Der FC offenbart beim 1:4 in Stuttgart erneut defensive Probleme. Das Spiel nach der Pause nach vorne und neue Personaloptionen geben aber Anlass zur Hoffnung.
Bekannte SchwächeDer 1. FC Köln zwischen Sorgen und Hoffnung

Die Kölner gaben in Stuttgart zwar alles, doch meistens war der VfB obenauf.
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Beim 1:4 in Stuttgart bekommt der 1. FC Köln erstmals in dieser Saison seine Grenzen aufgezeigt. Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler sieht dennoch keinen Anlass für grundsätzliche Zweifel: „Es gibt keinen Anlass dafür, irgendetwas so dermaßen infrage zu stellen.“ Die Niederlage war verdient, offenbarte aber auch Probleme, die den FC schon länger begleiten. Vor allem die Defensive bereitet Sorgen. Es gibt jedoch Gründe, nicht in Aufruhr zu geraten.
Das macht Sorgen
Als Bilal El Khannouss in der 39. Minute per Solo zum 1:0 traf, hätte der VfB längst deutlicher führen können. Bereits nach 20 Minuten wären drei oder vier Tore möglich gewesen. Die Kölner Defensive fand kaum Zugriff, leistete sich Ballverluste und ließ dem Gegner zu viel Raum. „Das 0:1 haben wir mit relativ wenig Gegenwehr gekriegt – das darfst du dir auf dem Niveau nicht erlauben“, sagte Kessler.
Es war kein einmaliger Ausrutscher. In der vergangenen Saison kassierte der FC mit 63 Gegentoren die viertmeisten der Liga und zeigte wiederholt Schwächen bei Standards. Auch in der Vorbereitung und im DFB-Pokal bei den Würzburger Kickers (2:1) hielt die Abwehr nicht dicht. Nach zwei Bundesliga-Spielen stehen sechs Gegentore zu Buche. Seit dem 1:0 gegen Wolfsburg im Januar blieb der FC in keinem seiner 21 Pflichtspiele ohne Gegentor. Die neuen Abwehrspieler haben daran bislang nichts geändert. Luka Lochoshvili, gegen Hoffenheim noch überzeugend, erlebte in Stuttgart einen rabenschwarzen Abend und war an zwei Gegentreffern beteiligt.
Trainer René Wagner analysierte: „Das 0:1 müssen wir besser verteidigen, das 0:2 strukturell besser lösen, beim 0:3 kann Locho cleverer sein.“ Auch Rechtsverteidiger Alessio Castro-Montes wurde oft überlaufen und bot eine schwache Leistung. Auf dieser Seite fehlt Sebastian Sebulonsen, der spätestens nach der Länderspielpause im Derby gegen Gladbach wieder zur Verfügung stehen soll. Links erhöht Last-Minute-Neuzugang Borna Sosa den Druck auf Gideon Mensah. Diskussionsbedarf gibt es auch bei der Aufstellung. Paul Okon-Engstler, der zuvor in der australischen Liga spielte, ist offenbar noch nicht auf Bundesliga-Niveau und braucht Zeit. Jan Thielmann blieb offensiv ohne Wirkung.
Mit Mikey Moore und Ellyes Skhiri kamen zur Pause mehr Kreativität und Stabilität ins Kölner Spiel. Allerdings waren beide erst wenige Tage bei der Mannschaft. Wagner musste zwischen einer möglichst starken Anfangsformation und der Belastbarkeit seiner Neuzugänge abwägen. „Es ist schon ein Vorwurf, dass wir zu viele Gegentore bekommen“, räumte Tom Krauß ein. Gleichwohl verwies er darauf, dass der FC mit Hoffenheim und Stuttgart gegen zwei Europapokal-Teilnehmer gespielt hat. Wagner weiß, dass die Defensivarbeit den FC durch die gesamte Saison begleiten wird: „Das müssen wir jede Woche wieder zum Thema machen.“
Das macht Hoffnung
Der FC hat trotz der schwachen ersten Halbzeit gezeigt, dass er sich gegen einen überlegenen Gegner zurückkämpfen kann. Nach der Pause brachte Skhiri mehr Stabilität und Passsicherheit, die Kölner gewannen zweite Bälle und setzten den VfB unter Druck. In den ersten 15 bis 20 Minuten lag der Ausgleich in der Luft. „Da müssen wir das 1:1 machen“, sagte Krauß. Trotz des Fehlens der wichtigen Offensivspieler Said El Mala und Thijs Dallinga erspielte sich Köln Möglichkeiten, scheiterte aber an der Chancenverwertung und kassierte im Gegenzug das 0:2.
Ein besonderer Mutmacher war Mikey Moore. Der 19-Jährige feierte sein Bundesliga-Debüt, sorgte sofort für Gefahr und bereitete das 1:3 vor. Mit seiner Dynamik zeigte der englische Neuzugang, dass er dem FC zusätzliche Qualität geben kann. Mit Moore könnte künftig etwas Last von El Mala genommen werden; der FC wäre schwerer auszurechnen.
Auch die personelle Lage im Angriff dürfte sich bald entspannen. El Mala verpasste das Spiel wegen einer Erkältung, Thijs Dallinga wegen eines Magen-Darm-Infekts. Beide hatten beim 3:2 gegen Hoffenheim noch alle drei Kölner Tore erzielt und sollen bald ins Training zurückkehren. Mit El Mala und Moore auf den Flügeln sowie Dallinga als Spitze besitzt der FC viel Tempo, Kreativität und Abschlussqualität.
Hinzu kommt Skhiri. Der Tunesier hat seinen Trainingsrückstand aufgeholt und dürfte wieder eine zentrale Rolle im Mittelfeld einnehmen. Seine Einwechslung gab dem Spiel sofort mehr Ordnung. Gerade gegen stärkere Gegner kann seine Erfahrung helfen, schwache Phasen zu verhindern oder zu überstehen.
Dass der FC trotz des Rückstands nicht aufgab, ist ein weiterer positiver Aspekt. Nach Vorarbeit von Moore verkürzten die Kölner auf 1:3, ehe Vagnoman in der Nachspielzeit den Endstand herstellte. Wagner hob die Moral hervor: „Deshalb bin ich froh, dass wir noch mit 3:1 zurückgekommen sind.“ Kessler ordnete das Kräfteverhältnis nüchtern ein: Der VfB sei „nicht unsere Kragenweite“ gewesen. Dennoch: Der FC muss die defensive Stabilität und die offensive Qualität zusammenbringen, die nach der Pause aufblitzte.
Panik ist bei weitem nicht angebracht, die Warnsignale in der Abwehr sind aber unübersehbar. Nach außen ist weiterhin Besonnenheit gefragt, intern muss der FC seine Probleme jedoch klar und schonungslos ansprechen. Gegen Werder Bremen am kommenden Samstag (18.30 Uhr) wartet ein Gegner auf Augenhöhe. In das Heimspiel geht der FC erstmals in dieser Bundesliga-Saison als leichter Favorit. Allerdings setzte Werder mit dem 3:1-Sieg gegen Leipzig ein Ausrufezeichen. Dann wird sich zeigen, ob Köln die Lehren aus Stuttgart gezogen hat – vor allem in der Abwehrarbeit und in Druckphasen des Gegners.

