Brühl – Wolfgang Poschmann (CDU), Heinz Jung (SPD) und Robert Sasse (Grüne) heißen die neuen stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Brühl. Es war die erste Entscheidung, die der gerade erst konstituierte Stadtrat zu fällen hatte, und sie wurde sogleich kontrovers diskutiert. Konkret waren sich unter anderem nicht alle Ratsmitglieder einig darüber, wie viele stellvertretende Bürgermeister es zukünftig geben soll. Zwar stimmten die Politiker letztendlich mehrheitlich für drei Stellvertreter, das stieß jedoch nicht bei allen Beteiligten auf Zustimmung.
„Wir sind der Meinung, dass wir lediglich zwei stellvertretende Bürgermeister brauchen. Nirgendwo im Rhein-Erft-Kreis gibt es drei, dabei sind andere Städte sogar um einiges größer als Brühl“, argumentierte Eckhard Riedel von der Fraktionsgemeinschaft Die Linke/Piraten. Das Geld, das der dritte ehrenamtliche Bürgermeistervertreter als Aufwandsentschädigung erhielte – laut Verwaltung rund 4800 Euro im Jahr – sei in anderen ehrenamtlichen Projekten besser aufgehoben, befand Riedel.
Das sieht die FDP indes etwas anders. „Wir plädieren für vier Stellvertreter“, sagte der liberale Fraktionschef Jochem Pitz und sorgte damit im Ratssaal allseits für Erheiterung – allerdings unfreiwillig, denn sein Antrag war tatsächlich ernst gemeint. „Die Einsätze für die Stellvertreter sind mehr geworden, das liegt unter anderem am demografischen Faktor. Es gibt einfach mehr Altersjubiläen“, erklärte Pitz. Zudem sei es kein gutes Zeichen, wenn es keine Frau im Amt gebe. Der FDP-Chef schlug daher seine Parteikollegin Thea Brämer vor, „die das Amt in den vergangenen fünf Jahren schließlich auch schon hervorragen ausgefüllt hat“. Die Tatsache, dass die FDP bei der jüngsten Kommunalwahl lediglich zwei statt vier Sitze erhalten und so enorm an Einfluss verloren habe, spiele bei der Forderung keine Rolle, so Pitz.
Zwar stimmten ihm die Fraktionschefs Hans-Theo Klug (CDU), Matthias Petran (SPD) und Michael vom Hagen (Grüne) insofern zu, dass die Arbeitsbelastung der Stellvertreter in der Tat zugenommen habe. Drei ehrenamtliche Bürgermeister seien für das zu bewältigende Pensum jedoch vollkommen ausreichend, so der Tenor. „In anderen Gemeinden gibt es Ortsbürgermeister oder Ortsvorsteher, die solche Aufgaben übernehmen. Die haben wir hier in Brühl seit vielen Jahren schon nicht“, argumentierte Klug zudem in Richtung Eckhard Riedel und begründete damit die Ablehnung seiner Partei hinsichtlich einer Begrenzung auf zwei Stellvertreter.
„Wenn es nur drei ehrenamtliche Bürgermeister geben soll, dann sollte Thea Brämer dritte Stellvertreterin werden“, wollte sich Pitz indes nicht so schnell geschlagen geben. Doch auch diesem Vorschlag folgte die Ratsmehrheit nicht, das Trio Poschmann, Jung und Sasse wurde bei zwei Enthaltungen sowie drei Gegenstimmen mit 38 Stimmen gewählt.
