mittelpunkt steht die Arbeit von vier spezialisierten Einheiten: Die erste kümmert sich um die Dekontamination von Infrastruktur wie Straßen und Gebäuden, die zweite um kontaminierte Fahrzeuge. Eine dritte Einheit sichert und dekontaminiert Beweismaterial zur Aufklärung des Vorfalls. Die vierte und vielleicht sichtbarste Einheit ist für die betroffenen Menschen zuständig. Mehrere Helfer im orangefarbenen Schutzanzügen weisen die Stadionbesucher ein und lotsen sie in mehrere Zelte, wo Duschen und saubere Kleidung bereitstehen. Es ist eine Art mobile Waschstraße, die dafür sorgt, dass alle Betroffenen von den giftigen Stoffen befreit werden; Verletzte und Erkrankte werden parallel von Ärzten in eigens aufgebauten Zelten behandelt.

Ein Statist wird während der Übung in einer Dusche dekontaminiert.

Ein Statist wird während der Übung in einer Dusche dekontaminiert.

Mehr als drei Stunden dauert die Übung, bis alle 400 Komparsen dekontaminiert und sämtliche Autos und LKWs gereinigt sind. Übungsleiter Jakubeit zieht kurz vor Ende der Übung ein positives Zwischenfazit: „Insgesamt können wir feststellen, dass sich vieles bewahrheitet, was wir uns in der Theorie gedacht haben – die Abläufe und Strukturen funktionieren.“

Verletzte und Erkrankte können durch die Einheit von Ärzten in eigens aufgebauten Zelten behandelt werden.

Verletzte und Erkrankte können durch die Einheit von Ärzten in eigens aufgebauten Zelten behandelt werden.

Sollte dennoch nicht alles reibungslos gelaufen sein, wäre das kein Makel, betont Jakubeit, im Gegenteil: „Ich unterstreiche jedes Mal, dass wir die Übungen nicht zum Selbstzweck machen und nicht als Show-Element, sondern damit wir Erkenntnisse gewinnen, die wir nutzen können, wenn es ernst wird.“

Ernst wird es voraussichtlich Ende 2026. Dann soll die Einheit offiziell einsatzbereit sein – und bei Bedrohungen durch chemische, biologische, radiologische oder nukleare Stoffe europaweit für Sicherheit sorgen.