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„Ein Erkenntnisproblem“Was nach dem brenzligen Waldbrand in der Wahner Heide endlich geschehen müsste

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Das am Montag und Dienstag (6./7. Juli) abgebrannte Waldstück und ein montiertes Porträt von Rösraths Feuerwehrchef und Einsatzleiter Bastian Eltner.

Rösraths Feuerwehrchef und Einsatzleiter Bastian Eltner äußert sich zu einem Problem in der Wahner Heide, das die Retter seit Jahren intensiv beschäftigt.

Der Brand ist mit einem Großaufgebot gelöscht – das Problem bleibt: Warum die Feuerwehr seit Jahren vor Feuer in der Wahner Heide warnt.

Mit Unterstützung aus der Luft, aus dem gesamten Kreisgebiet und von einer weltweit tätigen Spezialfirma für Vegetationsbrandbekämpfung aus Rösrath ist es der Feuerwehr Rösrath gelungen, den Waldbrand in der Wahner Heide zu löschen – in einem Gebiet, in dessen Boden unbekannte Mengen an Kampfmitteln vermutet werden.

Feuerwehrleute tragen Schläuche in den von einem Waldbrand betroffenen Wald in der Wahner Heide bei Rösrath.

Anordnen konnte Einsatzleiter den Einsatz in dem kampfmittelbelasteten Waldstück. Nur Freiwillige gingen dort nach sorgfältiger Abwägung hinein.

„Wir haben keinerlei Karten, wo auf dem ehemaligen Truppenübungsplatzgelände noch Munition oder Kampfmittel liegen könnten“, sagte Rösraths Feuerwehrchef Bastian Eltner bereits 2023. Seit Jahren macht er auf die Problematik aufmerksam – und weiß nicht erst seit dem Großbrand von dieser Woche: „Es wird wahrscheinlich niemals Karten zur genauen Kampfmittelbelastung der einzelnen Bereiche der Wahner Heide geben.“

Kampfmittel auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz wurden nie flächendeckend geräumt

Denn eine flächendeckende Untersuchung des Areals, auf dem seit 1817 ein Truppenübungsplatz bestand, gibt es bis heute ebenso wenig wie Pläne, das Gelände systematisch von Altlasten zu räumen.

Feuerwehrfahrzeuge stehen auf einer Straße in Rösrath-Brand.

Zeitweise waren bis zu 200 Feuerwehrleute und Verstärkung aus dem gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus beim Waldbrand in der Wahner Heide bei Rösrath im Einsatz.

„Schon auf die Frage, wo die Wahner Heide beginnt, die belastet sein könnte, haben wir bislang keine eindeutige Antwort bekommen“, bedauert Eltner. „Wenn ich das wüsste, könnte ich das Gebiet bis zu dieser Grenze verteidigen. Wenn es aber heißt, die belastete Wahner Heide reiche in Richtung Rösrath und Sülztal bis zur A3, dann muss ich mir Gedanken machen, was mit Ortschaften wie Hasbach, Brand oder Schefferei ist, die jenseits der Autobahn liegen.“ Auch das Kinder- und Jugenddorf Stephansheide der Diakonie Michaelshoven, in dem die Einsatzkräfte am Montag und Dienstag ihre Einsatzzentrale einrichten konnten, liegt innerhalb der Wahner Heide.

Wir haben kein Wissens-, sondern ein Erkenntnisproblem.
Bastian Eltner, Einsatzleiter und Rösraths Feuerwehrchef

Gemeinsam mit den jeweiligen Rathauschefs hat die Feuerwehr Rösrath in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, genauere Informationen über die Kampfmittelbelastung zu erhalten. Der Erfolg blieb bislang überschaubar – auch weil eine Vielzahl von Behörden und Institutionen beteiligt sind. Dazu gehören unter anderem die Deutsche Bundesstiftung Umwelt als Eigentümerin großer Flächen, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der Kampfmittelbeseitigungsdienst, die Bundeswehr und verschiedene Ministerien.

Der Einsatzleitwagen der Feuerwehr Rösrath steht auf einer Asphaltfläche in Stephansheide.

Die Einsatzzentrale hatte die Feuerwehr im Innenhof des Kinder- und Jugenddorfs Stephansheide eingerichtet, das selbst eigentlich im kampfmittelbelasteten Gebiet liegt.

