Das Aus für das Festival trifft viele Engagierte im Kulturleben der Stadt. Bürgermeister Tietz muss nun sagen, was ebenfalls dem Rotstift zum Opfer fällt.
Kulturwochen abgesagtSchlag ins Gesicht vieler Ehrenamtler in Frechen


Zu 54 Veranstaltungen luden die 34 Veranstalterinnen und Veranstalter 2024 ein. In der Mitte in der weißen Bluse: Ex-Bürgermeisterin Susanne Stupp.
Copyright: Wolfgang Mrziglod
Halten wir den Verantwortlichen im Frechener Rathaus um Bürgermeister Uwe Tietz (SPD) zugute, dass sie wegen der Haushaltssicherung keine Wahl hatten: Die für September geplanten 14-tägigen Kulturwochen werden ersatzlos gestrichen – als Ergebnis einer Mangelwirtschaft. Es fehlt an Geld und es fehlt an Personal in der Abteilung Kultur, Freizeit und Sport.
Das teilte ein Rathaussprecher am späten Donnerstagnachmittag in dieser Woche mit. Das Ganze in relativ sparsamen Worten in einer E-Mail, die gesondert eine weitere Nachricht beinhaltete: die Einrichtung einer Hotline für den Ordnungs- und Servicedienst.
Nachrichten wie diese werden nicht gerne kommuniziert
Erfahrungsgemäß ist die Bereitschaft städtischer Pressestellen, positive Nachrichten zu verbreiten und/oder den amtierenden Bürgermeister in strahlendem Licht zu präsentieren, deutlich ausgeprägter als unpopuläre Wahrheiten zu verkünden. So fand sich dann auch erst am Freitagmorgen auf der städtischen Homepage der Hinweis darauf, dass die Frechener in diesem Jahr auf ihr liebgewonnenes Festival verzichten und aus dem Veranstaltungskalender streichen müssen.
Auf dem Facebook-Account fehlte die Information da noch komplett. Vermutlich wohlweislich, möchte man sich so Kritik und Diskussionen ersparen. Der letzte aktuelle Eintrag auf der Facebook-Seite zeigte bis dahin übrigens Bürgermeister Tietz beim Besuch einer Frechener Firma. Gefolgt vom Bericht seines Treffens mit dem Caritasvorstand und einem Abstecher zu den Ehrenamtlern der Tafel.
Nun ist Frechen nicht die einzige Kommune im Rhein-Erft-Kreis (und weit darüber hinaus), die desolate Finanzen aufweist. Und es steht zu befürchten, dass die Absage der Kulturwochen nicht die letzte schlechte Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger der 53.000-Einwohner-Stadt bleiben wird.
Daher ist Bürgermeister-Neuling Tietz gut beraten, die Stadtgesellschaft in dieser bedenklichen finanziellen Lage möglichst gut mitzunehmen, Schieflagen zu erklären und schonungslos Kassensturz zu machen: Was geht noch, was geht nicht mehr? Auch am aktuellen Beispiel der Kulturwochen: Wie hoch war der Etat für das Festival, und wie hoch wäre der zeitliche Aufwand für die Stadtverwaltung gewesen, um Vorbereitung und Ablauf zu organisieren? Dies auch, weil diese und andere vergleichbare Veranstaltungen ohne hohes ehrenamtliches Engagement sowieso undenkbar wären.

Erst seit einem halben Jahr im Amt, und schon muss Uwe Tietz unpopuläre Entscheidungen treffen.
Copyright: Alexa Jansen
Die alternativlose Absage der Kulturwochen mutet daher auch ungewollt absurd an, weil es doch die Frechener SPD gewesen ist, die 2025 erstmals einen Ehrenamtspreis vergeben hat, um das Engagement all derer zu würdigen, die viel Zeit, Herzblut und Mühe darauf verwenden, eine Stadtgesellschaft lebens- und liebenswert zu erhalten. Dieser Gedanke hat sich dann zuletzt sogar bis in die Spitzen der Kreispartei herumgesprochen, die nun ihrerseits einen Preis für Ehrenamtliche ausgelobt hat.
Wobei sich an der Stelle auch trefflich darüber streiten ließe, ob es ratsam ist, sich parteiintern Konkurrenz zu machen. Aber das ist ein anderes Thema.
Tietz ist nicht zu beneiden: Mit seiner Wahl im vorigen September hat er eine Verwaltung geerbt, in der über viele Jahre hinweg die Spitzenposten mit CDU-nahen Frauen und Männern besetzt wurden, es an vielen Stellen an Personal mangelt, und er zudem keine gesicherte Ratsmehrheit im Rücken hat. Versäumnisse früherer Jahre treten vor dem Hintergrund zunehmender Belastungen von außen schonungslos zutage.

