Erftstadt-Lechenich – Der „Landhandel Daniel Pütz“ hat eine lange Tradition: 1933 wurde das Geschäft an der Frenzenstraße in Lechenich gegründet. Der heutige Inhaber Hans-Jürgen Bulich verkauft auf 1000 Quadratmetern unter anderem Waren für den Haus- und Gartenbedarf, Gartenmöbel, Grillgeräte, Zierfische und Tiernahrung. Hinzu kommt ein Lieferservice für Kaminholz und eine Reparaturwerkstatt für Rasenmäher.
Doch Bulich hat das Rentenalter erreicht, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. So schwer es ihm auch falle: Über kurz oder lang werde er das Geschäft aufgeben. Doch Bulich geht mit einem Paukenschlag: Das Gebäude, zu dem auch ein seit Jahrzehnten nicht mehr genutztes Getreidesilo gehört, will er aufwendig umbauen lassen.
Erste Informationen über die groben Rahmenplanungen, die der Architekt Stefan Kolter erarbeitet hat, wurden jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung vorgestellt. Vorgesehen ist ein „Nutzungsmix aus Wohnen, Restaurant und Gewerbe“, so Bulich. Die das Ensemble prägenden Gebäudeteile sollen so weit als möglich erhalten bleiben. Das gelte unter anderem für die vorgelagerte Rampe und für das Getreidesilo, in dem Wohnungen eingerichtet werden. Die Fassade des Ladenlokals soll nach Möglichkeit ebenfalls erhalten bleiben.
Andere Gebäudeteile sollen abgerissen und durch neue ersetzt werden. So ist zum Beispiel ein Neubau für ein Restaurant und ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus vorgesehen, in dessen Erdgeschoss Gewerbe oder Arztpraxen angesiedelt werden können. In den oberen Etagen sind Wohnungen vorgesehen.
Zu der Anlage soll ein großzügig angelegter Innenhof gehören, der auch vom angrenzenden Schlosspark aus zugänglich sein soll. Zum Schlosspark hin sind auch eine Orangerie und eine Außengastronomie vorgesehen. An das Betriebsgelände des Landhandels angrenzende Grundstücke sind in den Entwurf mit einbezogen worden. Mit den Eigentümern habe er gesprochen, so Bulich; sie seien mit den Planungen einverstanden.
Für den neuen Gebäudekomplex mit einer bebauten Fläche von rund 1850 Quadratmetern sind eine ganze Reihe von Nutzungen möglich. Neben Wohnungen und Gewerbebetrieben spricht Landhandel-Eigentümer und Investor Bulich unter anderem von Räumen für Ergotherapie, von einer Kaffeerösterei und einer Destillerie, von Veranstaltungs- und Tagungsräumen. Mit einigen potenziellen Betreibern seien bereits Vorgespräche geführt worden.
Noch kein Zeitplan
Die Rede ist zudem von „Boardinghouse-Apartments“, die kurzfristig angemietet werden können, zum Beispiel im Rahmen von Tourismus oder Familienbesuchen. Eine Investitionssumme oder einen Zeitplan könne man noch nicht nennen, so Bulich: „Die Planungen stehen noch am Anfang.“ Die Stadt begrüßt das Vorhaben, die Politiker gaben ebenfalls grünes Licht – wenn auch „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, wie Gabriele Molitor (FDP) sagte. Michael Schmalen (CDU) argumentierte ähnlich: „Ein Stück altes Lechenich und ein Fachgeschäft mit guter Beratung gehen verloren.“ Die Pläne hätten dennoch viel Positives.