GroßübungFür die Jugendfeuerwehr Sankt Augustin wurde es brenzlig

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Auch ein Löschangriff gehört zur Übung dazu.

Auch ein Löschangriff gehört zur Übung dazu.

Bei der Maschinenbaufirma Kuhne war ein Feuer ausgebrochen. Ein äußerst realistisches Szenario für eine Übung.

Auf dem Dach ereignet sich eine Explosion, die Werkhalle ist verraucht, doch zwischen den Maschinen liegen mehrere Schwerverletzte – dies ist das Szenario für die Jugendfeuerwehr Sankt Augustin bei ihrer Jahresübung. Die Erwachsenen schauen an diesem Tag nur zu und geben Hilfestellung. Die rund 120 Kinder und Jugendlichen müssen mit der Aufgabe selbst zurechtkommen.

Pünktlich um 14 Uhr am Samstagnachmittag werden sie alarmiert, ihr Bereitstellungsraum ist der Metro-Parkplatz an der Einsteinstraße. Ihr Einsatzort ist die Halle der Maschinenbaufirma Kuhne wenige Hundert Meter weiter. Mit Blaulicht und Martinshorn werden sie in den echten Löschfahrzeugen herübergefahren, für viele ein besonderes Erlebnis. Vom Dach schießen Stichflammen empor – die Planenden haben extra einen Pyrotechniker engagiert.

Mit der Drehleiter ganz nach oben

Auf dem Gelände werden sie von Zuschauerinnen und Zuschauern empfangen, darunter Bürgermeister Max Leitterstorf. Eltern, Verwandte und Geschwister dürfen an diesem Tag ausdrücklich zuschauen. Sie sehen, wie die Kinder und Jugendlichen aus den Fahrzeugen springen, Schläuche ausrollen, sich Funktionswesten überziehen. Mit der Drehleiter fahren sie – unter Begleitung eines Erwachsenen – nach oben.

Gemeinsam retten die Kinder und Jugendlichen einen Verletztendarsteller mit der Schleifkorbtrage.

Gemeinsam retten die Kinder und Jugendlichen einen Verletztendarsteller mit der Schleifkorbtrage.

„Bei der Jahresübung zeigen die Kinder und Jugendlichen, was sie drauf haben“, sagt Übungsleiter André Fey. „Wir nehmen eine Explosion bei Wartungsarbeiten an, woraufhin das gesamte Dach in Flammen steht. Es gilt, die Brände zu löschen und die elf Verletzten zu retten“, sagt er. „Wir wollen der Jugendfeuerwehr etwas Besonderes bieten, um sie auf später vorzubereiten und damit sie sehen, wie eine so große Einsatzstelle funktioniert.“ Die Jugendleiterinnen und Jugendleiter der einzelnen Standorte leisteten Unterstützung, das meiste machten die Nachwuchskräfte aber allein, betont Fey.

Kommunikation wie im Ernstfall

Die Kommunikation läuft wie im Ernstfall über Funk. Die Angriffstrupps, die Menschen retten und das Feuer bekämpfen sollen, tragen Attrappen von Atemschutzflaschen. Auf Knien und mit OP-Masken vor den Augen tasten sie sich vor. Das soll die sogenannte Nullsicht simulieren, denn in einem verrauchten Gebäude können auch die erfahrenen Feuerwehrleute nichts erkennen. Familienangehörige haben sich Verletzungen schminken lassen und schreien in der Werkhalle um Hilfe. Während draußen der Löschangriff mit Wassereinsatz auf das Dach vorbereitet wird, müssen die Angriffstrupps die Verletzten finden und nach draußen bringen.

Pyrotechniker inszenierten eine Explosion auf dem Dach der Firma Kuhne.

Pyrotechniker inszenierten eine Explosion auf dem Dach der Firma Kuhne.

Das kommt bei den Jugendlichen gut an: „Das ist nicht alltäglich, so einen aufwendigen Einsatz abzuarbeiten. In unserer Gruppe üben wir meist allein, hier mit mehreren Einheiten zusammen – das fördert den Zusammenhalt“, sagt der 14-jährige Nico Völkel vom Standort Meindorf. „Ich war nervös, als wir mit Blaulicht und Martinshorn zur Übung gefahren sind. Das war zwar ein cooles Gefühl, aber ich hatte Angst, Fehler zu machen“, ergänzt Louis Wagner (15), ebenfalls aus Meindorf.

Über Funk miteinander zu sprechen, ist extrem cool und hat auch gut geklappt“
Louis Wagner (15)

„Alle Funktionen sind wie in echt besetzt, aber durch Jugendfeuerwehrleute. Über Funk miteinander zu sprechen, ist extrem cool und hat auch gut geklappt“, fügt er hinzu. Unter Nullsicht zu agieren sei ungewohnt gewesen. „Aber auf einen Truppmann wie Nico, der einen führt, kann man sich verlassen.“

Auch wenn es noch ein paar Jahre dauert, wollen die beiden auf jeden Fall mit 18 Jahren in den aktiven Dienst eintreten. „Solche Übungen zu machen, war für mich maßgeblich, zur Jugendfeuerwehr zu gehen: Man trifft nette Leute, kriegt die ganze Ausrüstung kostenlos und kann an der Technik üben, um Menschen zu helfen – das macht viel Spaß.“ Auch abseits der Feuerwehr unternehme die Gruppe einiges: „Wir waren im Freizeitpark, spielen Lasertag oder gehen Eis essen – da bilden sich Freundschaften“, sagt Nico.

Wer der Jugendfeuerwehr Sankt Augustin oder auch der in anderen Kommunen beitreten will, muss mindestens zehn Jahre alt sein. Auch Mädchen sind willkommen, in Sankt Augustin gibt es bereits 24 jugendliche Feuerwehrfrauen. Nähere Informationen im Internet.