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NaturSteinpilz erobert das Südrevier

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Der Semmelstoppelpilz ist einer der Pilze, die Wilhelm von Dewitz sammelt. Der Nabu-Experte liebt die Gänge durch den Wald rund um Brühl und freut sich über Pilzmahlzeiten, die er dort findet.

Brühl – Das Naturschutzgebiet rund um die Villeseen kennt Wilhelm von Dewitz wie seine Westentasche. Er kümmert sich um die Bestimmung von Libellen, zählt Misteln, beobachtet Vögel. Und er sammelt Pilze – mit Leidenschaft. Damit ist der 82 Jahre alte Naturschützer vor allem im Herbst häufig mit Pilzmesser und Körbchen auf Tour. Dank seiner Kenntnisse weiß von Dewitz, welche Stellen er bei welchen Wetterverhältnissen ansteuern muss, um fündig zu werden.

In der Nähe des Parkplatzes Schnorrenberg schlägt sich von Dewitz ins Gebüsch. Er hat einen vertrockneten Holunderstamm entdeckt. Erwartungsfroh beugt er sich zu dem trockenen Gehölz herab und wird fündig. Dunkle Öhrchen sind an den Ästen gewachsen. „Judasohr“, sagt von Dewitz zufrieden. „Hier an dem toten Holunder wächst dieser Pilz gern.“ Doch noch ist der passionierte Pilzsammler nicht zufrieden. Die Judasohren sind ihm zu klein und schrumpelig. „Ich warte, bis dort große, frische gewachsen sind.“ Und außerdem gibt „sein Pilzjagdrevier“, das rekultivierte Südrevier rund um Brühl, genügend her.

Steinpilzfieber sorgt für Schlagzeilen

Wilhelm von Dewitz fährt nicht in den Kottenforst und erst recht nicht in die Eifel, um Pilze zu sammeln. Das Steinpilzfieber, das seit geraumer Zeit für Schlagzeilen sorgt, hat von Dewitz nicht ergriffen. Zwar freut er sich über jede üppige Mahlzeit, die er auf Brühler Waldboden oder an Baumstämmen findet. Aber mehr als ein kleines Körbchen voll nimmt er nie mit aus dem Wald.

Sammler, die kiloweise Pilze aus den Wäldern schleppen, wie sie vor allem in der Eifel und im Sauerland immer häufiger gesichtet werden, sind von Dewitz suspekt. In den Regionen, wo die alt gewachsenen Wälder stehen, werden immer noch Pilzjäger entdeckt, die Steinpilze in Müllsäcken abtransportieren, um sie teuer zu verkaufen. Waldgebiete im Kreis Euskirchen sind schon abgesperrt worden, um den Futterbestand für die Wildtiere und seltene Pilze zu schonen.

„Wir haben hier noch kein Problem mit Sammlern, die übermäßig viele Pilze sammeln“, sagt Revierförster Frank Pechtheyden. „Das liegt vor allem daran, dass unsere Wälder die Menge gar nicht hergeben.“

Erste Steinpilze im Südrevier gesichtet

Auf dem rekultivierten Boden, der nur wenige Jahrzehnte alt ist, wachsen die Pilze nicht sonderlich gut. Von Steinpilzen oder Maronen können die Sammler rund um Brühl nur träumen – obwohl die ersten Steinpilze jetzt im Südrevier gesichtet worden sind. Von Wilhelm von Dewitz natürlich. „So langsam wächst hier der ein oder andere Steinpilz. In 50 Jahren, die ich und meine Frau Pilze sammeln, war dieses Jahr das erste Mal, dass ich im Südrevier einen Steinpilz gefunden habe.“

Während er sich an seinen verblüffenden Fund erinnert, sucht er den Waldboden ab. Er verharrt und schmunzelt. Denn er hat ein schwammartiges Gebilde auf dem Boden entdeckt. „Das ist ein Semmelstoppelpilz“, freut sich der 82-Jährige. Der gelblich-orangene Pilz ist gewellt, die Unterseite ist schuppig-stoppelig. „Da kann man aber nur die jungen Pilze verwenden, deren Stämme noch ganz hell sind.“

Mit leicht zu bestimmenden Pilzen begonnen

Emsig schneidet von Dewitz einige Pilze ab und säubert sie von Blättern und Nadeln. „Das reicht“, findet er. „Ich kenne noch eine Stelle, an der ein ganz besonderer Pilz wächst.“

In der Nähe des Entenweihers strengt von Dewitz die Augen an und lässt seine Blicke am Wegrand entlang schweifen. „Da sind welche, ich wusste es“, sagt er zufrieden. „Der braune Rasling ist mein Lieblingspilz.“ Beim Sammeln achtet er darauf, dass die Lamellen weiß und unbeschadet sind. Von Dewitz hat wie fast jeder Pilzsammler mit einfachen und leicht zu bestimmenden Pilzen begonnen: mit Röhrenpilzen wie Birkenpilzen, Goldröhrlingen und Lärchenröhrlingen.

Jedes Jahr nimmt der Rentner einen neuen Pilz in sein Repertoire auf. Wie den Mönchskopf. An den auffälligen Trichterpilz hat sich von Dewitz im letzten Jahr gewagt. Nun kennt er 25 Arten, die er sammelt. Im kommenden Jahr will er sein Wissen mit Hilfe seiner Bestimmungsbücher weiter ausbauen.