Wer seine Dauerkarte beim 1. FC Köln behalten möchte, muss zur kommenden Saison Vereinsmitglied werden. Dennoch bleibt die Nachfrage nach den Jahrestickets riesig.
Neue Dauerkartenregel1. FC Köln vermeldet bereits 2500 neue Mitglieder

Regelmäßig ausverkauft: das Rhein-Energie-Stadion.
Copyright: IMAGO/Beautiful Sports International
Martin Schlüter ist Allesfahrer. So nennt man Fußballfans, die ihrem Klub überallhin folgen. In der Saison 2025/26 verpasste der 53-Jährige kein einziges Pflichtspiel des 1. FC Köln. Ob daheim oder in der Ferne: Schlüter war immer dabei und einer der treuesten Begleiter des Aufsteigers auf dem langen Weg zum Klassenerhalt. Wenn der Gastronom nicht gerade hinter der Theke steht, dreht sich bei ihm fast alles um den 1. FC Köln, dem er sich auch in einem eigenen Podcast widmet.
Umso größer war am vergangenen Freitag nicht nur bei Schlüter das Erstaunen, als der FC eine weitere Verschärfung der Dauerkartenregel verkündete: Ab der kommenden Saison wird der Stammplatz im Rhein-Energie-Stadion an den Erwerb einer Mitgliedschaft geknüpft. Von der Maßnahme sind 5000 der insgesamt 25.500 Dauerkarteninhaber betroffen. Sie alle erhielten vom FC zum Start ins Wochenende eine E-Mail mit dem wenig erfreulichen Betreff „Kündigung deines Dauerkartenvertrages“. Eine Maßnahme, die der FC bereits zum 30. Juni vollzieht. Wer seine Dauerkarte behalten möchte, muss sich bis zum 15. Juni um eine Neubeantragung kümmern und bis zum 31. Juli Mitglied beim FC werden. Der Jahresbeitrag für Erwachsene beträgt 92 Euro.
Es fühlt sich so an, als wenn man eine Pistole auf die Brust gesetzt bekommt. So geht man nicht mit Fans um, die dem FC teilweise seit Jahrzehnten die Treue halten.
„Ich war überrascht“, erklärt Martin Schlüter zum Vorstoß des FC. Als bestehendes Mitglied ist er von der Maßnahme selbst zwar nicht betroffen. Dafür aber viele seiner Freunde. „Es fühlt sich so an, als ob man eine Pistole auf die Brust gesetzt bekommt. So geht man nicht mit Fans um, die dem FC teilweise seit Jahrzehnten die Treue halten“, meint Schlüter. Vor allem die Kurzfristigkeit gefällt ihm nicht: „Eleganter wäre es gewesen, auf der nächsten Mitgliederversammlung eine Abstimmung durchzuführen. Auf diese Weise wäre eine gewisse Vorlaufzeit sichergestellt gewesen.“

Sie sorgen für Stimmung im Stadion: die Fans des 1. FC Köln. (Archivbild)
Copyright: IMAGO/STEINSIEK.CH
Der FC verweist wiederum auf eine im vergangenen April durchgeführte Umfrage, bei der 72 Prozent der 18.000 Teilnehmer für eine Verknüpfung von Dauerkarte und Mitgliedschaft votiert hätten. Vizepräsident Ulf Sobek bezeichnet das Ergebnis als „außergewöhnlich klares Votum“. Als mitgliedergeführter Verein sei es „unser Anspruch, solche eindeutigen Rückmeldungen nicht nur einzuholen, sondern auch umzusetzen“. Und weiter: „Viele Mitglieder sehen deshalb gerade in der konsequenten Umsetzung dieses demokratisch geäußerten Willens ein wichtiges Signal für die Glaubwürdigkeit unseres Vereins.“
Zur Wahrheit gehört auch, dass der FC beim Ticketing aus einer komfortablen Situation heraus agiert. Die Mitgliederzahlen steigen rasant, aktuell zählt der FC mehr als 160.000 Mitglieder. Mit den 45.000 Fans, die auf der Dauerkarten-Warteliste stehen, ließe sich das Rhein-Energie-Stadion fast vollständig füllen. Die meisten von ihnen müssen viele Jahre warten, ehe sie an der Reihe sind. FC-Heimspiele stellen eine Art geschlossene Gesellschaft dar. „Gemessen an Angebot und Nachfrage kann sich der FC dieses Vorgehen erlauben“, resümiert Martin Schlüter. Immerhin würden die Mehrkosten überschaubar bleiben. „Wer zum FC geht, kann es sich vermutlich erlauben, ein paar Euro mehr pro Spiel zu bezahlen.“
Diese Entscheidung basiert auf einem klaren demokratischen Beteiligungsprozess und dem ausdrücklichen Wunsch einer großen Mehrheit der teilnehmenden Mitglieder.
