Förderbescheid für das „Center for Innovation with Nature“
NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes hat der TH Köln am Montag den Förderbescheid für das geplante „Center for Innovation with Nature“ (CEIN) in Erftstadt übergeben. Die rund 133 Millionen Euro stammen aus dem „Investitionsgesetz Kohleregionen“ und werden gemeinsam vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen getragen, so die Stadt. Die TH Köln will damit in Erftstadt auf den Feldern zwischen den Stadtteilen Bliesheim und Liblar ein Forschungs- und Transferzentrum bauen.
Reallabor für Klimaresilienz und Ressourcennutzung
Im Mittelpunkt stehen drei Themen: Klimaresilienz, nachhaltige Ressourcennutzung und zukunftsfähige Infrastruktursysteme. Das CEIN soll als Reallabor arbeiten, als offener Lern- und Experimentierraum, in dem wissenschaftliche Vorgehensweisen und gesellschaftliches Erfahrungswissen zusammenkommen. Neue Technologien, soziale Innovationen und Planungskonzepte sollen dort in realen Kontexten entwickelt und getestet werden. Das Zentrum sei somit zugleich ein Ort für Forschung, Transfer, Vernetzung, Vermittlung und Beteiligung, teilt die Stadt mit. Inhaltliche Schwerpunkte lägen insbesondere auf grün-blauen Infrastrukturen, Klimawandelanpassung und Naturgefahrenmanagement, nachhaltigem Wasser-, Boden- und Ressourcenmanagement sowie zukunftsfähigen Energie-, Mobilitäts- und Infrastruktursystemen.
Brandes: Wissen als neuer Rohstoff
„Wo einst die Kohle den Wohlstand der Menschen sicherte, entsteht jetzt mit dem neuen Rohstoff Wissen eine europäische Modellregion für Energieversorgung und Klimaschutz“, sagte Ina Brandes. Das Rheinische Revier sei das perfekte Umfeld für das CEIN. Die Menschen der Region seien eingeladen, sich mit ihren Ideen und ihrer Alltagserfahrung einzubringen.
Austausch und Innovation
Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur verwies darauf, dass Hitze, Dürre und historisch niedrige Pegelstände gezeigt hätten, wie wichtig eine bessere Vorbereitung auf die Klimakrise sei. „Am CEIN finden Wissenschaft, Unternehmen und Zivilgesellschaft einen Raum für Austausch und gemeinsame Ideen“, so Neubaur. Von den hier entwickelten Lösungen für mehr Klimaresilienz profitiere die Region unmittelbar selbst: „Das ist Strukturwandel, der im Alltag der Menschen ankommt.“
Klimaneutrales Gebäude auf 27.700 Quadratmetern
Auf rund 27.700 Quadratmetern entsteht ein Gebäude mit flexibel nutzbaren Räumen für Forschung und Projektarbeit, Begegnungsbereichen sowie Veranstaltungs- und Ausstellungsflächen, wie aus der Mitteilung der Stadt hervorgeht. Geplant seien auch größere Versuchsaufbauten. Das Zentrum soll klimaneutral und energiepositiv aus Holz, Naturstein und Ziegeln errichtet werden.
Bauwerk und Außenanlagen als Forschungsgegenstand
Laut Prof. Dr. Gerd Sadowski, Beauftragter des Präsidiums für das Projekt, werden Gebäude und Technik selbst Gegenstand von Forschung und Demonstration. Auch die Außenanlagen seien Teil des Konzepts: Wasserbezogene Systeme, klimaresiliente Landschaftsstrukturen und Biodiversität sollen als zusammenhängendes System erfahrbar werden. „So kann CEIN selbst ein Anschauungsmodell für eine zukunftsgerichtete Bauweise und Architektur werden“, so der Projektbeauftragte.
Weitzel: Neuer Stadt- und Landschaftsraum für Erftstadt
Erftstadts Bürgermeisterin Carolin Weitzel sieht im CEIN den Auftakt für einen neuen Stadt- und Landschaftsraum, der Wissenschaft, Arbeiten, Wohnen, Mobilität, Natur und Naherholung verknüpft. Perspektiven entstünden auch für den angrenzenden Innovationspark, neue Wohnangebote und eine bessere Anbindung an den Bahnhof. „Die Campuslandschaft soll kein abgeschlossener Studienort werden, sondern ein offener, lebendiger Raum, von dem auch die Bürgerinnen und Bürger Erftstadts profitieren. Erftstadt entwickelt das größte, identitätsstiftende Einzelprojekt ihrer Geschichte“, so die Bürgermeisterin.
Strukturwandel als Chance
TH-Köln-Präsidentin Prof. Dr. Sylvia Heuchemer bezeichnet den Strukturwandel in ehemaligen Braunkohlegebieten als Jahrhundertaufgabe und als große Chance. „In interdisziplinären Projekten bringen wir Partner und Partnerinnen aus allen gesellschaftlichen Bereichen zusammen, um nachhaltige Konzepte für die Region auszuarbeiten“, erklärt sie. Damit Veränderung gelingen könne, brauche es Wissen, Innovationen, Beteiligung, Dialog und Vertrauen. Die Planung erfolge eng mit der Stadt Erftstadt, dem Rhein-Erft-Kreis und dem Verein Region Köln/Bonn.
Landrat Rock: Neue Perspektiven für den Rhein-Erft-Kreis
Landrat Frank Rock betont: „Der Strukturwandel muss den Menschen im Rhein-Erft-Kreis neue Perspektiven eröffnen. Mit dem CEIN schaffen wir dafür eine wichtige Grundlage: Hier sollen Lösungen entstehen, die unseren Städten bei der Anpassung an den Klimawandel helfen und unseren Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen.“
Aus der Forschung in Erftstadt sollen neue Geschäftsideen und qualifizierte Arbeitsplätze für die gesamte Region hervorgehen, erläutert er. Mit der Förderzusage könne man die Pläne jetzt in die Tat umsetzen.

