SelbstversuchErftstädterin verzichtet sechs Monate aufs Auto – Bus und Bahn im Test

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Eine junge Frau sitzt in einer Bahn.

Ida Görlitz möchte selbst erfahren, ob der ÖPNV in ihrer Heimatstadt, aber auch auf längeren Strecken das Auto wirklich ersetzen kann.

Die 20 Jahre alte Studentin Ida Görlitz aus Erp möchte herausfinden, ob Erftstadt auf die Mobilitätswende vorbereitet ist.

„Es ist durchaus machbar, wenn man viel Zeit und einen Puffer einplant“, sagt lautet Ida Görlitz Fazit nach der ersten Woche Selbstexperiment. Die Vorsitzende der Jusos (Jugendorganisation der SPD) in Erftstadt hatte angekündigt, sechs Monate lang auf das Auto zu verzichten und nur mit Bus, Bahn oder Fahrrad unterwegs zu sein.

Die 20-jährige Studentin aus Erp möchte herausfinden, wie alltagstauglich der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im ländlichen Raum ist, insbesondere in ihrer Heimatstadt. „Immer wieder wird vor allem im Kontext der Klimakrise davon gesprochen, den ÖPNV auszubauen. 2021 wurden wir selbst Zeuginnen und Zeugen der Auswirkungen der Klimakatastrophe.“

Erftstädterin ist viel im Rhein-Erft-Kreis unterwegs

Kaum etwas trage so sehr zum Klimawandel bei, wie der CO2-Ausstoß, unter anderem durch den Individualverkehr, betont Ida Görlitz. „Sind wir in Erftstadt auf eine Mobilitätswende vorbereitet und wo müssen wir noch nachbessern?“, ist eine Frage hinter dem Experiment, das die junge Frau am 1. Juni gestartet hat.

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Ida Görlitz wohnt in Erp und studiert Jura in Bonn, wo sie einen zweiten Wohnsitz in einer Wohngemeinschaft hat. Zudem arbeitet sie einmal pro Woche im Düsseldorfer Landtag. Doch auch innerhalb des Rhein-Erft-Kreises sei sie viel unterwegs, sagt die 20-Jährige. Zum Auftakt ihres Experiments ist Ida Görlitz samstags von Erp nach Bliesheim gefahren, und hat dabei direkt das Hauptproblem des ÖPNV „auf dem Lande“ erfahren müssen.

Da wäre ich mit dem Fahrrad allemal schneller gewesen.
Ida Görlitz, Juso-Vorsitzende

„Die Strecke hat aufgrund der Taktung eine Stunde und zwölf Minuten gedauert. Da wäre ich mit dem Fahrrad allemal schneller gewesen. Eine Rückfahrt wäre nur im Drei-Stunden-Takt möglich gewesen. Entweder 20.29 oder 23.58 Uhr. Auch meine Rückfahrt am Sonntag aus Erp nach Bonn hat dreieinhalb Stunden gedauert, weil einige Bahnen ausgefallen waren“, schildert sie die Erfahrungen des ersten Wochenendes.

Danach allerdings habe sie Glück gehabt. Einkaufen und der Besuch verschiedener Veranstaltungen in Liblar und Lechenich hätten reibungslos geklappt. Doch der Faktor Zeit sei ein Knackpunkt. „Meinem Schlaf heute trauere ich schon etwas nach. Um 5 Uhr ging es für mich bereits Richtung Düsseldorf, damit ich pünktlich um 7 Uhr im Büro sitze und meine Vorlesung im Anschluss um 14 Uhr schaffe“, berichtet Ida Görlitz von ihrem ersten Donnerstag ganz ohne Auto.

Dem positiv entgegen stehen für die Studentin klar die geringeren Kosten: „Ich habe bereits ordentlich gespart. Mein Semesterticket für knapp 30 Euro liegt weit unter einer Tankfüllung.“ Und auch über die Bahn hat sie trotz ausgefallener Züge durchaus Positives zu berichten. „Die DB-App ist meine Rettung in jeder Situation. Selten habe ich so sehr geschätzt, alle Verspätungen und Alternativen einsehen zu können“, sagt Ida Görlitz.

Ihre weiteren Erfahrungen bis zum 31. Dezember, so lange soll das Selbstexperiment ÖPNV laufen, will sie monatlich bei den Social-Media-Auftritten der Jusos Erftstadt auf Instagram (@lautrotgut,  @jusoserftstadt) und Facebook posten. „Ich bin gespannt, wo ich an meine Grenzen stoßen werde und wie viel sich auch mein Alltag dadurch verändert.“

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