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„Wir haben keinerlei Karten“Warum die Feuerwehr seit Jahren vor einem Brand in der Wahner Heide warnt

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Ein „Bambi Bucket“ für die Brandbekämpfung liegt auf einer Weide, im Hintergrund ist ein Faltbecken der Feuerwehr zu sehen.

Mit diesem „Bambi Bucket“ bekämpfte ein Polizeihubschrauber jetzt die Flammen aus der Luft. Das Szenario wurde von der Rösrather Feuerwehr bereits vor zwei Jahren bei der Großübung „Feuerwalzer“ geübt. Das Faltbecken im Hintergrund hat die Feuerwehr Rösrath extra für solche Fälle.

Der aktuelle Großeinsatz bestätigt die Sorgen von Rösraths Feuerwehrchef Bastian Eltner. Bereits 2023 stieß er Gespräche mit Behörden an, ein Jahr später folgte die Großübung „Feuerwalzer“.

„Wir haben keinerlei Karten, wo auf dem ehemaligen Truppenübungsplatzgelände noch Munition oder Kampfmittel liegen könnten.“ Mit diesen Worten warnte Rösraths Feuerwehrchef Bastian Eltner bereits im Sommer 2023 vor einem Waldbrand in der Wahner Heide. Der Großeinsatz der vergangenen Tage zeigte, wie berechtigt diese Sorge war. Weil die Feuerwehr das Brandgebiet wegen möglicher Kampfmittel nicht betreten durfte, musste das Feuer aus der Luft bekämpft werden – genau jenes Szenario, auf das sich die Feuerwehr seit Jahren vorbereitet.

Brandstelle in der Wahner Heide.

Hier hat es am Montag und Dienstag auf 1600 Quadratmetern in der Wahner Heide gebrannt.

Nicht die Flammen selbst waren das größte Problem, sondern der Boden unter ihnen. Seit mehr als 200 Jahren wurde die Wahner Heide militärisch genutzt. Bis heute gilt nicht als gesichert, wo sich noch Munition oder andere Kampfmittel befinden. Für die Feuerwehr bedeutet das: Sobald die sicheren Wege verlassen werden, steigt das Risiko für die Einsatzkräfte erheblich.

Die Sorge vor einem Band in der kampfmittelbelasteten Wahner Heide besteht seit Jahren

Dass der Einsatz dennoch vergleichsweise geordnet verlief, kommt nicht von ungefähr. Die Feuerwehr Rösrath beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit genau dieser besonderen Gefahrenlage. Bereits 2023 brachte Eltner Vertreter des Landesbetriebs Wald und Holz Nordrhein-Westfalen, des Bundesforstes und weiterer Fachbehörden an einen Tisch, um gemeinsame Strategien für Waldbrände auf munitionsbelasteten Flächen zu entwickeln.

Auslöser waren damals unter anderem die verheerenden Waldbrände in Brandenburg. Dort hatten explodierende Munitionsreste die Löscharbeiten erheblich erschwert. Eltner sah früh Parallelen zur Wahner Heide.

„Wir haben keinerlei Karten, wo auf dem ehemaligen Truppenübungsplatzgelände noch Munition oder Kampfmittel liegen könnten“, sagte der Feuerwehrchef damals dieser Zeitung. Für die Einsatzkräfte bedeute das, dass aus Sicherheitsgründen bereits weit vor den bekannten Warnschildern Schluss sei. Seine Sorge: Sollte sich ein Feuer ungehindert ausbreiten, könnten irgendwann auch Wohnhäuser am Rand der Heide gefährdet sein.

Behörden suchten auf Initiative der Rösrather Feuerwehr gemeinsam nach Lösungen

Ein angestrengtes Spitzentreffen brachte vor drei Jahren erstmals Beteiligte zusammen. So war der Ausbildungsleiter  des Landesbetriebs Wald und Holz, Mark Mevissen, früher selbst Förster im Königsforst. Er sagte zu, gemeinsam mit dem Geologischen Dienst nach möglichen Unterlagen über Kampfmittelbelastungen zu suchen.

Kreisregner im Einsatz

Nu mit äußerster Vorsicht ließ sich der Brand in dem munitionsbelasteten Gelände löschen.

Eine einfache Lösung gab und gibt es allerdings bis heute nicht. Die Wahner Heide wurde seit 1817 militärisch genutzt. Anders als in anderen Bereichen des Königsforstes hat eine flächendeckende Kampfmittelräumung dort nie stattgefunden.

„Feuerwalzer“ wurde unbewusst zur Generalprobe für den aktuellen Großeinsatz der Feuerwehr in der Wahner Heide

Aus den Gesprächen entwickelte sich 2024 schließlich die Großübung „Feuerwalzer“. Knapp 170 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Bundeswehr, Bundesforst, Deutschem Roten Kreuz und weiteren Organisationen probten einen Vegetationsbrand auf munitionsbelastetem Gelände.

Dabei ging es nicht nur ums Löschen. Geübt wurden vor allem die Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden, die Wasserversorgung und alternative Löschverfahren.

Wasser wurde damals mit dem Hochleistungssystem „Hytrans Fire System“ über rund zwei Kilometer von der Sülz bis zur Einsatzstelle gepumpt. Ein 20.000 Liter großer Faltbehälter diente als Zwischenspeicher. Von dort aus sollte eine mehr als einen Kilometer lange Regnerkette gespeist werden, mit der sich Waldflächen von sicheren Wegen aus bewässern lassen.

Viele Vorbereitungen vom „Feuerwalzer“ haben sich jetzt im Ernstfall ausgezahlt

Genau dieses Faltbecken kam nun beim echten Waldbrand erneut zum Einsatz. Daraus füllte der Polizeihubschrauber seinen „Bambi Bucket“, mit dem er bis zum Einbruch der Dunkelheit rund 20 Löschflüge absolvierte.

Für Eltner zeigt der Einsatz, wie wichtig die jahrelangen Vorbereitungen waren. Gleichzeitig habe der Brand aber auch bestätigt, dass jeder Vegetationsbrand in der Wahner Heide wegen der vermuteten Kampfmittel eine besondere Herausforderung bleiben werde.