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Umbau ohne EffektSex-Szene trifft sich weiter auf A553-Rastplatz in Erftstadt

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Letzter Halt vor der Abfahrt zum Phantasialand. Die Raststätte „Am alten Hau“ an der A553 beflügelt die Phantasie so mancher Besucher.

Letzter Halt vor der Abfahrt zum Phantasialand. Die Raststätte „Am alten Hau“ an der A553 beflügelt die Phantasie so mancher Besucher. 

Der Rastplatz ist Treffpunkt für ganz unterschiedliche Besucher. Nicht alle gehen pfleglich mit den Anlagen um.

Zerstörte Zäune, Trampelpfade, die zu verschwiegenen Ecken führten, Essensreste und Müll: Dieses desaströse Bild gab der Rastplatz „Am alten Hau“ an der A 553 in Fahrtrichtung Bliesheimer Kreuz noch vor zwei Jahren ab. Doch seit der Umgestaltung erscheint er wie neu: Büsche und Sträucher wurden gerodet, barrierefreie Spazierpfade führen von den Stellplätzen aus ins Grüne zu den Sitzgruppen.

In den Bäumen hängen Nistkästen, in Sichtweite ist eine Wildwiese angelegt. Dort soll ein Bienenhotel aufgestellt werden. „Durch die aufgelockerte und lichtdurchlässige Bepflanzung wollten wir die Aufenthaltsqualität erhöhen, insbesondere für Familien“, sagt die Leiterin der Autobahnmeisterei, Kerstin Janitz.

Einige von ihnen sieht man hier täglich
Thomas Bauerfeind

Ein zweiter erhoffter Effekt der Runderneuerung und der Beseitigung der lauschigen Ecken ist allerdings nicht eingetreten: Nach wie vor ist der Rastplatz ein beliebter Treffpunkt für schnellen und unverbindlichen Sex.

Oft schon am Vormittag spazieren vorwiegend Männer jeden Alters durch die parkähnliche und aufgelockert gestaltete Grünanlage. „Einige von ihnen sieht man hier täglich“, merkt Thomas Bauerfeind an. Seit 1993 arbeitet er bei der Autobahnmeisterei in Weilerswist.

Die Leiterin der Autobahnmeisterei, Kerstin Janitz, im Gespräch mit ihrem Stellvertreter Nils Fröhlich (l.) und dem Kollegen Thomas Bauerfeind.

Die Leiterin der Autobahnmeisterei, Kerstin Janitz, im Gespräch mit ihrem Stellvertreter Nils Fröhlich (l.) und dem Kollegen Thomas Bauerfeind.

Eine Veränderung beobachten sie dann doch: Schon während des Umbaus habe sich die Szene auf den Rastplatz in der Gegenrichtung verlagert. Beliebt seien zudem weitere Rastplätze entlang der A1 in Fahrtrichtung Trier, etwa „Oberste Heide“ und „Grüner Winkel.“

Das Verabreden zum Sex beziehungsweise das Treffen zum Cruising ist nicht strafbar. Allenfalls könnte es sich beim Cruising – also beim Umherschlendern auf der Suche nach schnellem Sex – um Erregung öffentlichen Ärgernisses handeln. Doch dem gehen die Behörden nur auf Anzeige nach oder aber, wenn sie jemanden in flagranti erwischen.

Die meisten Rastplätze sind nachts hell erleuchtet

Zum überwiegenden Teil wird der Rastplatz an der A553 gleichwohl von jenen genutzt, die nach langer Fahrt eine kurze Pause einlegen möchten: Da sind die Familien, die sich vor oder nach dem Besuch im Brühler Phantasialand dort stärken oder die WC-Anlagen nutzen. Lkw-Fahrer mögen den Rastplatz, weil es dort ruhiger ist als an der viel befahrenen A1. „Nachts sind alle Lkw-Stellplätze belegt“, weiß Janitz.

