Nach 15 harten Laufrunden rund um den Elsdorfer Ortskern war die 100 Kilometer-Distanz bewältigt und die Mission für den guten Zweck erfüllt.
3500 Euro gesammeltSportler aus Elsdorf läuft 100 Kilometer für das Tierheim Bergheim

Nach 15 Stunden war's geschafft: Unter großem Jubel absolvierte Ricardo Linden die letzten Meter seines ersten Ultra-Laufs für den guten Zweck.
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Die finale Runde seines großen Abenteuers widmete der bereits merklich entkräftete, aber unerhört tapfere Langläufer einer besonders lieben Hundedame: „Der letzte Loop ist für Zora, denn Zora ist einfach die Beste. Sie hat nur drei Beine, aber ein ganz großes Herz“, sprach Ricardo Linden gequält lächelnd in die für Instagram und TikTok mitlaufende Kamera, kämpfte sich noch einmal aus seinem Pausenstühlchen empor und mobilisierte die allerletzten Kräfte: „Jetzt zählt nur noch der pure Wille, aber wir ziehen das nun durch fürs Tierheim Bergheim. Also auf geht’s. Let’s go!“
Eine knappe Stunde später – es war schon 21 Uhr, und die Sonne versank gerade hinterm Tagebauloch – hatte es Ricardo Linden dann tatsächlich geschafft: Nach 15 harten Laufrunden rund um den Elsdorfer Ortskern war die 100 Kilometer-Distanz bewältigt und die Mission für den guten Zweck erfüllt.
Elsdorf: Linden will tierliebe Menschen zur Adoption animieren
Das monetäre Ergebnis des Benefizlaufs übertraf die Erwartungen des Initiators bei weitem: Bis Sonntagmorgen hatten Ricardo Lindens mitfiebernde Internet-Follower, die die Aktion live im Netz verfolgen konnten, fast 3500 Euro aufs Spendenkonto des „Miles for Paws/Kilometer für Pfoten“-Ultra-Marathons überwiesen.
„Laufend Geld für das auf Spenden angewiesene Bergheimer Tierheim zu sammeln, war nur aber ein Aspekt“, erklärte Linden nach dem Zieleinlauf, „darüber hinaus ging es auch darum, tierliebe Menschen dazu zu animieren, vielleicht selber einen auf Vermittlung wartenden Tierheim-Hund bei sich aufzunehmen. In den Live-Videos vom Lauf haben wir deshalb immer wieder Hunde wie Zora kurz vorgestellt. „Wenn am Ende auch nur ein einziger Vierbeiner ein gutes neues Zuhause findet, hat sich die Sache schon gelohnt.“

Ermattet winkt Ricardo Linden in die Smartphone-Kamera: Noch eine letzte kurze Verpflegungspause, dann wird der Elsdorfer die Abschlussrunde seines 100-Kilometer-Benefizlaufs für Bergheimer Tierheim in Angriff nehmen.
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Dafür hatten sich Linden und sein emsiges Helferteam schon Wochen vorher mächtig ins Zeug gelegt. Mit Dutzenden kurzen Werbe-Videos auf diversen Social-Media-Plattformen generierten sie im Vorfeld Reichweite für ihr „Miles for Paws“-Projekt.
Am Samstag um 6 Uhr morgens schlug dann die Stunde der Wahrheit. Bestens vorbereitet und mit einem Kohlehydrate-Tank, den er am Vorabend mit 500 Gramm Nudeln bis zum Rand aufgefüllt hatte, nahm Linden den bislang längsten Lauf seines jungen Sportlerlebens in Angriff.
25-Jähriger geht an seine Grenzen für den guten Zweck
Für seinen ersten Ultramarathon hatte sich der 25-Jährige das sogenannte Backyard-Format ausgesucht. Hier geht es in erster Linie nicht ums Tempo, sondern ums Durchhalten. So müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von offiziellen Backyard-Wettkämpfen pro Stunde immer genau 6,706 Kilometer laufen. Wer die Runde ein paar Minuten schneller absolviert, darf eine kurze Pause machen, bevor zur vollen Stunde der nächste Loop eingeläutet wird. Gewonnen hat, wer am längsten durchhält und die meisten Runden schafft.
„Manche Top-Athleten legen auf diese Weise mehr als 700 Kilometer zurück. Aber da bin ich raus. 100 Kilometer sind für mich zunächst mal mehr als genug“, berichtet Ricardo Linden. Denn erst im vergangenen Jahr ist er in Köln in gut vier Stunden seinen ersten klassischen Marathon über 42,2 Kilometer gelaufen.
Nun auf einen Schlag noch einmal fast 60 Kilometer draufzupacken, war für den begeisterten Hobbyläufer schon eine heftige Herausforderung: „Doch es reizt mich einfach, meine persönlichen Grenzen immer wieder neu auszuloten. Das sind Erfahrungen, aus denen man ganz viel mentale Kraft für sein ganzes Leben ziehen kann.“
Besonders viel Kraft brauchte Ricardo Linden nach rund 60 Kilometern: „Da tat mir schon alles weh, und ich musste schon ganz schwer mit mir kämpfen, um nicht schlapp zu machen. Wenn man merkt, dass man schwächer wird, das Ziel aber noch in weiter Ferne liegt, wird’s richtig hart.“
Gut, dass es reichlich Unterstützung gab. An der Basisstation vor dem Easyfit-Studio in der Gladbacher Straße, die Linden nach jeder 6,7-Kilometer-Runde für eine kurze Verpflegungspause ansteuerte, warteten den ganzen Tag über Ehefrau Samira, Mutter Diana und ein gutes Dutzend Bekannte, um dem Läufer immer wieder frischen Mut zuzusprechen. Das wirkte: Nach 15 Stunden und 15 Runden lief Ricardo Linden unter großem Jubel zum letzten Mal in die Basisstation ein und ließ sich völlig erschöpft, aber überglücklich von seinen Liebsten umarmen: „Jetzt schnell noch ein Schluss-Video fürs Netz, und dann will ich nur noch unter die Dusche und ins Bett.“
