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Neuer Leader bei Bayer 04Messis Freund Medina kann auch unangenehm

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June 16, 2026, Kansas City, Missouri, USA: Argentina defender FACUNDO MEDINA 25 and forward LIONEL MESSI 10 celebrate Messi s third goal of the 2026 World Cup Group J match versus Algeria at Kansas City Stadium Arrowhead, Kansas City, Missouri, USA. World Cup 2026: Group J: Argentina 3:0 Algeria PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAw214 20260616_zsp_w214_058 Copyright: xSvenxWhitex

Facundo Medina (l.) und Lionel Messi für Argentinien bei der WM am Ball.

Facundo Medina ist in Argentinien eng mit dem Weltstar verbunden. Bei Bayer 04 zeigte der Verteidigerseine eigene Qualität: aggressiv, körperlich und spielstark.

Es gibt Spieler, über die sich eine Mannschaft nach ihrem ersten Auftritt mit Zahlen informiert: ein Tor, eine gute Note, gewonnene Zweikämpfe. Bei Facundo Medina reichte das nicht. Nach seinem Startelfdebüt beim 4:0 von Bayer 04 gegen Union Berlin beschrieben ihn seine Mitspieler zunächst mit einem Gefühl. „Vor ihm hat man ein bisschen Angst“, sagte Ibrahim Maza. Es war als Kompliment gemeint. Maza nannte Medina „giftig, eklig, ein kleiner Treter“.

Patrik Schick formulierte es etwas vornehmer, ohne den Kern zu verändern: „Er ist ein typisch argentinischer Spieler: sehr aggressiv, aber trotzdem sehr gut am Ball. Genau so jemanden willst du in deiner Mannschaft haben.“ Später fügte Schick hinzu: „Besser, ihn in der Mannschaft zu haben, als gegen ihn zu spielen.“

Medina hatte sich diese Sätze verdient. Der 27-Jährige ging in der Innenverteidigung voran, brachte Emotionen und Intensität ins Spiel und ließ früh erkennen, dass er Zweikämpfe nicht etwa als notwendige Unterbrechung des Fußballs betrachtet. Für ihn sind sie bedeutender Teil des Spiels. Gegen Union lieferte er sich einen verbalen Schlagabtausch mit Marin Ljubičić, diskutierte fleißig mit dem Schiedsrichter, verteidigte aufmerksam die Tiefe und spielte den Ball mit einer Selbstverständlichkeit nach vorn, die bei einem Debüt eben nicht selbstverständlich ist.

Gutes Zusammenspiel mit Miguel Gutiérrez

In der 28. Minute stieg Medina nach einer Flanke von Miguel Gutiérrez am höchsten und köpfte den Ball wuchtig ins Tor. Es war sein erster Treffer für Bayer und zugleich die Szene, in der sich seine Rolle an diesem Tag verdichtete: körperlich präsent und entschlossen. Dass er nach dem Spiel nicht lange über sein eigenes Tor sprach, passte ins Bild. „Wenn mein Tor zum Ergebnis beigetragen hat, dann freue ich mich natürlich“, sagte Medina. „Aber das Wichtigste ist, zu gewinnen und keine Gegentore zu bekommen. Das ist für mich als Verteidiger das Wichtigste.“ Simon Rolfes sah in Medina mehr als nur den robusten Abwehrspieler. „Dieses Element tut jeder Mannschaft, aber auch unserer, gut“, sagte der Sport-Geschäftsführer. Zugleich hob er hervor, dass der Argentinier ein guter Fußballer sei und sich mit Gutiérrez auf der linken Seite gut ergänzt habe.

Carles Martínez hatte Medina vor dem Spiel einen einfachen Auftrag gegeben: „Sei einfach du selbst, geh in die Zweikämpfe und hilf der Mannschaft.“ Der Trainer wollte von seinem Neuzugang keine angepasste Version sehen. Denn Bayer hat nicht bloß einen weiteren Verteidiger verpflichtet, sondern, wie Martínez sagte, „vor allem eine Rolle und eine Mentalität“. Medina sollte etwas mitbringen, das vor allem beim 2:3 von Elversberg gefehlt hatte: die Bereitschaft, dem Gegner keinen ruhigen Nachmittag zu erlauben.

