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Keine Mehrheit für Campus von Bayer 04
Sportland NRW auf dem Prüfstand

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3 min
Monheim: Protest der Anwohner. Auf diese Felder will Bayer 04 sein Trainingszentrum / Trainingscampus an der Alfred Nobel Straße bauen.

Monheim: Protest der Anwohner. Auf diese Felder will Bayer 04 sein Trainingszentrum / Trainingscampus an der Alfred Nobel Straße bauen. 

NRW träumt zwar von Olympia, scheitert aber schon an Trainingsplätzen. Das beschädigt die Bewerbung sowie den Ruf des Bundeslandes.

Hendrik Wüst träumt von Olympischen und Paralympischen Spielen in Köln, an Rhein und Ruhr. Nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid feierte der Ministerpräsident die breite Zustimmung als demokratisches Fundament der Bewerbung.

Doch eine Sportregion beweist sich nicht nur in Abstimmungen über ein Ereignis, das frühestens in zehn Jahren stattfinden könnte. Sie beweist sich im politischen Alltag – dort, wo Interessen kollidieren und Entscheidungen unbequem werden. An diesem Maßstab sieht es in Nordrhein-Westfalen dürftig aus. Der 1. FC Köln streitet seit zwölf Jahren um zeitgemäße Trainingsbedingungen. Mit den sogenannten Satellitenplätzen gibt es womöglich einen Ausweg aus dem Konflikt um die Gleueler Wiese.

Doch die Lösung ist noch nicht abschließend geprüft. Bei Bayer 04 Leverkusen endete die Planung für ein neues Nachwuchs- und Leistungszentrum in Monheim sogar einen Schritt früher: Der Stadtrat lehnte am Mittwoch die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens ab. Das ist ein fatales Signal. Nicht, weil die Politik jedes Projekt eines Bundesligisten genehmigen müsste.

Eigentum schafft kein automatisches Baurecht, wirtschaftliche Bedeutung keinen Anspruch auf politische Gefälligkeit. Klima- und Naturschutz, die Interessen der Anwohner sowie die Folgen für einen Grünzug sind gewichtige Einwände. Doch genau deshalb wäre das Bauleitplanverfahren nötig gewesen. Der Aufstellungsbeschluss wäre keine Baugenehmigung gewesen. Er hätte ein Verfahren eröffnet, in dem Fachbehörden und unabhängige Gutachter prüfen, ob der Campus rechtlich und ökologisch vertretbar ist – und unter welchen Auflagen.

Bayer 04 hat maximale Kompromissbereitschaft zugesagt. CDU, SPD und Grüne entschieden stattdessen, die Prüfung gar nicht erst beginnen zu lassen. Sie erklärten ihre politische Einschätzung als ausreichenden Grund, auf eine belastbare Tatsachengrundlage zu verzichten. Das ist der eigentliche Skandal. In einer Zeit, in der Desinformation und Fake News die Demokratie unter Druck setzen, sollten gerade die Parteien der Mitte für überprüfbare Fakten und transparente Verfahren stehen. Wer ein Projekt nach fachlicher Prüfung ablehnt, kann dafür gute Gründe haben.

Bayer 04 ist zu Kompromissen bereit

Wer schon die Prüfung verhindert, nährt den Verdacht, dass nicht deren Ergebnis, sondern die eigene Vorentscheidung geschützt werden soll. Bayer 04 will auf einem Grundstück des eigenen Konzerns bauen und das rund 120 Millionen Euro teure Projekt ohne öffentliche Fördermittel finanzieren.

Der Campus soll Arbeitsplätze schaffen und Kooperationen mit Schulen und Sportvereinen ermöglichen. Das macht ihn nicht automatisch genehmigungsfähig, aber prüfenswert. Zumal der Klub sein Konzept verkleinert, zusätzliche Grünflächen vorgesehen und die Abstände zur Wohnbebauung vergrößert hatte. Damit trifft die Entscheidung nicht nur Bayer 04.

Sie stellt die sportpolitische Glaubwürdigkeit der Region infrage. KölnRheinRuhr wirbt für Olympische Spiele mit vorhandenen Stadien, kurzen Wegen, Begeisterung und Nachhaltigkeit. Ein solches Großprojekt verlangt jedoch verlässliche Verfahren, handlungsfähige Verwaltungen und die Fähigkeit, Konflikte anhand von Fakten zu entscheiden. Wer schon bei Trainingsplätzen über Jahre nicht zu Lösungen findet, muss erklären, wie er die ungleich komplizierteren Anforderungen Olympischer Spiele bewältigen will.

Die Konflikte um das Geißbockheim und den Bayer-Campus beweisen nicht, dass Nordrhein-Westfalen keine Olympischen Spiele ausrichten kann. Sie zeigen aber, woran sich der olympische Anspruch messen lassen muss. Wer von Olympischen Spielen träumt, muss dafür sorgen, dass Politik und Verwaltung schon heute sportliche Infrastruktur zügig, transparent und ergebnisoffen prüfen. Sonst bleibt vom Sportland vor allem eines: ein reines Versprechen. Gerade die Parteien der Mitte sollten für überprüfbare Fakten stehen.