Das 1:4 beim VfB liefert deutliche Hinweise darauf, woran der FC arbeiten muss. Vor allem die Stabilität in der Defensive fehlt noch.
Erkenntnisse des FC-SpielsEin Dämpfer, viele Hausaufgaben, aber keine Nervosität

Oft einen Schritt zu spät: Stutttgarts Ermedin Demirovic (l.) enteilt vor dem 3:0 FC-Verteidiger Luka Lochoshvili.
Copyright: IMAGO/HMB-Media
Beim 1:4 am Freitagabend beim VfB Stuttgart bekommt der FC seine Grenzen aufgezeigt. Das muss die Kölner nicht in Aufruhr versetzen – die Partie liefert aber deutliche Hinweise darauf, woran die Mannschaft arbeiten muss.
Die Niederlage beim Champions-League-Teilnehmer war verdient. Nach 20 Minuten hätte es bereits 0:3 stehen können, Stuttgart vergab seine Chancen zunächst jedoch leichtfertig. Am Ende wurde es beim 1:4 eine klare Sache. Gegen einen Gegner von dieser Qualität hatte Köln vor allem defensiv zu wenig entgegenzusetzen. Der FC besaß nie die notwendige Stabilität. Doch es gab nach der Pause auch Hoffnungsschimmer und Mutmacher für die kommenden Aufgaben.
„Die erste Hälfte haben wir schon sehr leichtfertig abgegeben“, sagte Torhüter Marvin Schwäbe. Der FC habe „einfache Fehler“ gemacht und Stuttgart mit Ballverlusten in der eigenen Hälfte eingeladen. Dass die Schwaben zur Pause nur 1:0 führten, war aus Kölner Sicht der positivste Aspekt dieser ersten 45 Minuten. Vagnoman und Pejcinovic trafen die Latte, weitere Chancen blieben ungenutzt.
Das Problem ist dabei nicht auf Stuttgart beschränkt. Schon beim 2:1 im DFB-Pokal beim Drittliga-Aufsteiger Würzburg hätte der FC mehr als ein Gegentor kassieren können. Auch Hoffenheim kam beim 3:2-Auftaktsieg trotz des Fehlens seines Offensivtrios aus Asllani, Kramaric und Lemperle zu zahlreichen Chancen und vergab sogar einen Elfmeter. In Stuttgart wurden die Schwächen der Kölner Defensive nun besonders deutlich: zu große Abstände, zu wenig Zugriff und wiederholt unzureichende Reaktionen in entscheidenden Situationen.
Das 0:1 haben wir mit relativ wenig Gegenwehr gekriegt – das darfst du dir auf dem Niveau einfach nicht erlauben.
„Das 0:1 haben wir mit relativ wenig Gegenwehr gekriegt – das darfst du dir auf dem Niveau einfach nicht erlauben“, sagte Thomas Kessler. Der Sport-Geschäftsführer bemängelte zudem unsaubere Aktionen mit dem Ball und schlecht ausgespielte Umschaltmöglichkeiten. Köln verteidigte nicht nur zu passiv, sondern nahm sich auch selbst die Möglichkeit, für Entlastung zu sorgen.
Dabei hatte der FC nach der Pause gezeigt, dass er Stuttgart zumindest phasenweise vor Probleme stellen kann. Trainer René Wagner reagierte und brachte Mikey Moore sowie Ellyes Skhiri. Plötzlich war der FC mutiger, gewann zweite Bälle und kam zu einer Druckphase. Skhiri verpasste kurz nach Wiederanpfiff den Ausgleich nur knapp, Moore sorgte mit seiner Dynamik und seinen Aktionen im Eins-gegen-eins für Unruhe.
„In den ersten 15 bis 20 Minuten der zweiten Halbzeit müssen wir das 1:1 machen“, sagte Tom Krauß. Genau darin lag die Schlüsselszene des Spiels: Köln war besser im Spiel, drängte auf den Ausgleich – und kassierte stattdessen das 0:2. El Khannouss und Mittelstädt kombinierten sich durch die Kölner Defensive, Grischa Prömel traf unbedrängt. Gegen Mannschaften wie Stuttgart werden solche Nachlässigkeiten sofort bestraft.
