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SchandfleckHaufenweise Müll und Gerümpel

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Mit Müll und Gerümpel ist der Hof der alten Blessemer Schule vollgestellt.

Erftstadt-Blessem – Auf dem kleinen Vorplatz an der Frauenthaler Straße 63 stapeln sich Sperrmüll und jede Menge Unrat und Bauschutt. Der Zustand des Innenhofs ist noch weitaus schlimmer. Hier gibt es vor lauter Müll, der zum Teil meterhoch aufgetürmt ist, kein Durchkommen mehr. Es riecht nach nassem Teppich, modernden Holzresten und Papierbergen. Könnten die Erftstädter das hintere Gebäude sehen, kämen sicher dem einen oder anderem die Tränen. Die historischen Mauern wirken marode, Fenster sind zerbrochen, die Räume samt dem Holztreppenhaus vollgestopft mit Müll.

„Es ist ein wirklicher Schandfleck“, ärgert sich Ortsbürgermeister Helmut Zimmermann. So etwas passiere ausgerechnet an einem Ort, an den viele Blessemer schöne, fröhliche Erinnerungen hätten. Denn die meisten seien hier zur Volksschule gegangen. Bis August 2011 hat der Eigentümer, ein älterer Ingenieur, in dem Haus gewohnt. Schon er soll ein leidenschaftlicher „Jäger und Sammler sämtlicher Dinge“ gewesen sein, heißt es im Ort. Er habe das Haus und den Vorhof teilweise mit sperrigem Gut zugestellt. Angehörige habe man nie gesehen. Doch als zwei neue Familien zu ihm ins Haus zogen, soll sich das Sperrgut deutlich gemehrt haben. „Die Familien haben offensichtlich Schrott gesammelt, um damit Geld zu verdienen“, vermutet eine Blessemerin. Die Familien und ihre Kinder sollen sehr nett gewesen sein, „auch wenn ich es nicht gut fand, dass die Kinder nicht zur Schule gingen“, berichtet die Frau. Im August 2011 starb der Eigentümer. Die beiden Familien lebten weiter in der Alten Schule, bis sie vor einigen Wochen über Nacht verschwunden sind. Die Kinder des Verstorbenen scheinen das Erbe ausgeschlagen zu haben. So heißt es zumindest im Ort. Ein Kölner Anwalt ist als Nachlassverwalter eingesetzt. Der lässt jetzt ein Gutachten über den Wert des Hauses erstellen. Danach soll es verkauft werden.

Albert Esser hat in Blessem von 1939 bis 1944 die Schulbank gedrückt. Der Pädagoge und Historiker im Ruhestand hat noch lebhafte Erinnerungen an die Zeit in dem Ziegelbau. „In dem hinteren Gebäude waren zwei Klassenräume eingerichtet“, erinnert er sich. „In einem wurde die Unterklasse und in dem anderen die Oberklasse, das war die fünfte bis achte Klasse, unterrichtet.“ Das hintere Gebäude stammt aus dem Jahr 1905. Das vordere, große Ziegelhaus ist von 1878. Damals war es mit einem großen Klassenzimmer im Obergeschoss und einer Dreizimmerwohnung für den Lehrer in der ersten Etage errichtet worden. Als 1901 die Schülerzahl auf 92 gestiegen war, wurde zunächst Halbtagsunterricht erteilt: Die Kinder aus dem vierten bis achten Schuljahr kamen morgens, die drei jüngeren Jahrgänge nachmittags. Die Vinzentinerinnen im Kloster Frauenthal hätten damals viele Waisenkinder aufgenommen, berichtet Esser in einem Artikel über die Alte Schule. Die seien in Blessem zur Schule gegangen. Hinzu kamen acht kinderreiche Familien, die sich an der Klarastraße niedergelassen hatten. Zunächst wurde weiterer Unterrichtsraum im Saal des Dorfwirtes geschaffen, bis die Regierung gemeinsam mit Stadtrat und Schulvorstand den Bau des zweiten Gebäudes im Innenhof beschloss. Die Schule wurde in den 60er Jahren geschlossen und verkauft.