Um das Sicherheitsgefühl der Lkw-Fahrer und der Reisenden zu erhöhen und um mögliche Kriminalität zu reduzieren, seien die meisten Rastplätze nachts hell erleuchtet.

Dass Licht allein keinen hundertprozentigen Schutz bietet, mussten Janitz und ihr Team vor wenigen Wochen erfahren, als Unbekannte   nachts zunächst die Versorgungsleitungen der Beleuchtung gekappt hatten. Im Schutz der Dunkelheit haben sie dann – während die Fahrer in ihren Kabinen schliefen – einen Lkw-Tank aufgebohrt und Treibstoff aufgefangen.

Weil ihre Kanister offenbar voll waren, sei der Tank auf den Rastplatz leergelaufen. Der Diesel verteilte sich über den ganzen Rastplatz – von der Einfahrt bis zur Ausfahrt. „Reinigungsmaßnahmen in dieser Größenordnung dauern den ganzen Tag und kosten schnell 10.000 Euro und mehr“, erklärt sie. Das zahlen die Steuerzahler.

Jedes dritte Nummernschild holt die Polizei auch bei uns ab
Kerstin Janitz

Andere Ärgernisse sind dagegen an der Tagesordnung: Regelmäßig alarmieren die Autobahnmeister die Polizei, etwa wenn sie Kfz-Nummernschilder im Gebüsch finden oder mit Ausweisen und anderen Papieren gefüllte Brieftaschen. „Jedes dritte Nummernschild holt die Polizei auch bei uns ab“, erklärt Janitz. Das sei dann gestohlen.

Erst vor wenigen Tagen konnten sie der Polizei auch eine Brieftasche geben, die sie im Gestrüpp auf dem Rastplatz „Am alten Hau“ gefunden hatten. Später erfuhren sie, dass sich die Besitzerin sehr gefreut habe; ihr sei die Brieftasche kurze Zeit zuvor beim Einkaufen aus der Tasche gestohlen worden.

Aktuell erleben Fröhlich und seine Kollegen auch, dass die Edelstahl-Armaturen der Behinderten-Toiletten gewaltsam aus der Wand gerissen und gestohlen werden. Und immer wieder müssen sie feststellen, dass Toilettennutzer einfach keine Manieren haben und die Toiletten und die Wände und Türen sogar bewusst vollschmieren. „Dabei werden diese Toiletten zweimal am Tag gereinigt“, berichtet Bauerfeind.

Der Rastplatz ist aufwändig umgestaltet worden.

Der Rastplatz ist aufwändig umgestaltet worden.

Bleiben die Wildschweine. Sie waren und sind nach wie vor auch auf den Rastplätzen „Am alten Hau“ ein Problem. Und dies, obwohl die beiden Rastplätze in den hinteren Bereichen eingezäunt sind. Nur an einigen Stellen verfügen die Zäune über Türen , die eigentlich mechanisch von alleine schließen. Doch immer wieder werden die Stahlfedern gestohlen. Und wenn die Türen nicht mehr schließen, haben es die Wildschweine leicht, auf die Rastplätze zu gelangen – angelockt etwa vom Duft unbedacht weggeworfener Essensreste.

„So nicht“, hatte sich Bauerfeind zuletzt gesagt. Als wieder eine der Federn verschwunden war, hatte er die neue Feder dick mit Fett eingeschmiert. „Die packt jetzt erst einmal keiner mehr an“, hofft er.


Laut Autobahn GmbH sind an den Rastplätzen „Am alten Hau“ an der A553 aktuell keine Erweiterung oder Neubau für weitere Lkw-Stellplätze geplant. Fortlaufend werde jedoch im kompletten Autobahnnetz der Bedarf an Lkw-Stellplätzen beobachtet. Dabei liege der Fokus auf der Optimierung der vorhandenen Infrastruktur, da geeignete zusätzliche Flächen in der Region begrenzt verfügbar seien. (mkl)