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„War schwieriges Jahr für mich“Boniface-Comeback – zwei Tore, viele offene Fragen

3 min
Victor Boniface wird am Trikot gehalten.

Leverkusens Victor Boniface (r.) im Testspiel bei den Sportfreunden Baumberg.

Victor Boniface feiert beim 7:0 gegen Baumberg ein gelungenes Comeback nach schwierigen Monaten bei Werder Bremen.

Victor Boniface hielt den linken Fuß hin und staubte eiskalt ab. Drei Minuten später lief er in eine flache Hereingabe und schob mit etwas Glück zum zweiten Mal ein. Die Leverkusener Anhänger unter den 1800 Zuschauern jubelten lauter als bei den anderen Treffern. Boniface lächelte, seine Mitspieler gratulierten, und für einen Augenblick sah es so aus, als könne ein Fußballer seine jüngere, schmerzhafte Vergangenheit einfach hinter sich lassen.

Beim 7:0 von Bayer 04 Leverkusen gegen den Fünftligisten Sportfreunde Baumberg feierte Boniface sein Comeback für die Werkself. In 35 Minuten zeigte er, dass der Instinkt eines Strafraumspielers nicht einfach verschwindet, nur weil der Körper lange nicht mitspielt. Doch zur ganzen Wahrheit gehört auch: Boniface bewegte sich deutlich schwerfälliger als in der Saison 2023/2024, in der er mit Leverkusen zum Double stürmte. Antritt, Wendigkeit und Dynamik, seine Stärken alter Tage – davon waren am Samstag nur Ansätze zu sehen.

Übergewicht, ein unsteter Lebenswandel und ein überschaubarer Fitnesslevel kennzeichneten den Zustand von Boniface im vergangenen Sommer. Am letzten Transfertag ging es dann auf Leihbasis zu Werder Bremen. Doch der erhoffte Neustart an der Weser blieb aus: elf Bundesliga-Einsätze, kein Tor. Anfang Januar 2026 wurde er am rechten Knie operiert. Für ihn war die Saison und seine Zeit in Bremen damit vorzeitig beendet. Und die persönliche Aussicht war sehr düster: Das Ende der aktiven Karriere stand als konkretes Szenario im Raum.

Dass die OP schließlich viel besser lief als erwartet, brachte in Boniface neue Motivation hervor. Beinahe täglich kündigte er mit Fotos und Videos auf seinem Instagram-Kanal bald wieder der Alte zu sein. „Natürlich bin ich froh, dass ich wieder trainiere, wieder spiele und wieder das tun kann, was ich liebe“, sagte Boniface nach dem Spiel in Monheim. „Es war ein schwieriges Jahr für mich. Es ist ein gutes Gefühl, wieder zurück zu sein. Für mich geht es darum, weiterzumachen.“

Boniface in besserer Verfassung als 2025

Carles Martínez, der neue Leverkusener Trainer, sah in den 35 Minuten vor allem einen ersten Schritt auf einem langen Weg. Boniface habe gute Aktionen gezeigt und daran erinnert, „wer Boni ist“, sagte der Spanier. Der Stürmer kenne das Ziel, sagte der Trainer, nun gehe es „Schritt für Schritt“ weiter. Auch Simon Rolfes bremste die Erwartungen, ohne die Hoffnung aufzugeben. „Man merkt natürlich noch, dass ihm einige Dinge fehlen“, sagte der Sport-Geschäftsführer. Boniface sei aber in deutlich besserer Verfassung als im März oder April – und auch in besserer Verfassung als vor einem Jahr. Vor allem habe er Bewegungen und Dribblings gezeigt, die im vergangenen Sommer nicht mehr möglich gewesen seien. Mit seinem Gesundheitszustand sei Bayer „sehr zufrieden“. Nun gehe es um die Fitness. Boniface werde noch „einige intensive Wochen“ benötigen, um sein Niveau zu heben.

Keiner kann einen Zeitpunkt nennen, an dem Boniface wieder seine frühere Leistungsfähigkeit erreicht – oder ob es überhaupt noch mal in die Richtung gehen kann. Vor seiner Zeit in Leverkusen hatte der Nigerianer in Norwegen zwei Kreuzbandrisse erlitten. Die Frage lautet deshalb nicht nur, wann Boniface wieder spielen kann. Sie lautet, ob sein Körper noch einmal dauerhaft die Form für Profifußball zulässt, die ihn einst so wertvoll machte.

Bayers Verantwortliche sehen die Situation entspannt. Der Klub hat mit Patrik Schick und Christian Kofane zwei gesetzte Alternativen im Sturm. Boniface besitzt zwar einen Vertrag bis 2028, seine sportliche Zukunft in Leverkusen ist dennoch offen. Seine zwei Tore in Monheim waren ein gutes Signal, mehr jedoch noch nicht.