Köln/Brühl/Wesseling – Die wegen Kokainschmuggels angeklagten Männer aus Brühl und Wesseling versuchten am Freitag vor dem Kölner Landgericht, reinen Tisch zu machen. Die beiden 33-Jährigen legten umfassende Geständnisse ab. Sie kamen so dem Verständigungsangebot der Kammer nach, wonach der Brühler im Falle eines Geständnisses mit einem Strafmaß von acht Jahren und sechs Monaten bis zu neun Jahren und neun Monaten rechnen könne. Den Wesselinger erwarten fünf bis sechs Jahre Haft für den Schmuggel von 500 Kilogramm Kokain auf der Segelyacht „Arpax“ von Venezuela nach Holland.
Laut Vortrag des Anwalts habe der Brühler vor einigen Jahren begonnen, bergzusteigen und zu segeln. Oft war auch sein Jugendfreund, der zweite Angeklagte, mit von der Partie. Auch den Traum, einmal den Atlantik auf einem Segelboot zu überqueren, hätten beide geteilt. Bereits mit 16 Jahren habe der Brühler angefangen, Marihuana zu rauchen, unter Drogeneinfluss Verkehrsunfälle verursacht und mehrmals seinen Führerschein abgeben müssen.
Im Jahr 2006 seien dann Amphetamine und Kokain hinzugekommen. 2010 wurde er zu einer Bewährungsstrafe wegen Drogenbesitzes verurteilt. Damals ging es los mit den Segeltouren. Einen der Törns nutzte der Brühler, um ohne Absprache mit dem Schiffseigner über den Atlantik Richtung Karibik zu segeln. Station machte er unter anderem auf der Isla Margarita vor der Küste Venezuelas. Dort sei er von einem gewissen „Bolivar“ angesprochen worden, Drogen zu erwerben und in Deutschland weiter zu verkaufen. In Anbetracht seiner Vorstrafen habe der Brühler zunächst abgelehnt.
Bürgerliches Umfeld
Zu Hause schilderte er seinem Freund die Atlantiküberquerung. Der Wesselinger sei begeistert gewesen, allerdings hätte er die Sache mit dem Kokain als „Hirngespinst“ bezeichnet. Im Dezember 2010 waren sich die Freunde jedoch einig, den Deal mit „Bolivar“ einzugehen. Der Brühler flog alleine auf die Isla Margarita, traf sich mit dem Drogenhändler und erklärte sich bereit, als Kurier zu fungieren. Mit der Aussicht auf rund 3000 Euro pro transportiertem Kilo Rauschgift sei auch der Wesselinger nun „Feuer und Flamme“ gewesen.
Im Frühling 2011 startete der Wesselinger mit der Yacht „Arpax“ in Richtung Karibik. Der Brühler flog derweil auf die Isla Margerita und wartete dort auf seinen Freund. Die Drogen wurden im Schiff verstaut, der Wesselinger trat die Seereise gen Europa an. Der Brühler nahm das Flugzeug. Per telefonischer Anweisung sei der Freund mit dem Boot in einen holländischen Hafen beordert worden, wo das Kokain in einer Nacht, in der der Wesselinger nicht an Bord war, abgeholt worden sei. Als der heute 33-Jährige zurückkam, habe er eine schwarze Sporttasche voller Geld vorgefunden. Die Freunde teilten sich die Million.
An der zweiten Fahrt der „Arpax“ im Jahr 2012 sei sein Freund aus Wesseling nicht beteiligt gewesen, ließ der Brühler das Gericht wissen. Diesen missglückten Deal habe er gemeinsam mit einem weiteren Freund organisiert, der derzeit in der Karibik auf seinen Prozess wartet.
Der Anwalt des zweiten Angeklagten erklärte, dass die Aussagen auf seinen Mandanten „bedauerlicheweise zutreffen“. Gleichzeitig skizzierte er das bisherige Leben des Mannes als „unauffällig“. Er stamme aus einem bürgerlichen Umfeld. Das Drogengeschäft habe er als Möglichkeit gesehen, seinen Lebenstraum Atlantiküberquerung zu realisieren. Zu Hause sei die Sache für ihn abgehakt gewesen. Er versuchte, das Geld über eine Firmengründung und den Kauf einer Immobilie zu legalisieren.
Nach den ausführlichen Geständnissen am Freitag tritt das Gericht am Mittwoch wieder zusammen. Dann sollen weitere Zeugen und Gutachter gehört werden.