Abo

Neue FC-TrainingswocheDie Hoffnungsträger drängen ins Kölner Team

5 min
Mikey Moore ist am Samstag gegen Werder Bremen ein Kandidat für die Kölner Startelf.

Mikey Moore ist am Samstag gegen Werder Bremen ein Kandidat für die Kölner Startelf. 

Nach dem 1:4 beim VfB zeichnet sich ein Umbau der Kölner Startelf ab. Die Stürmer Dallinga und El Mala kehren zurück.

Zehn externe Zugänge hat der 1. FC Köln in der nun abgelaufenen Transferphase verpflichtet. Nach dem Aufstieg im Vorjahr ging der Umbau des Kaders auch nach dem Klassenerhalt ungebremst weiter. Die Transfersperre, der überambitionierte Konsolidierungskurs – zwei Projekte der auch deswegen abgelösten Klubspitze – haben die großen Kaderbewegungen der vergangenen beiden Sommerpausen nötig gemacht.

Erst spät war der Kölner Kader komplett, und noch immer wirkt nichts eingespielt. Vor allem die Abwehr bereitete zuletzt Sorgen. Der FC hat in den ersten drei Pflichtspielen nur in Phasen angedeutet, zu was die neue Mannschaft in der Lage ist. Im Guten wie im Schlechten haben die Kölner ihre Fans zum Staunen gebracht. Das Zwischenergebnis sind die zweite Pokalrunde sowie drei Punkte aus den ersten beiden Bundesligaspielen. Ein ordentlicher Start, trotz allem.

Der 1. FC Köln mochte am Freitag beim 1:4 in Stuttgart seine erste Niederlage der Saison kassiert haben. Doch aus zwei Blickwinkeln gab es Grund zur Hoffnung. Einerseits ist die Mannschaft des VfB mittlerweile derart stark besetzt und von Sebastian Hoeneß offenbar ebenso gut trainiert, dass ein Verein wie der 1. FC Köln dort vor 60.000 Zuschauern wohl in sieben von zehn Spielen chancenlos ist.

Andererseits zeigte der FC nach den Wechseln zur zweiten Halbzeit, dass im Kader deutlich mehr Potenzial steckt, als Trainer René Wagner im ersten Durchgang auf den Platz geschickt hatte. Mikey Moore im Angriff und Ellyes Skhiri im Mittelfeld veränderten das Kölner Spiel drastisch. Stuttgart geriet unter Druck; in der Viertelstunde nach dem Seitenwechsel hätte der FC den Ausgleich erzielen können, womöglich sogar müssen. „Dann hätten wir vielleicht ein anderes Spiel gesehen“, vermutete Wagner hinterher.

Anschließend unterstrich der Trainer, welche Hoffnungen auch er mit Moore und Skhiri verbindet. „Sie werden noch wichtig werden in dieser Saison. Mikey kann den Unterschied für uns machen. Ellyes hat das Spiel organisiert“, sagte der Coach. Moore und Skhiri lösten in Stuttgart zumindest zeitweise zwei entscheidende Kölner Probleme: den nicht bundesligatauglichen Auftritt im defensiven Mittelfeld und die nicht vorhandene Offensivkraft. Warum weder Moore noch Skhiri in der Startelf gestanden hatten, blieb angesichts des Spielverlaufs ein Rätsel.

FC-Angreifer Jan Thielmann konnte sich in Stuttgart nur selten durchsetzen.

FC-Angreifer Jan Thielmann konnte sich in Stuttgart nur selten durchsetzen.

Moore habe eine „super Vorbereitung gespielt“, hatte Wagner noch vor der Abreise nach Schwaben gesagt: „Er war der Spieler, den wir gesucht haben. Er kann alle Positionen spielen. Deswegen setzen wir ihn da ein, wo er uns am meisten hilft“, teilte der Trainer mit, um Moore dann auf die Bank zu setzen. Wie Moore war auch Skhiri erst spät im Sommer ans Geißbockheim gekommen, hatte aber bereits im Pokal für Köln gespielt und beim 3:2 über die TSG Hoffenheim 25 Minuten auf dem Platz gestanden. Er hoffe, dass Skhiri „relativ schnell schon für die Startelf zur Verfügung steht“, hatte Wagner nach dem Spiel gegen Hoffenheim gesagt – und den Tunesier eine Trainingswoche später in Stuttgart ebenfalls nur als Ersatzspieler aufgeboten. Offenbar waren die Zweifel an Skhiris Matchfitness nach einem Sommer ohne Testspiele zu groß gewesen.

Dallinga zurück im Training

Daheim gegen Bremen ist am Samstag (18.30 Uhr) fest mit Moore und Skhiri in der Startelf zu rechnen. Mehr noch: Am Montagnachmittag zeigten sich weitere Kölner Hoffnungsträger auf dem Trainingsplatz am Geißbockheim. Thijs Dallinga, Doppeltorschütze gegen Hoffenheim, ist wieder gesund und trainierte voll mit. Said El Mala konnte nach seiner Krankheitspause immerhin wieder in den Grüngürtel kommen und eine individuelle Einheit absolvieren. Damit könnten im Vergleich zu Stuttgart vier von zehn Feldspielern neu in die Anfangsformation rücken – jeder für sich ein Hoffnungsträger.

Nach dem unglücklichen Auftritt in Stuttgart könnte außerdem das Experiment mit Alessio Castro-Montes auf der Rechtsverteidigerposition enden. Der technisch beschlagene Belgier war gegen die VfB-Flügel vor allem athletisch überfordert. Daher dürfte es Wagner gefreut haben, am Montag den zuletzt muskelverletzten Sebastian Sebulonsen wieder begrüßen zu dürfen. Man müsse beim Norweger „von Woche zu Woche“ planen, hatte Wagner vor zehn Tagen erklärt. Zugleich hatte er aber gesagt, er rechne erst nach der Länderspielpause wieder sicher mit Sebulonsen. Das wäre erst in vier Wochen gewesen. Umso bemerkenswerter war, dass Sebulonsen am Montag wieder voll trainierte, während Castro-Montes nach einer halben Stunde aus der Einheit ausstieg. Dessen Position auf der rechten Abwehrseite nahm Jan Thielmann ein, der nach einem gescheiterten Versuch unter Gerhard Struber eigentlich nicht mehr als Defensivspieler vorgesehen war. Sollte Sebulonsen nach der langen Pause noch nicht wieder bereit sein und Castro-Montes ausfallen, könnte Thielmann allerdings gegen Werder eine Option werden.

In der Offensive dürften Thielmanns Aussichten auf einen Einsatz jedenfalls vorerst gering sein: Moore, Dallinga und El Mala sind hinter Ragnar Ache eingeplant; Linton Maina ist verblüffend stark aus der Vorbereitung gekommen. Zudem deutete Reigan Heskey (18) in Stuttgart nach seiner Einwechslung an, dass er zumindest in Kurzeinsätzen bereits Einfluss auf die Kölner Offensive nehmen kann. Der junge Engländer sei zwar im Jugendbereich ein „brutaler Unterschiedsspieler“ für Manchester City gewesen, müsse sich nun aber daran gewöhnen, den athletischen Anforderungen der Bundesliga zu genügen. Wagner ist jedoch zuversichtlich: „Fußballerisch haben wir absolut keine Bedenken.“