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Maler der EifelKünstler thematisieren in Gemünd auch die Schrecken der Flutkatastrophe

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Die Künstlerin, die einen weißen Judo-Anzug trägt, liegt auf dem Rücken und rutscht über eine auf dem Boden ausgerollte Leinwand.

Bei einer Wasserperformance gestaltete Nell Berger ein Bild, das anschließend in die Ausstellung integriert wurde.

Die vielen Facetten von Wasser stehen im Zentrum der aktuellen Gemeinschaftsausstellung im Kunstforum Gemünd.

Wasser – es kann Lebenselixier sein. Und es kann Katastrophen verursachen. Gerade in Gemünd, wo sich die Flutwellen von Urft und Olef in der Flutnacht des 14. Juli 2021 miteinander vereinten, sind die Spuren seiner Zerstörungskraft immer noch nicht verschwunden.

Doch auch die ästhetischen Momente des Wassers und seine hypnotische Kraft und magische Anziehung faszinieren Künstler immer wieder von Neuem. Als eines der vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde wurde es in der zweiten Ausstellung dieses Jahres im Kunstforum Eifel in Gemünd thematisiert.

Das Himmelsblau spiegelt sich in der Wasseroberfläche

Viel Blau ist in der Alten Schule an der Dreiborner Straße zu sehen, die Farbe des Himmels. Denn die Oberfläche der eigentlich farblosen Flüssigkeit spiegelt Wolken und das strahlende Himmelsblau wider und bewegt sich mitunter wie ein fremdartiges Wesen, das ein Eigenleben entwickelt. Ähnlich wie bei einem stummgeschalteten Fernseher, der im Hintergrund eines Raumes steht, ist es schwer, sich dem Zwang zu entziehen, dort mit dem Blick zu verweilen.

Das Gemälde zeigt die braune Schlammbrühe, die durch Gemünd fließt.

Gemünd während und nach der Flut stellt Mona Dia in ihren Bildern dar, die auch in der Ausstellung zu sehen sind.

Eine matte Fläche zeigt, dass das Wasser im Fachwerkgebäude Des Landgasthofs Zur alten Schmiede bis zur Mitte des ersten Obergeschosses stand. Ein rotes Auto wurde gegen ein Fenster gespült. Aus einem anderen Fenster quillt Unrat.

Die Flut im Ahrtal und die Zerstörungen thematisierte Hawel Schuak in seiner Assemblage.

Bewegung und Leuchten schaffen eine Präsenz, der sich der Betrachter kaum entziehen kann. Ähnlich wie bei den Pool-Bildern des britischen Künstlers David Hockney wird die ästhetische Kraft des Wassers in vielen Variationen von den teilnehmenden Künstlern dieser Ausstellung thematisiert: Abstrakt und realistisch, in Gemälden und Fotografie.

Auch unter die Oberfläche gehen die Künstler, lassen den Betrachter in die Flüssigkeit eintauchen und Körper schweben. Sie transportieren die Ahnung der Schwerelosigkeit, die der Mensch unter Wasser erfahren kann.

Die Künstlerin Mona Dia erlebte die Flut in Gemünd-Malsbenden mit

Auch wenn die Ästhetik manifester Bestandteil der Bildenden Kunst ist, ohne das Leben geht es nicht. So ist ein Teil der Ausstellung der brutalen Realität gewidmet, die sich mit dem Wasser verbindet. Mona Dia, die in Malsbenden die Flut erlebte, lässt in zwei Gemälden das schlammbraune Wasser durch Gemünd fließen. Sie thematisiert die Zerstörungen und erinnert so an den Horror, der so viele Menschen in der Eifel traf.

Bretter und Geschirr hat die Künstlerin in ihrer Installation kombiniert.

Mit einer Installation und Fotoperformance lässt Ulrike Oeter die Flutkatastrophe zur Kunst werden.

Sein von der Flut zerstörtes Haus im Ahrtal lässt Haweel Schuak in einer Assemblage wieder auferstehen. Wie in einem Museumsdiorama ist der Wasserstand im ersten Stock dokumentiert, die zerstörte Bibliothek. Und auch das kleine Automodell eines Ferraris, das in das Haus zu schwimmen droht, hat einen realen Hintergrund. Denn wie auch in anderen Fällen wurden auch hier Autowracks von den Fluten gegen das Gebäude geschmettert.

Sterben Geflüchteter im Mittelmeer wird in Gemünd thematisiert

Aus Relikten der Flut hat Ulrike Oeter eine Installation geschaffen, die von Bildern einer Fotoperformance in flutbetroffenen Räumen begleitet wird. Tödlich ist die Kraft des Wassers auch im Mittelmeer: Mit Glasbildern thematisiert Elke Mank das nicht endende Sterben der Geflüchteten, ähnlich wie Yvonne Delisle in einem korrespondierenden Gemälde.

„Diese Ausstellung ist kein bloßer Rundgang, sie ist ein Tauchgang“, sagte die Vorsitzende des Vereins „Maler der Eifel“, Rena Voss, in ihrer Eröffnungsrede. Wasser sei mehr als ein physikalischer Zustand. Es sei das Gedächtnis unseres Planeten, ein Spiegel unserer Seele und auch das Schlachtfeld unserer Zivilisation. Sie erinnerte dabei nicht nur an die Zerstörungen der Flutnacht, sondern auch an die Verschmutzung der Ozeane durch Plastik und Lärm.

Der Mensch und das Wasser waren auch Thema der Performance von Nell Berger, die durch Schwimmbewegungen auf einer mit Graphit bestäubten Leinwand die Spuren der Menschen in dem Medium Gestalt werden ließ. Für Musik sorgte der Pianist und Akkordeonist Matthias Kömhoff.


Das Rahmenprogramm zur Ausstellung „Wasser“ im Kunstforum Eifel

Die Ausstellung „Wasser“ im Kunstforum Eifel in der Dreiborner Straße 22 in Gemünd ist noch bis zum 4. Juli zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Freitag, Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr, der Eintritt kostet 2 Euro.

Ein reichhaltiges Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung.

Am Samstag, Samstag, 30. Mai, jeweils 15 bis 17 Uhr, erarbeitet Rena Voss mit Kindern ein Gemeinschaftswerk zum Thema „Wasser“. Der Kurs kostet 10 Euro.

Am Sonntag, 31. Mai, und Sonntag, 14. Juni, jeweils 14 bis 16 Uhr, bietet Kuratorin Rena Voss eine Führung durch die Ausstellung. Die Teilnahme kostet 10 Euro.

Am Samstag, 6. Juni, und Samstag, 13. Juni, jeweils 16 bis 18 Uhr, gestaltet Rena Voss mit Frauen ein Gemeinschaftswerk zum Thema „Wasser“. Die Teilnahme kostet 10 Euro. Eine Anmeldung ist per E-Mail möglich.

Am Sonntag, 14. Juni, 11 Uhr, lesen bei einer Matinee Karyn von Ostholt und Michael Althausen „Wasserbettgeschichten und Wasserkrimis“.

Zur Finissage am Sonntag, 5. Juli, 11 Uhr, gestalten Mimi van Bindsbergen und Ursel Hirtz eine Performance.