Medina kommt aus einer Welt, in der Ruhe nicht selbstverständlich war. Er wuchs in Villa Fiorito auf, jenem Viertel im Süden des Großraums Buenos Aires, in dem auch Diego Maradona seine Kindheit verbrachte. Medina wurde dort mit dem Fußball groß, aber auch mit Armut. Gemeinsam mit Verwandten sammelte er Kartons und andere Wertstoffe, um zum Familieneinkommen beizutragen. Am späten Nachmittag ging es los, am Abend kam die Familie zurück.

Mit zwölf Jahren wechselte Medina in die Jugend von River Plate und damit in eine stärker geordnete Fußballwelt. Der Weg nach oben verlief dennoch nicht geradlinig. Als River ihn 2018 aussortierte, ging er zu Talleres. Dort setzte er sich durch. Der Schritt nach Europa führte ihn zunächst zum RC Lens, später zu Olympique Marseille. Im Sommer kam der argentinische Nationalspieler für etwas mehr als 20 Millionen Euro nach Leverkusen.

Die Herkunft ist bei Medina kein Etikett, das andere für ihn anbringen. Er selbst trägt sie mit einer gewissen Nüchternheit. Villa Fiorito, sagte er einmal, sei ein Viertel, das den Fußball atme. Er kehrte selbst dann noch zu Turnieren in der Nachbarschaft zurück, als er längst bei River Plate trainierte. In diesem Zusammenhang ist sein Spiel verständlicher, ohne dass es dadurch romantisiert werden muss.

Eng befreundet mit Lionel Messi

Medina spielt nicht hart, weil seine Geschichte das verlangt. Er spielt hart, weil er diese Art des Fußballs beherrscht und weil sie ihm entspricht. In der argentinischen Nationalmannschaft wurde er zuletzt Teil einer besonderen Verbindung. Medina ist eng mit Lionel Messi befreundet. Bei der vergangenen Weltmeisterschaft bereitete er gegen Österreich Messis Führungstor vor: Medina drang über links vor und legte den Ball in den Rückraum. Messi hatte ihn zuvor aufgefordert, genau dorthin zu spielen, wo er selbst häufig hinlaufen würde. Die Szene erinnerte an die frühere Verbindung des Argentiniers mit Jordi Alba beim FC Barcelona, sagte der Weltstar später. Medina nahm das Lob mit einem Lächeln entgegen und spielte es herunter. Messi habe „ein bisschen übertrieben“, sagte er sinngemäß.

Das passt zu einem Spieler, der auf dem Platz größer wirkt als außerhalb. Dort sucht Medina den Kontakt, die Reibung, den Zweikampf. In Leverkusen soll er eine Mannschaft anstecken, die nach dem schwachen Auftritt in Elversberg eine Antwort geben musste. Gegen Union fiel diese Antwort deutlich aus. Bayer presste höher, gewann die zweiten Bälle und ließ den Gegner kaum in die Nähe des eigenen Tores. Medina war dabei nicht die alleinige Erklärung für den Wandel. Er war jedoch dessen sichtbarster Ausdruck.

Ein Spiel macht noch keinen Führungsspieler. Ein wuchtiger Kopfball löst keine Saisonaufgaben. Bayer wird in den kommenden Wochen Gegner bekommen, die sich nicht so widerspruchslos in ihr Schicksal fügen wie Union. Dann wird sich zeigen, wie viel von Medinas Energie auf die Mannschaft übergeht und wie viel er selbst gegen Widerstände bewahren kann. Für den Anfang hat er eine Rolle gefunden, die ihm liegt. Die Mitspieler wissen nun, wie er Fußball spielen will. Der Trainer weiß, was er von ihm bekommt. Und die Gegner wissen es vermutlich ebenfalls. Für Bayer 04 ist das nach einem verpatzten Saisonstart eine durchaus brauchbare Ausgangslage.