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Aussortierter StürmerRondics kurzes Märchen beim 1. FC Köln

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04.09.2026, Baden-Württemberg, Stuttgart: Fußball, Männer: Bundesliga, VfB Stuttgart - 1. FC Köln, 2. Spieltag, MHPArena. Imad Rondić (1. FC Köln) reagiert. Foto: Tom Weller/dpa - WICHTIGER HINWEIS: Gemäß den Vorgaben der Bundesliga bzw. des DFB Deutscher Fußball-Bund ist es untersagt, in dem Stadion und/oder vom Spiel angefertigte Fotoaufnahmen in Form von Sequenzbildern und/oder videoähnlichen Fotostrecken zu verwerten bzw. verwerten zu lassen. +++ dpa-Bildfunk +++

FC-Stürmer Imad Rondic nach seiner Einwechslung beim Bundesligaspiel in Stuttgart

Der zuvor glücklose Angreifer Imad Rondic erlebt beim FC ein verblüffendes Comeback, doch nun kehren alle Offensivkräfte zurück.

Der Blick der überraschend vielen Schaulustigen am Dienstagvormittag rund um Trainingsplatz 1 am Geißbockheim galt in erster Linie Said El Mala. Fünf Tage vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen (Samstag, 18.30 Uhr) hofften sie auf die Rückkehr des 20-Jährigen nach seiner Erkältung. Wenig später gab es tatsächlich strahlende Gesichter: Der Jungstar des 1. FC Köln war wieder dabei, wenn auch zunächst nicht in allen Übungen und Spielformen.

Doch an diesem Vormittag stand auch ein anderer FC-Profi für eine bemerkenswerte Geschichte. Imad Rondic mischte voller Tatendrang im Training mit, zeigte Einsatz und wirkte alles andere als ein Fremdkörper in der Mannschaft von Trainer René Wagner – beliebt bei den Teamkollegen scheint er ohnehin. Der 27-Jährige ist so etwas wie der Lazarus des Bundesligisten – sein Comeback kam für viele aus heiterem Himmel.

Dass Rondic bei der jüngsten 1:4-Niederlage des FC in Stuttgart überhaupt im Kader stand, war bereits eine große Überraschung. Dass Wagner ihn in der 90. Minute für Tom Krauß einwechselte, hatte beinahe etwas Verblüffendes. Rondic war erst seit wenigen Tagen wieder im Mannschaftstraining. Seit Mitte Juli hatte der Stürmer individuell gearbeitet, nachdem ihm der Verein signalisiert hatte, dass er sich einen neuen Klub suchen könne. In Stuttgart blieb dem Bosnier kaum Zeit, seine sportliche Geschichte neu zu schreiben. Kurz nach seiner Einwechslung hatte er eine unglückliche Aktion: Rondic wollte einen Einwurf per Kopf klären, doch der Ball landete bei Josha Vagnoman. Der Stuttgarter Außenverteidiger hämmerte ihn aus 18 Metern zum 4:1-Endstand ins Tor.

Der Einsatz war deshalb weniger Bewerbungsschreiben als Ergebnis einer besonderen Vorgeschichte – und einer Botschaft Wagners an die Mannschaft. „Imad hat sich acht Wochen den Arsch aufgerissen“, sagte der Trainer. Spieler, die ihr Herz auf dem Platz ließen, sich im Individualtraining nicht hängen ließen und jeden Tag das Beste herausholten, hätten es verdient, im Bundesliga-Kader stattzufinden. „Wir wollten Imad auch belohnen“, erklärte Wagner. Wagner wollte deutlich machen: Wer sich beim FC mit voller Hingabe einbringt, soll eine Chance bekommen.

Rondic profitierte zudem von der angespannten Personallage. Mit El Mala, Thijs Dallinga und Luca Waldschmidt fehlten dem FC gleich drei Offensivspieler. Ob Rondic ebenfalls im Aufgebot gestanden hätte, wenn alle Alternativen gesund gewesen wären, darf bezweifelt werden. Ob aus dem Auftritt weitere Einsätze entstehen, ließ Wagner offen.