„Auch die Feldjäger der Bundeswehr haben Informationen, ebenso der Kampfmittelräumdienst – vielleicht auch das Innenministerium“, sagt Eltner. „Es gab in der Rösrather Stadtverwaltung einmal eine Karte mit entsprechenden Dokumentationen.“ Letztere sei aber bei der Hochwasserkatastrophe 2021 verloren gegangen. „Bis heute ist es uns nicht gelungen, diese Informationen wiederzubeschaffen“, so Eltner.

Normalerweise soll in NRW munitionsbelastetes Gelände nur aus der Luft gelöscht werden

Kommt es zu einem Vegetationsbrand auf munitionsbelastetem Gelände, sei in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich nur eine Brandbekämpfung aus der Luft vorgesehen. „So haben wir es am Montagabend mit dem Bambi Bucket am Polizeihubschrauber gemacht“, erläutert Eltner. „Wenn der Einsatz auf dem Dienstweg beantragt wird, übernimmt das Land die Kosten. Die Genehmigung lag auch schnell, innerhalb nur einer halben Stunde vor.“

Ein Drohnenpilot des Kreises startet eine Drohne in der Wahner Heide.

Hilfe aus der Luft: Neben einem Polizeihubschrauber mit „Bambi Bucket“ (Löschbehälter) waren auch die Drohnen von Kreis und DRK im Einsatz beim Waldbrand in der Wahner Heide.

Vollständig gelöscht werden konnte der Brand jedoch erst am Dienstag mithilfe einer Kreisregneranlage. Dafür wurden Feuerwehrschläuche und Regner ringförmig um das brennende Waldstück verlegt. „Wir hatten auch große Unterstützung aus der Luft durch die Drohnen von Kreis und DRK“, sagt der Einsatzleiter. „Anordnen darf ich meinen Feuerwehrleuten den Aufbau einer solchen Kreisregner-Anlage auf kampfmittelverdächtigem Gelände allerdings nicht. Das geschieht ausschließlich auf freiwilliger Basis.“

Jeder Schritt der Brandbekämpfer ist  bezüglich der Gefahren sorgfältig abgewogen worden

Jeder Schritt werde zuvor sorgfältig abgewogen, betont Eltner. Auf Bodenbearbeitung oder den Einsatz schwerer Fahrzeuge werde grundsätzlich verzichtet. „Und es gibt Bereiche weiter südlich als dort, wo es jetzt gebrannt hat, die deutlich stärker mit Kampfmitteln belastet sind. Dort würden wir bei einem Brand auf keinen Fall hineingehen.“

Feuerwehrfahrzeuge stehen in der Wahner Heide.

Einsätze in der Wahner Heide sind eine große Herausforderung für die Feuerwehr - da wichtige Informationen oft fehlen.

Auch wenn sich alle Beteiligten gewünscht hätten, dass der Ernstfall niemals eintreten würde, sieht Eltner den Einsatz als Chance. Seit Jahren bereite sich die Feuerwehr auf genau ein solches Szenario vor. Nun hoffe er, dass der erfolgreich bewältigte Großeinsatz alle beteiligten Stellen an einen Tisch bringe.

Die Informationen müssen an der richtigen Stelle zusammengeführt werden, damit wir als Feuerwehreinsatzleitung im Ernstfall auf einer möglichst sicheren Grundlage Entscheidungen treffen können.
Bastian Eltner, Einsatzleiter und Rösraths Feuerwehrchef

„Gemeinsam mit dem Bürgermeister werden wir auf jeden Fall noch einmal eine Initiative starten“, kündigt Eltner an. Denn der Brand habe gezeigt, wie kritisch die Lage werden könne. Das Feuer brach unmittelbar zwischen sensibler Infrastruktur wie dem Flughafen Köln/Bonn, der Autobahn 3 und dem dicht besiedelten Rösrather Stadtgebiet aus.

Zur Brandursache gibt es nach Angaben der Kreispolizei Rhein-Berg bislang keine Erkenntnisse.

Für Einsatzleiter Eltner ist der Einsatz zugleich Bestätigung und Warnung. Die jahrelangen Vorbereitungen hätten sich ausgezahlt. Gleichzeitig habe der Waldbrand gezeigt, dass jeder Vegetationsbrand in der Wahner Heide wegen der vermuteten Kampfmittel eine außergewöhnliche Herausforderung bleiben werde – solange die vorhandenen Informationen nicht gebündelt würden.

„Wir haben kein Wissens-, sondern ein Erkenntnisproblem“, sagt Eltner. „Die Informationen müssen an der richtigen Stelle zusammengeführt werden, damit wir als Feuerwehreinsatzleitung im Ernstfall auf einer möglichst sicheren Grundlage Entscheidungen treffen können.“