Nicole Kann hat sich die neue Hundesportart sogar lizensieren lassen und findet Anerkennung bei anderen Hundetrainern.
„Apportility“ findet AnklangSo erfand eine Brühlerin eine neue Sportart für Hunde

Hund Flip hat den Anstoß zur Entwicklung der neuen Hundesportart Apportility gegeben.
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Er ist groß, braun, kurzhaarig, clever und schnell: Sam. Der Ungarischer Vorstehhund war gerade acht Wochen alt, als Nicole Kann (47) ihn 2016 bei sich aufnahm. Damals ahnte sie noch nicht, dass der fellige Freund ihr ganzes Leben einmal auf den Kopf stellen würde. Wie viele Hundehalter wollte sie ihren ungestümen Vierbeiner zunächst gut ausbilden lassen. „Doch richtig zufrieden war ich in keiner einzigen Hundeschule“, berichtet sie.
Vielmehr habe sie das Gefühl gehabt, dass in einigen Hundeschulen sogar ein richtiger Druck bei den Tieren aufgebaut wurde. „Die Befehle klangen auf mich teils auch richtig ruppig und barsch“, erzählt sie. So wollte sie ihren Sam auf gar keinen Fall gesellschaftstauglich erziehen. „Das muss doch auch anders gehen“, habe sie sich damals oft gesagt.
Erziehung ohne Gewalt und laute Kommandos
Auf erste Überlegungen folgten schnell konkrete Pläne: Nicole Kann beschloss, selbst eine Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen. Gesagt, getan. Neben ihrem Beruf im Marketing befasste sich die gelernte Zahntechnikerin aus Brühl intensiv mit der Welpenentwicklung, dem Verhalten von Hunden, ihrer Art der Kommunikation, der Körpersprache, dem Ausdrucksverhalten und den Rassemerkmalen. „Das alles machte mir sehr viel Spaß“, erklärt sie. Auf dieser Grundlage entwickelte sie bald ihre eigene Erziehungsphilosophie – ganz ohne Druck, Gewalt oder laute Kommandos.
Sam wurde dabei nicht nur zum treuen Begleiter, sondern auch zum Beweis, dass eine liebevolle und konsequente Erziehung funktioniert. Schon bald profitierten auch andere Hunde und ihre Halter davon. Zunächst nebenberuflich eröffnete Kann an der Rondorfer Straße in Brühl ihre eigene Hundeschule. 2018 gab sie schließlich ihre Festanstellung auf, um sich ganz auf ihre Selbstständigkeit zu konzentrieren.
Eigentlich könnte ihre Geschichte hier enden. Doch im März 2021 zog der nächste Welpe bei ihr ein: Flip, ebenfalls ein ungarischer Vorstehhund, ein Magyar Vizsla. So wie Sam wurde auch Flip mit sanften Tönen und völlig gewaltfrei erzogen. Dabei habe er schon sehr früh gezeigt, dass ihm das Apportieren besonders viel Freude machte. „Schon als Welpe hat er mir seinen kleinen roten Krebs immer wieder zurückgebracht – nie jedoch ohne zuvor noch schnell durch den auf dem Hundeplatz ausgelegten Tunnel gelaufen zu sein“, berichtet Kann.
Einige Monate habe sie sich das angesehen – dann habe sie für dieses „Spiel“ ein Konzept erarbeitet und schließlich eine ganz neue Hundesportart kreiert: Apportility. „Es ist eine Kombination zwischen Apportieren und Agility“, erklärt Kann. Ihre Kunden, die mit ihren Hunden damals die unterschiedlichen Kurse besuchten, waren begeistert. So war der Entschluss beinahe logisch, mit diesem neuen Hundesport in die Öffentlichkeit zu gehen.

Hundetrainerin Nicole Kann aus Brühl hat ihr Hobby zum Beruf gemacht.
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Ihr Apportility avancierte damit zur eigenen Marke, die sie sich beim Patentamt sogar lizensieren ließ. Das Spiel sei für die Hunde zwar anstrengend, doch es fordere und fördere ihre Sinne und fülle sie restlos aus. Das erkannten auch andere Hundetrainer. In den Onlinekursen konnte Kann seit Dezember 2023 ihren Hundesport schon an einige Kollegen vermitteln. „Inzwischen wird Apportility in Deutschland, Österreich und in der Schweiz angeboten, sogar im Fernsehen wurde darüber berichtet“, freut sie sich.

