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Felix Kuhne ist in Firma eingestiegenSynergien sollen bei Kuhne in Sankt Augustin besser genutzt werden

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Felix Kuhne ist als dritte Generation in die Firma eingestiegen.

Felix Kuhne ist als dritte Generation in die Firma eingestiegen.

Das zeitintensive Durchblättern von dicken Aktenordnern könnte bei Kuhne bald die Künstliche Intelligenz übernehmen.

In Troisdorf geboren, in Hennef aufgewachsen, in Siegburg Abitur gemacht, in Niederkassel eine Ausbildung absolviert, in Sankt Augustin studiert. Felix Kuhne liebt die Region und fühlt sich hier zu Hause. „Ich hatte überlegt, ob ich nicht in einer anderen Stadt studiere“, berichtet der 35-Jährige. Hochschulen im Süden und Norden von Deutschland hat er sich angeschaut, doch „irgendwie hat etwas gefehlt.“ Die Entscheidung, an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zu studieren, war für ihn „genau das Richtige“.

Anfang dieses Jahres 2025 übernahm Felix Kuhne 45 Prozent der Firmenanteile des elterlichen Betriebes. Zusammen mit seinem Vater Peter ist er nun in dritter Generation Gesellschafter. „Ich möchte allerdings noch viel lernen“, betont er. Als Prokurist kann er zwar Entscheidungen treffen, doch es gibt noch drei Geschäftsführer in der Firma. Sie verantworten an wichtiger Stelle das Geschäft. „Ihr Wissen und ihre Berufserfahrung habe ich noch nicht“, so Kuhne. Deswegen sei es richtig, dass er in der Firma zurzeit noch nicht die Rolle des Geschäftsführers ausübe.

Wir denken da einiges über Projekte in Asien an, noch ist aber nichts konkret
Felix Kuhne über den Blick in die Zukunft

Die Ausbildung als Elektroniker bei Anton Kolb Maschinenbau in Niederkassel nach dem Abitur war ihm wegen des Praxisbezuges wichtig, beim Studium der Betriebswirtschaft lag sein Schwerpunkt auf Personal& Produktion. Da Kuhne international aufgestellt ist, entschied er sich für ein Auslandssemester in Thailand. „Die Universität in Bangkok mit rund 600.000 Studentinnen und Studenten gehört zu den größten der Welt“, berichtet er. Viel über die Lebensart der Menschen in Asien habe er da gelernt.

Dieses Wissen möchte Kuhne nun in der Firma nutzen. „Wir denken da einiges über Projekte in Asien an, noch ist aber nichts konkret“, betont er. Man müsse immer in die Zukunft blicken und für neue Idee offen sein. Denn Stillstand bedeute Rückschritt, das sei allgemein bekannt.

An der Einsteinstraße 20 in Sankt Augustin-Menden hat die Firma Kuhne Maschinenbau ihr Werksgelände.

An der Einsteinstraße 20 in Sankt Augustin-Menden hat die Firma Kuhne Maschinenbau ihr Werksgelände.

Den ersten Schritt ins kaufmännische Berufsleben tat Kuhne nach dem Abschluss des Studiums im Jahr 2019 beim Hamburger Handelshaus Rieckermann. Es ist spezialisiert auf den Markt in Asien und Mittleren Osten im Maschinen- und Anlagenbau. Dann kam im Jahr 2020 die Pandemie, auch Kuhne war bei seiner Stelle in Hamburg davon betroffen. „Als Berufseinsteiger im Homeoffice fehlten einfach die Erfahrungen vor Ort in Hamburg und das firmeninterne Netzwerk. Ich bin dann zurück nach Sankt Augustin gegangen.“ Mit dem Blick von außen und der Möglichkeit, Dinge positiv zu verändern, hätten sich an seinem neuen Arbeitsplatz bei Kuhne während der Coronazeit produktive Möglichkeiten ergeben.

Bei Kuhne gibt es drei große Geschäftsbereiche: Maschinenbau, Anlagenbau und Werkzeugbau

In der Firma gibt es drei große Geschäftsbereiche: Maschinenbau, Anlagenbau und Werkzeugbau. Sie arbeiten unter einem gemeinsamen Dach unabhängig voneinander. Während der Pandemie waren diese Bereiche unterschiedlich ausgelastet. „Warum kann nicht ein Elektroniker vom Maschinenbau beim Anlagenbau aushelfen, wenn dort viel zu arbeiten ist, er in seiner Abteilung zu diesem Zeitpunkt aber weniger zu tun hat?“, erklärt Kuhne ein Ziel bei der zukünftigen Organisation der Abläufe im Haus. Erste Schritte dazu konnten schon behutsam umgesetzt werden. Synergien nutzen, ist für ihn das Stichwort dazu. Das Silodenken müsse beendet werden.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ist ebenfalls ein Projekt, dem sich Kuhne widmen will. „Gerade in unserer Firma mit dicken Aktenordern voller Betriebsanleitungen kann eine Abfrage mit KI viel Zeit sparen“, erklärt er. Er setzt, wie auch die Stadt Sankt Augustin, auf eine „On-Premise-Lösung“. Der Rechner für die KI steht geschützt in der Firma und verarbeitet dort nur intern die Daten. „Das macht uns sicher vor Angriffen von außen und schützt zudem unser Wissen vor Industriespionage.“

Mit Berufserfahrung erkennt man schnell, wo es dann haken kann
Felix Kuhne zum Umgang mit der KI

Kuhne hat sich umfangreich mit dem Thema KI beschäftigt und nennt ein Beispiel aus dem täglichen Arbeitsleben, das jeder irgendwie kenne. Komplizierte und umfangreiche Aktenvorgänge würde man gerne vor sich her schieben. Am Ende der Woche sei ein Stapel von Papier auf dem Schreibtisch, der gelesen werden müsse, um daraus die Schlüsse zu ziehen. Diese Arbeit könne man der KI überlassen. Dem Mitarbeiter bliebe die prüfende Kontrolle des Ergebnisses. „Mit Berufserfahrung erkennt man schnell, wo es dann haken kann.“

Künstliche Intelligenz ist auch bei Kuhne Maschinenbau zurzeit Thema.

Künstliche Intelligenz ist auch bei Kuhne Maschinenbau zurzeit Thema.

Mit 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Kuhne ein mittelständischer Betrieb. Das erwirtschaftete Geld werde wieder reinvestiert, um das Unternehmen fit für die Herausforderungen am Markt zu halten, betont Kuhne. Umsatzsteigerung sei natürlich immer ein Ziel, „aber uns geht es auch so gut.“

Mittlere Triathlondistanzen und Halbmarathons sind die sportlichen Aktivitäten von Kuhne in seiner Freizeit - dazu kommt er allerdings immer weniger. Die Aufgaben in der Firma seien zurzeit wichtiger. Lange Strecken zu Terminen fährt er wenn möglich mit Bahn. Und da ist noch eine Sache, die ihm wichtig ist. „Als Demokraten müssen wir uns klar von der AfD abgrenzen“, betont er. Er verstehe nicht, dass der Verband der Familienunternehmer, „bei dem wir nicht Mitglied sind“, eine Annäherung an die AfD diskutierte. Diese Partei betreibe ein „Spiel mit der Angst der Menschen“, das zum Glück nicht fundiert sei.