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Krankenhaus-KrisePolitiker äußern sich zur Insolvenz des Marien-Hospitals in Erftstadt

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Das Foto zeigt ein Krankenhaus, vor dem ein Rettungswagen steht.

Drei Wochen nach der Insolvenz-Hiobsbotschaft äußern sich Kreistagspolitiker zur Krankenhaus-Krise. Man ist sich einig, dass das Marien-Hospital Erftstadt-Frauenthal erhalten bleiben soll.

Die Klinik spiele eine wichtige Rolle bei der verlässlichen, wohnortnahen Gesundheitsversorgung im südlichen Kreis, so Hans Decruppe (BSW).

Drei Wochen nach Bekanntwerden der Insolvenz des Marien-Hospitals in Erftstadt hat das Thema Teile der Kreistagspolitik erreicht. Kreistagspolitiker Hans Decruppe (BSW) hat sich am Mittwoch eigenen Angaben zufolge mit der Mitarbeitervertretung des Krankenhauses getroffen, um die Sorgen und Erwartungen der Beschäftigten zu erfahren.

Es habe Einigkeit darin bestanden, dass das Marien-Hospital gerettet und am Standort Erftstadt mit dem vorhandenen medizinischen Leistungsangebot erhalten bleiben müsse. Es spiele eine wichtige Rolle bei der verlässlichen, wohnortnahen Gesundheitsversorgung im südlichen Rhein-Erft-Kreis, gerade auch für die medizinische Notfallversorgung, teilte Decruppe mit.

Erftstadt: Auch der Träger soll erhalten bleiben

Ein wichtiger Aspekt sei auch, dass der bisherige Krankenhausträger eine gemeinnützige Stiftung ist, also nicht eine profitorientierte Kapitalgesellschaft. Wünschenswert sei daher, dass auch der Träger erhalten bleibe. Decruppe hält die Erklärungen des vorläufigen Insolvenzverwalters für vorgeschoben und verschleiernd: Angeblich seien es „zu hohe Personalkosten“, die zur finanziellen Schieflage beigetragen hätten.

Der BSW-Politiker: „Wer sich aber mit Unternehmensinsolvenzen auskennt, der weiß, dass immer dann, wenn als Insolvenzursache auf die Beschäftigten und die Personalkosten gezeigt wird, von den wirklichen Ursachen abgelenkt werden soll.“ Vielmehr seien Managementfehler, Kapitalunterdeckung und/oder nicht vorhersehbare Umsatzeinbrüche die Ursache.

SPD erwartet, dass sich Landesregierung einschaltet

Auf Personalkosten werde regelmäßig dann verwiesen, wenn zu Lasten und auf Kosten der Beschäftigten durch Personalabbau, Arbeitsverdichtung und Lohnsenkung das insolvente Unternehmen saniert werden soll, insbesondere wenn das Unternehmen als „Braut schön gemacht“ werden soll für einen Verkauf an einen Privat-Investor.

In einer Anfrage für die nächste Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gesundheit möchte Decruppe von der Kreisverwaltung wissen, wie sie die Situation des Marien-Hospitals einschätzt, ob sie bereits mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Kontakt aufgenommen habe und welche Möglichkeiten sie sieht, den Krankenhausstandort in Erftstadt zu retten. Auch die SPD hat sich zu Wort gemeldet. Sie erwartet, dass sich die Landesregierung und die Klinikbetreiber im Kreis einschalten, um der Krise des Erftstädter Krankenhauses zu begegnen.

„Die Bürgerinnen und Bürger haben verstanden, dass nicht an jedem Standort jede Leistung angeboten werden kann. Aber völlig zu Recht fordern sie eine wohnortnahe Grundversorgung“, sagt ihr gesundheitspolitischer Sprecher Daniel Dobbelstein. Spezialisierte Angebote müssten auch im Alter oder schweren Lebenslagen gut erreichbar sein. Die SPD erwarte, dass in der Trägerlandschaft und bei den politischen Verantwortungsträgern in Kreis und Land „mit gutem Willen“ daran gearbeitet werde, den Standort zu erhalten.

Eine Schließung der Klinik würde die bereits heute spürbare Unterversorgung des Rhein-Erft-Kreises deutlich verschärfen. Bereits heute gebe es im Rhein-Erft-Kreis die wenigsten Krankenhausbetten pro Einwohner in ganz NRW. Dobbelstein: „Das mögliche Ende des gerade erst teuer wieder hergestellten Krankenhauses in Erftstadt zeigt dramatisch die Folgen einer vor allem an wirtschaftlichen Aspekten orientierten Gesundheitspolitik. Davor warnen wir schon seit Jahren.“