Rhein-Erft – Die Vorsätze fürs neue Jahr sind gerade einmal drei Monate alt und angesichts der Sorgen und Schwächen des Alltags zurück in einen hinteren Winkel des Bewusstseins verbannt, da fordert auch schon die Fastenzeit neue Opfer. Im Gegensatz zu den Neujahrs-Ambitionen wird bei dem nun anstehenden Verzicht immerhin ein klares Ende eingezogen. An Ostersonntag ist Schluss mit Fasten. Der 21. April darf also mit einem dicken roten Kreuz im Kalender markiert werden.
Es sei denn man ist beim Verzicht auf Zucker, Fleisch und Alkohol auf den Geschmack gekommen. Kräutertee statt Kölsch, Fenchel statt Frikadellen und Sport statt Sofa. In unserer Redaktion tendiert die Wahrscheinlichkeit dafür gegen Null. Aber zunächst geht es ja nicht um unendliche Mühen und Verzicht, sondern um 40 Tage. (wok)
Fleisch

Sarah Herpertz
Copyright: Sarah Herpertz
Sarah Herpertz
Wenn es bei meinen Eltern Kasseler oder Bratwurst gibt, schwebe ich im siebten Himmel. Meine Freunde lachen immer noch darüber, dass ich beim letzten Berlin-Trip auf die Frage „Worauf habt ihr heute Abend Appetit?“ „Hauptsache Fleisch!“ geantwortet habe. Und trotz der Liebe zu Fleisch habe ich das gemeinsame Fasten in der Redaktion zum Anlass genommen, wenigstens für ein paar Wochen darauf zu verzichten. Gute Gründe dafür gibt es wohl genug.
Karnevalistischen Unsinn

Bernd Rupprecht
Copyright: Bernd Rupprecht
Bernd Rupprecht
Nä, wat wor dat dann fröher en superjeile Zick ... Der Brings-Song hämmert noch in den Ohren. Okay, nun ist die Session vorbei, Fastenzeit. Ich verzichte auf diesen und alle anderen karnevalistischen Gassenhauer. Und das ausgelassene Mitsingen. Ich verzichte auf Bützje und Bier, auf Narrenkappe und starkes Kostüm, alternative Sitzungen und Herrensitzungen. Also kein Unsinn und Frohsinn mehr – okay, Letzteres vielleicht doch ein bisschen, zumindest an den Wochenenden.
Rotwein

Ulla Jürgensonn
Copyright: Udo Beissel
Ulla Jürgensonn
Ich biete als Kompromiss das Rotweinfasten an – denn keine Süßigkeiten zu essen wäre kein Problem, kein Fleisch zu essen dagegen ein großes. Fällt schwer, aber nicht zu schwer. Und lässt mir ein Hintertürchen offen: Weißwein. Oder Whisky. Ich weiß mich da in guter Gesellschaft. Selbst die Mönche haben sich früher Hintertürchen offengehalten, um den Fastenregeln zu entgehen. Sie haben schlicht den Biber, der ja im Wasser lebt, zum Fisch erklärt, um auch bis Ostern schlemmen zu können.
Arbeit

Horst Komuth
Copyright: Ulla Juergensonn
Horst Komuth
Arbeitsfasten werde ich. Bin acht Wochen nicht im Dienst. Also nix tun. Fast nix. Sich um den Garten zu kümmern, zählt ja nicht als Arbeit. Und zu Hause will ich mal alles richtig aufräumen. Ich tu’ so, als sei das auch nur Entspannung.
Perücken

Maria Machnik
Copyright: Ulla Juergensonn
Maria Machnik
Ich werde auf meine Perücken verzichten. Es wird mir schwerfallen, ich werde sie vermissen. Auch wenn ich sie, ehrlich gesagt, alles andere als komfortabel finde. Es drückt hier, zwickt da. Aber sie sind ungemein kleidsam und bringen Farbe in mein Leben.
Coca Cola

