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Kommentar

Von wegen Freilauffläche
Mogelpackung für Elsdorfs Hunde und deren Halter

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Ein Hundeübungsplatz, keine Freilauffläche, so wie es Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller ursprünglich versprochen hatte.

Ein Hundeübungsplatz, keine Freilauffläche, so wie es Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller ursprünglich versprochen hatte.

Der Knochen, den Bürgermeister Heller den Vierbeinern hingeworfen hat, ist mit Vorsicht zu genießen.

Eine Woche, in der die zahlreichen Kriege und Krisen dieser Welt sowie der Ärger über die Preise an der Zapfsäule von zwei anderen Ereignissen verdängt wurden. Und dafür waren zwei Tiere verantwortlich: vor allem natürlich der Buckelwal, der vor der deutschen Ostseeküste gesichtet worden war und an dessen Schicksal Menschen Anteil nehmen, von denen man es aufgrund ihrer Nüchternheit und Abgeklärtheit gar nicht für möglich gehalten hätte.

Und es dauerte nicht lange, bis das menschliche Bedürfnis, Lebewesen einen Namen zu geben, gestillt wurde: In verniedlichender Weise wurde der bis zu 15 Meter große Wal „Timmy“ getauft.

Pulheim: Wipperfürths Statement ließ nicht lange auf sich warten

Namenlos wird dagegen wohl der Wolf bleiben, der sich in dieser Woche in Hamburg in einen Supermarkt verlief und eine Frau gebissen hat. Wobei Tierschützer zuletzt Zweifel daran äußerten, dass er tatsächlich gebissen hat oder die Frau nicht einfach nur umgestoßen und mit der Pfote im Gesicht verletzt hat.

Was unmittelbar den Pulheimer Landwirt Markus Wipperfürth auf den Plan rief, der in seinen täglichen Bulletins in den sozialen Netzwerken vor keinem noch so großen Thema Halt macht. Die vermeintliche Attacke sei mit Ansage geschehen und gehe auf das Konto der „lieben Wolfskuschler und Politiker“.

Der Elsdorfer Bürgermeister Andreas Heller hatte eine Hundefreilaufwiese angekündigt.

Der Elsdorfer Bürgermeister Andreas Heller hatte eine Hundefreilaufwiese angekündigt.

Es sei nur eine Frage der Zeit, bis ein Mensch sein Leben verliere, wetterte der Influencer, dem eine stattliche Zahl an Menschen folgt. Ein Raubtier wie der Wolf habe in Ballungsräumen nichts verloren, verdeutlicht der Mann, der 2021 einer der ersten Helfer nach der Flutkatastrophe an der Ahr gewesen und seither der wohl bekannteste ist.

Wolfssichtungen gibt es nicht nur im Hamburg. Auch im Norden des Rhein-Erft-Kreises gab es vor allem im vorigen Jahr immer wieder Hinweise darauf, dass das über lange Zeit in unseren Breitengraden als ausgestorben geltende Tier sich Wohnsiedlungen genähert habe. Zuletzt aber war es ruhig um Wölfe geworden, vermutlich waren sie nur auf der Durchreise gewesen.

Elsdorf: Wer seinen Hund von der Leine lassen möchte, muss zahlen

Für mehr Aufmerksamkeit sorgte in dieser Woche vielmehr der Artgenosse des Wolfs, der Hund. Da verkündete das Rathaus Elsdorf doch etwas, das als gute Nachricht für Hundebesitzer verklausuliert wurde: Spätestens ab Mai soll es einen Hundeübungsplatz im Stadtteil Heppendorf geben. Die Bezirksgruppe Köln des Deutschen Rottweiler Klubs öffne das vom Schäferhundeverein übernommene Gelände künftig freitags und samstags für ein paar Stunden auch für Hundehalter, die kein Vereinsmitglied sind – gegen einen noch zu bestimmenden „kleinen Obolus“.

Das ist nun nicht das, was Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller im Februar in seine wöchentlichen Videobotschaft an die Bürgerinnen und Bürger angekündigt hatte. Da sprach er von einer Hundefreilaufwiese. Darunter ist im Allgemeinen eine eingezäunte städtische Fläche zu verstehen, die an allen Tagen (zu bestimmten Uhrzeiten) geöffnet ist, die kostenlos genutzt werden darf und auf der Hunde losgelöst von der Leinenpflicht herumtollen können.

Eine solche Hundewiese gibt es seit vorigem Jahr in Pulheim und wird gut angenommen. Erftstadt plant ebenfalls, eine Fläche auszuweisen – unter der Maßgabe, dass sich Anwohner nicht gestört fühlen dürfen. Hunde bellen schon mal.

Was Heller und die Stadt Elsdorf da nun als den großen Wurf verkünden, ist nicht anderes als eine Mogelpackung. Elsdorfs Hundehalter, die in diesem Jahr schon eine Steuererhöhung hinnehmen mussten, hätten mehr Empathie für die Bedürfnisse ihrer Vierbeiner verdient.