Juristisch bewegt sich der FC nach Einschätzung von Dr. Jörg Heyer, Anwalt für Gesellschaftsrecht aus Köln, auf sicherem Terrain. „Der FC ist im Grundsatz frei in seiner Entscheidung, mit wem er einen Dauerkartenvertrag schließt. Im vorliegenden Fall macht der Klub von seinem Kündigungsrecht Gebrauch. Rechtlich steckt nicht besonders viel Widerspruchspotenzial in dem Vorgehen“, sagt Heyer, selbst Dauerkarteninhaber und Vereinsmitglied.
Nach Angaben des FC bewegen sich die bisherigen Rückmeldungen aus der Mitgliedschaft im erwarteten Rahmen. „Natürlich gibt es kritische Stimmen, die wir ernst nehmen und mit denen wir den Dialog suchen. Gleichzeitig erhalten wir sehr viele positive Rückmeldungen von Mitgliedern und Dauerkarteninhabern, die die neue Regelung als nachvollziehbar, transparent und fair bewerten“, berichtet Vizepräsident Ulf Sobek, der sich im Vorstand um das Thema Ticketing kümmert. Vom Vorwurf einer „Zwangsmitgliedschaft“ will man am Geißbockheim nichts wissen. Dieser Begriff sei „nicht zutreffend“, meint Sobek. „Niemand wird verpflichtet, Mitglied des 1. FC Köln zu werden.“
1. FC Köln kündigt leichte Erhöhung der Dauerkartenpreise an
Vielmehr habe der FC entschieden, „dass eine Dauerkarte künftig an eine Mitgliedschaft gekoppelt ist. Diese Entscheidung basiert auf einem klaren demokratischen Beteiligungsprozess und dem ausdrücklichen Wunsch einer großen Mehrheit der teilnehmenden Mitglieder. Gerade weil wir ein mitgliedergeführter Verein sind, sehen wir uns in der Verantwortung, solche Mehrheitsentscheidungen ernst zu nehmen und umzusetzen“, erklärt Sobek. Die Entscheidung sei zudem „nicht aus finanziellen Erwägungen“ getroffen worden.
Wie der FC mitteilte, haben seit vergangenem Freitag bereits 2500 Dauerkarteninhaber eine Mitgliedschaft abgeschlossen. Das entspricht der Hälfte der Jahreskarteninhaber, die von der neuen Regel betroffen sind. „Die hohe Zahl neuer Mitgliedsanträge zeigt, dass viele die Entscheidung nachvollziehen können und sich bewusst dafür entscheiden, künftig nicht nur Dauerkarteninhaber, sondern auch Mitglied des 1. FC Köln zu sein“, meint Sobek.
Dauerkarteninhaber müssen sich zur kommenden Saison derweil auch auf einen leichten Preisanstieg einstellen. Der FC kündigte an, die Jahrestickets je nach Kategorie um 2,8 beziehungsweise 2,9 Prozent zu erhöhen. „Dabei bewegen wir uns je nach Kategorie im durchschnittlichen Bereich der Bundesliga“, relativiert Vizepräsident Sobek, der von einer Anpassung „mit Augenmaß“ spricht. Die Preise für Tageskarten sollen unverändert bleiben. „Trotz steigender Kosten im Veranstaltungs- und Spielbetrieb bleibt der Stadionbesuch beim 1. FC Köln fair“, meint Sobek.

