Nach politischem Druck bringt Mobilitätsdezernent Ascan Egerer die Planung für ein Ersatzbauwerk nun doch auf den Weg.
Abgeschnittene SiedlungStadt Köln prüft nun doch Auto-Behelfsbrücke für Höhenhaus

Die Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus ist nur noch über eine Straße mit dem Auto zu erreichen, weil die Brücke der Straße am Flachsrosterweg abgerissen wird.
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Im Streit über die Brücke Am Flachsrosterweg in Höhenhaus hat Mobilitätsdezernent Ascan Egerer eine Kehrtwende vollzogen. Bislang wollte Egerer nach dem Abriss auf eine Ersatzbrücke für Autos verzichten. Sie sei zu teuer, außerdem reiche die Zeit für den Bau nicht aus. Nun lässt er eine solche Lösung doch planen. Seit der Sperrung der Brücke am 18. Mai ist die Siedlung Schönrath mit ihren 3500 Bewohnerinnen und Bewohnern für Autos nur noch über die viel befahrene Berliner Straße erreichbar.
Höhenhaus: Dezernent äußert sein Bedauern
Egerer hat sich zudem für das bisherige Vorgehen entschuldigt. „Ich bedaure, dass es nicht gelungen ist, hier sofort eine temporäre Ersatzlösung umzusetzen, und verstehe, dass sich viele Anwohnerinnen und Anwohner eine frühzeitigere Beteiligung gewünscht hätten. Wir arbeiten aber weiter daran – weil es uns wichtig ist – die Einschränkungen für die Menschen so gering wie möglich zu halten“, sagt der Mobilitätsdezernent.

Die Siedlung Schönrath in Köln-Höhenhaus
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Das Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau wird jetzt das bisher beteiligte Planungsbüro zusätzlich mit der Prüfung einer Pkw-Behelfsbrücke beauftragen. Erst nach dieser Prüfung will die Stadt sagen können, ob eine solche Brücke technisch möglich ist, wie lange der Bau dauern würde und was er kostet. Dann soll auch klar sein, was der Einbau kosten würde – je nachdem, ob während des Bahnbetriebs gebaut werden kann oder eine zusätzliche Sperrung der Strecke nötig wird. Die Brücke führt über die Gleistrasse zwischen Köln und Wuppertal.
Anschließend will Egerer eine Beschlussvorlage für die Politik vorbereiten. Dann sollen der Mobilitätsausschuss des Stadtrats und die Bezirksvertretung (BV) Mülheim entscheiden, ob und in welcher Form eine Finanzierung der Pkw-Behelfsbrücke erfolgen soll. Über das Geld hatten Egerer und die BV zuvor gestritten. Die Bezirkspolitiker hatten sich für den Bau einer Pkw-Behelfsbrücke entschieden – diese sollte 700.000 Euro teurer sein als die vom Dezernenten bevorzugte Variante für Radfahrer und Fußgänger. Egerer erklärte daraufhin, nicht über das Geld zu verfügen, und setzte den politischen Beschluss zunächst nicht um.
Verfahren zur Brücke beginnt in Teilen erneut
Damit beginnt das Verfahren in Teilen erneut. „Nach Einbringung des Dringlichkeitsbeschlusses zum Rückbau der Brücke ‚Am Flachsrosterweg‘ fanden viele Gespräche und Diskussionen zwischen der Verwaltung und den politischen Vertreterinnen und des Stadtbezirks Mülheim statt, um die Umsetzungsmöglichkeit im Zeitfenster der für die städtische Maßnahme genehmigten Sperrung und die erforderliche Finanzierung zu finden. Leider konnte dafür kurzfristig keine Lösung gefunden werden“, sagt Egerer. Die Prüfung des Bauwerkszustands habe ergeben, dass aus Sicherheitsgründen keine Alternative zum Abriss bestehe. „Das bringt Einschränkungen und Umleitungen für die Menschen vor Ort und belegt die Bedeutung dieser Verkehrsbeziehung“, räumt der Mobilitätsdezernent ein.
„Ich freue mich sehr, dass das Amt für Brücken die Planung einer Pkw-Behelfsbrücke beauftragt. Eine hervorragende Nachricht für die Anwohnerinnen und Anwohner, die dringend auf diese Verbindung angewiesen sind“, sagt Bezirksbürgermeister Vincent Morawietz (SPD). Jetzt brauche es zeitnah eine Vorlage der Planungsergebnisse.
Anwohnerinitiative nennt Egerers Einlenken „alternativlos“
Die Anwohnerinitiative in der Siedlung Schönrath hat das Einlenken des Mobilitätsdezernats am Montag begrüßt. „Die Entscheidung ist alternativlos und unabdingbar – nicht zuletzt die zwei kurz aufeinanderfolgenden Großeinsätze der Feuerwehr haben gezeigt, wie wichtig eine verlässliche Verkehrsverbindung für die Sicherheit, die Rettungskräfte und den Durchgangsverkehr ist“, sagt Anwohner Alexander Dick. Das gelte auch, falls die Umsetzung durch die bereits verloren gegangene Zeit Mehrkosten verursachen würde.
Bezüglich der Verkehrssituation vor Ort habe das Mobilitätsdezernat im Vorfeld mithilfe eines Verkehrsmodells Untersuchungen durchgeführt, sagt ein Stadtsprecher. Nach Einschätzung der Verkehrsexperten nutzen jeden Tag weniger als 2500 Fahrzeuge die Verbindung. Aus Sicht des Dezernats sei die Belastung „vergleichsweise gering“. In der Siedlung leben 3500 Menschen. Für die verbleibende Zufahrt an der Berliner Straße erwarte das Dezernat „einen verträglichen Anstieg des Verkehrs“. Zudem falle der Durchgangsverkehr durch die Siedlung weg, der bisher die Hälfte des Gesamtverkehrs ausgemacht habe.
Spätestens deutlich vor der nächsten geplanten Bahnsperrung im Jahr 2032 will das Dezernat eine Lösung gefunden haben – entweder eine Behelfsbrücke oder einen Neubau, so der Stadtsprecher. Für den Abriss nutzt die Stadt derzeit eine Sperrpause der Deutschen Bahn, sodass keine Zusatzkosten entstehen.