Wagner sah die Ursache auch in der fehlenden Entlastung. Aus dem tiefen Block habe es der FC nicht geschafft, über Ballbesitz oder gewonnene zweite Bälle für Ruhe zu sorgen. Nach der Pause sei das besser gewesen, doch die Chancen zum 1:1 hätten genutzt werden müssen. „Dann wäre es ein anderes Spiel geworden“, sagte der Trainer. „Im Gegenzug braucht Stuttgart eine Chance, um das zweite Tor zu machen. Das müssen wir besser verteidigen.“ Stattdessen erhöhte Demirovic auf 3:0, nachdem Luka Lochoshvili den Stuttgarter nicht stoppen konnte.
Dass der FC trotz des Rückstands nicht aufgab, ist der positive Teil dieses Abends. Nach toller Vorarbeit von Moore verkürzten die Kölner auf 1:3, ehe Vagnoman in der Nachspielzeit mit einem sehenswerten Volleyschuss den Endstand herstellte. Auch Wagner hob die Moral seiner Mannschaft hervor: „Deshalb bin ich froh, dass wir noch mit 3:1 zurückgekommen sind.“ Schwäbe wollte die Niederlage ebenfalls nicht zum Anlass nehmen, alles schlechtzureden: „Wir müssen nicht den Kopf in den Sand stecken.“ Die Viertelstunde nach der Pause mache Mut.
Moore sofort ein belebendes Element
Mut macht vor allem Moore. Der 19-Jährige, zur zweiten Halbzeit eingewechselt, war bei seinem Bundesliga-Debüt sofort ein belebendes Element und entwickelte allein deutlich mehr Gefahr als der FC in weiten Teilen der ersten Halbzeit. Das ist nach dem Ausfall von Said El Mala und Thijs Dallinga besonders wertvoll. El Mala hatte wegen einer Erkältung nicht nachreisen können und konnte sich dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp somit nicht zeigen, Dallinga fehlte wegen eines Magen-Darm-Infekts. Beide waren beim 3:2 gegen Hoffenheim noch die Torschützen gewesen. Bei beiden besteht die Hoffnung, dass sie in den kommenden Tagen ins Training zurückkehren. Und mit dem neuen Spielpartner Moore könnte zudem in Zukunft auch etwas Last von El Malas Schultern genommen werden und der FC weniger schwieriger auszurechnen sein.
Ihre Abwesenheit erklärt teilweise, warum dem FC im Angriff zunächst Durchschlagskraft fehlte. Als alleinige Erklärung für die Niederlage taugt sie aber nicht. Auch ohne das Offensivduo hatte Köln nach der Pause genügend Möglichkeiten, den Anschluss oder sogar den Ausgleich zu erzielen. Die vier Tore nach zwei Bundesligaspielen zeigen, dass die Mannschaft offensiv Ansätze besitzt. Die sechs Gegentore in diesen beiden Partien und die Chancenflut der Gegner weisen zugleich auf die größere Baustelle hin. Vor allem Innenverteidiger Luka Lochoshvili, gegen Hoffenheim noch einer der stärksten Kölner, und Rechtsverteidiger Alessio Castro-Montes erlebten einen Abend zum Vergessen.
Bremen jetzt wieder mehr ein Gegner auf Augenhöhe
Kessler ordnete das Kräfteverhältnis nüchtern ein: Der VfB habe die Qualität, ein solches Spiel seriös zu Ende zu bringen, und sei an diesem Tag „nicht unsere Kragenweite“ gewesen. Das ist keine Kapitulation, sondern eine realistische Bestandsaufnahme. Stuttgart wurde vom FC Bayern am ersten Spieltag mit 5:1 geschlagen, gegen Köln zeigte der VfB jedoch, wie groß der Abstand zwischen einem Champions-League-Teilnehmer und einem Team ist, das sich zunächst in der Bundesliga behaupten muss.
Der FC muss aus dieser unsanften Landung deshalb zweierlei mitnehmen: Panik ist nach einem Sieg und einer Niederlage zum Saisonstart nicht angebracht. Die defensive Anfälligkeit darf er aber auch nicht verharmlosen. Am kommenden Samstag (18.30 Uhr) gegen Werder Bremen wartet ein Gegner, der eher auf Augenhöhe sein dürfte. Ein Heimspiel, in das man sogar erstmals in dieser Bundesliga-Saison leicht favorisiert geht. Dann wird sich zeigen, ob Köln die Lehren aus Stuttgart gezogen hat – vor allem gegen den Ball und im Umgang mit Druckphasen des Gegners.