Niklas Pinner
Copyright: Kämpf
Niklas Pinner
Ob ich weiß, wie viel Zucker in so einem Glas Cola steckt, der schlecht für die Zähne und den Blutzuckerspiegel ist? Natürlich! Hält mich das davon ab, viel Cola zu trinken? Nein! Cola ist mein größtes Laster. Darauf zu verzichten, wird mir schwerfallen.
Auto

Andreas Engels
Copyright: Andreas Engels
Andreas Engels
Mein Fahrrad hat einen Platten. Eine leidlich gute Ausrede dafür, alle Wege mit dem Auto zurückzulegen. So werde ich die Fastenzeit damit beginnen, den Reifen zu flicken, und dann öfter mal in die Pedale treten. Das ist gut für die Umwelt – und für die Figur.
Die Umgebung

Kathrin Höhne
Copyright: Kathrin Höhne
Kathrin Höhne
Fasten beginnt im Kopf. So möchte ich mich einmal von allen Dingen freimachen, die mich umgeben, vom heiß geliebten Café, vom Internet bis zum Auto. Ich packe einen Koffer und verschwinde, um mit dem Blick für das Wesentliche wiederzukommen.
Verzicht aufs Verzichten

Wolfram Kämpf
Copyright: Niklas Pinner
Wolfram Kämpf
Ich würde ziemlich gerne ein paar Wochen aufs Verzichten verzichten. Dann hätten mich alle Kneipenwirte und Süßwarenverkäufer lieb. Die Sache hat aber einige Haken: Mein Konto wäre leer und meine Zähne braun. Daher verzichte auf den Verzicht aufs Verzichten.
Fast-Food

Udo Beissel
Copyright: Patrik Reinhartz
Udo Beißel
Fast-Food-Fasten bis Ostern muss jetzt mal sein. Stattdessen soll es gesünder und geschmackvoller werden. Nach einem ausgedehnten Frühstück gibt es tagsüber überwiegend Rohkost wie Radieschen, Rettich und Möhren mit einem leckeren Dip.
Autofahren

Ralph Jansen
Copyright: Manfred Funken
Ralph Jansen
Von den 20 Kilometern, die ich im vergangenen Jahr durchschnittlich pro Tag geradelt bin, bin ich noch weit entfernt. Das muss sich in der Fastenzeit ändern. Ab Aschermittwoch wird der Durchschnitt hochgekurbelt. Das Auto bleibt stehen.
Chips

Patrik Reinartz
Copyright: Patrik Reinartz
Patrik Reinartz
Kuchen, Schokolade, Gummibärchen – darauf kann ich gut verzichten. Richtig schwach werde ich bei Kartoffelchips. In der Fastenzeit will ich mich mäßigen – auch wenn bei den Karnevalszügen viele Beutelchen mit den leckeren Chips bei mir gelandet sind. ( Patrik Reinartz)
Lieblingsregister der Orgel

Dietmar Fratz
Copyright: Dietmar Fratz
Dietmar Fratz
Als Kirchenmusiker im Nebenjob werde ich in der Fastenzeit auf mein Lieblingsregister der Sinnersdorfer St.-Hubertus-Orgel verzichten. Die kleine Mixtur, Scharff genannt, wird bis Ostern schweigen und so das Orgelspiel der Fastenzeit angemessen sein.
Helm vergessen

Manfred Funken
Copyright: Manfred Funken
Manfred Funken
Man kann ja auf allerlei verzichten in der Fastenzeit, und vieles, was man sich wegzulassen vornimmt, ist ja auch vernünftig. Aktiv bleiben darf man ja, beim Cross-Skaten zum Beispiel oder Fahrradfahren. Und da gilt: Niemals auf den Helm verzichten. (Manfred Funken)
Sofa

Manfred Christoph
Copyright: Udo Beissel
Manfred Christoph
Ich möchte meine Tenniskarriere fortsetzen – verzichte also auf stundenlanges Sofasitzen. Letztes Jahr hatte ich erste Auftritte auf dem Court unter Anleitung eines Trainers. Ich habe auf der Straße einen Schläger gefunden und ihn besaiten lassen. Es kann also losgehen.