Rondics Rückkehr ist nicht die Geschichte eines Spielers, der sich auf normalem Weg in die Mannschaft zurückgekämpft hat. Der FC hatte den Angreifer vor der Saisonvorbereitung aussortiert und ihm mitgeteilt, dass er sich einen neuen Verein suchen könne. Seit seinem Wechsel nach Köln im Januar 2025 setzte er sich nie dauerhaft durch; in neun Bundesligaspielen erzielte er ein Tor. In der vergangenen Saison wurde der Bosnier zunächst an Raków Częstochowa verliehen, im Winter ging es weiter zu Preußen Münster. Auch dort entwickelte sich keine nachhaltige Perspektive. Im Sommer fand sich schließlich kein neuer Klub. So blieb Rondic, der beim FC noch bis 2029 unter Vertrag steht und knapp 700.000 Euro pro Jahr erhalten soll, in Köln.

1. FC Köln: Keine neue Anfrage für Rondic – Wechsel kaum noch möglich

Beim FC wird weiter nach einer Lösung gesucht. Rondics Einsatz in Stuttgart könnte auch ein Signal an mögliche Interessenten gewesen sein. Bis Dienstag war bei den FC-Verantwortlichen, so war aus dem Geißbockheim zu vernehmen, allerdings keine neue Anfrage für den Stürmer eingegangen. Dabei hatte es offenbar zuvor durchaus Optionen gegeben, wie Laurent Burkart, Rondics Berater, gegenüber dieser Zeitung durchblicken ließ: „Es gab einige Optionen für Imad – auch aus der Zweiten Liga. Aber er hängt sich jetzt beim FC voll rein und fühlt sich in Köln auch wohl.“

Ein sofortiger Wechsel ist vorerst nicht in Sicht. Von den einigermaßen relevanten europäischen Ligen sind nach dem Ende der Transferfrist in der Schweiz, in Tschechien und Bulgarien am Dienstag nur noch Griechenland, Serbien und Israel geöffnet. Wahrscheinlicher ist deshalb, dass Rondic sich bis zum Winter fit hält und dann einen neuen Anlauf nimmt.

Das kleine Rondic-Märchen könnte allerdings schon sehr bald wieder vorbei sein. Seine Rückkehr in den Bundesliga-Kader fiel in eine Ausnahmesituation: Der Stürmer bekam seine Chance, weil im Angriff mehrere Optionen fehlten. Sobald die Konkurrenten zurückkehren, wird der Weg in den Spieltagskader deutlich schwieriger. Am Dienstag kehrte El Mala nach überstandener Erkältung ins Training zurück, wurde gemeinsam mit Isak Johannesson aber noch etwas geschont. Thijs Dallinga war bereits am Montag nach einem Magen-Darm-Infekt wieder zur Mannschaft gestoßen. Nach seinem Doppelpack gegen Hoffenheim darf der Mittelstürmer auf seinen zweiten Heim-Einsatz hoffen.

Auch Luca Waldschmidt und Sebastian Sebulonsen trainieren nach ihren Muskelverletzungen wieder voll. Beim Rechtsverteidiger Sebulonsen könnte das Comeback sogar schneller erfolgen als erwartet. Für den FC wäre das eine gute Nachricht, zumal Alessio Castro-Montes, der den Norweger zuletzt vertrat, am Dienstag wegen muskulärer Probleme fehlte.

Damit verändert sich Rondics Ausgangslage innerhalb weniger Tage. In Stuttgart war er noch die überraschende Alternative, der Beweis, dass ein abgeschriebener Spieler mit Beharrlichkeit noch einmal in den Bundesliga-Kader gelangen kann. Gegen Bremen und in den folgenden Wochen könnte die Konkurrenz aber bereits deutlich größer sein. Der FC hat bald wieder neun offensiv orientierte Profis zur Verfügung. Für Rondic wird es dann nicht genügen, sich im Training aufzuopfern. Er muss auch sportlich zeigen, dass er eine echte Alternative ist.

Genau darin liegt die Schwierigkeit: Rondic hat in den vergangenen anderthalb Jahren weder beim FC noch bei seinen Leihvereinen nachhaltig Torgefahr entwickelt. Ein einzelner Kurzeinsatz kann daran wenig ändern. Sein Auftritt in Stuttgart war vor allem eine Belohnung für seinen Durchhaltewillen und ein emotionales Signal des Trainers – noch kein Beleg für eine dauerhafte sportliche Wende. So könnte der verblüffende Einsatz auch ein sehr kurzes Kapitel bleiben.