Brühl – Mehr als 30 Jahre war die Telefonzelle am Steinweg/Rathaus B ein Blickfang und Symbol für die deutsch-englische Freundschaft. Im Zeitalter von Mobiltelefonen hat sie jedoch mehr und mehr an Bedeutung verloren. Der technische Fortschritt und auch die Umgestaltung des Steinwegs haben die Stadtverwaltung vor die Frage gestellt, was mit der Telefonzelle geschehen soll. Schließlich hatte die Ratsfraktion der Grünen die Idee, aus der Zelle einen öffentlichen Bücherschrank zu machen – formlos und unbürokratisch können dort Bücher herausgenommen und hineingestellt werden.
Nicht allein die Frage eines Standorts musste geprüft werden. Das stark restaurierungsbedürftige Geschenk erwies sich für die Verwaltung als eine finanzielle Herausforderung – im städtischen Haushalt war dieser Posten nicht vorgesehen. So war es der Brühler Rotary-Club, der – auf Vermittlung des Stadtverordneten Dieter Dahmen (CDU) – ein Herz für den roten Quadratmeter hatte und sowohl die Restaurierung als auch die Umgestaltung übernahm. Das städtische Haushaltssäckel blieb folglich unangetastet.
Neuer Standort der einstigen Telefonzelle ist nun der Franziskanerhof – unmittelbar vor dem Eingangsbereich des Zoom-Kinos. Geöffnet ist der Bücherschrank montags bis donnerstags von 7 bis 20 Uhr, freitags, samstags und sonntags von 7 bis 18 Uhr. Mit den festen Zeiten soll der Zerstörungswut vorgebeugt werden. Zudem haben die Betreiber des Café Buschheuer’s und des Zoom-Kinos sowie der Anwohner Dieter Kraus eine Patenschaft übernommen.
Die Stadtbücherei wird den Buchbestand dauerhaft kontrollieren. „Diese kleine, öffentlich zugängliche Kultureinrichtung im Herzen der Stadt führt zur weiteren Attraktivierung des Standorts, bietet ein zusätzliches Literaturangebot und ist zugleich weiterhin ein sichtbares Symbol der fast 50-jährigen Partnerschaft zwischen Leamington Spa und Brühl“, heißt es aus der Verwaltung. Ende der 1990er Jahre wurden in Deutschland die ersten Bücherschränke in Darmstadt und Hannover eröffnet. In Deutschland soll es inzwischen 150 dieser Freiluft-Bibliotheken geben
