Im Vorfeld der Informationsveranstaltung der Stadt zum aktuellen Stand des Projekts plant die Bürgerinitiative einen Protestspaziergang.
Bis zu 1300 WohnungenDas ist die Kritik von Anwohnern des Neubaugebiets Grube Carl in Frechen

Meike und Boris Dörning (v.l.), Lothar Feige und Manfred Schlack üben Kritik an den Plänen zum Neubaugebiet Grube Carl. Ein Teil davon soll auf dem Feld hinter den Anwohnern entstehen.
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Die lange brachliegenden Pläne für die Entwicklung des Wohngebiets Grube Carl sind wieder in Bewegung gekommen und stoßen nun bei zahlreichen Anwohnern auf Kritik. Knapp 500 von ihnen haben sich zu der Bürgerinitiative (BI) Grube Carl zusammengeschlossen und legen Protest gegen das Projekt ein.
Frechen: Auf rund 17 Hektar sollen bis zu 1300 Wohneinheiten entstehen
Die Aufstellung des Bebauungsplans und die Anpassung des Flächennutzungsplans wurden wie berichtet mehrheitlich vom Bauausschuss beschlossen: Auf einer Gesamtfläche von rund 17 Hektar soll im Westen des Frechener Stadtgebiets, im Stadtteil Grube Carl, ein neues Quartier mit bis zu 1300 Wohnungen, einer Grundschule, einer Kita und seniorengerechtem Wohnen entstehen.
In Abstimmung mit den Eigentümern der Flächen, der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) Frechen, der Paeschke Bauträger mbH sowie der RWE ist bereits ein städtebauliches Vorkonzept durch das Büro Astoc entwickelt worden. Die Bürgerbeteiligung soll mit einer Informationsveranstaltung der Stadt im Rathaus am Donnerstag, 11. Juni, beginnen.
Das ist kein behutsam entwickeltes Quartier, sondern ein städtebaulicher Fremdkörper. Viel zu hoch, zu dicht und zu umfangreich
Bereits im Vorfeld fällt die Kritik der BI scharf aus: „Grube Carl ist kein gewöhnliches Bauprojekt. Es ist ein politisches Hochrisiko-Experiment mit weitreichenden und dauerhaft spürbaren Folgen für die Stadt Frechen“, wertet ihr Sprecher Boris Dörning. Bereits die geplante Bebauung der Stadt sei deutlich überzogen, mit Gebäuden von bis zu fünf Geschossen werde eine Verdichtung angestrebt, die in keiner Weise zum bestehenden Umfeld passe.

Zur geplanten Entwicklung des Wohngebiets „Grube Carl“ in dem gekennzeichneten Bereich plant die Stadt eine Informationsveranstaltung.
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„Inmitten einer gewachsenen Vorstadtsiedlung soll ein massiv verdichteter Wohnkomplex entstehen. Das ist kein behutsam entwickeltes Quartier, sondern ein städtebaulicher Fremdkörper. Viel zu hoch, zu dicht und zu umfangreich. Die Folge sind mehr Verkehr, weniger Lebensqualität und der Verlust des gewachsenen Charakters des Viertels“, klagt Dörning.
Anwohner fürchten auch Park- und Verkehrsprobleme
Auch aus ökologischer Sicht sei das Vorhaben hochproblematisch, ist sich die BI sicher. „Seit Corona ist das hier ein Naherholungsgebiet, viele Frechener kommen mit ihren Hunden zu Spaziergängen hierher, im Winter rodeln sie hier mit ihren Kindern“, berichtet Meike Dörning, die in dem Stadtteil aufgewachsen ist. Eine großflächige Bebauung und Versiegelung werde diese Funktionen zwangsläufig beeinträchtigen, ein wertvoller Natur- und Naherholungsraum gehe dauerhaft verloren, befürchtet auch ihr Mann. Ein gewachsenes Stück Landschaft, Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie wichtige Freiflächen würden irreversibel zerstört.
Auch Anwohner Lothar Feige ist in Sorge: „Wir brauchen Wohnraum, das ist klar, aber doch nicht so. Früher durfte man hier nur 1,5 Geschosse mit Satteldach bauen, jetzt sollen fünf Geschosse kommen“, wundert er sich. Sein Mitstreiter Manfred Schlack sorgt sich besonders um die Verkehrssituation: „Schon jetzt gibt es hier ein Parkproblem, die Wohngebiete sind bereits mit Verkehr belastet.“
Die Kritik der BI führt auch noch weitere Punkte auf: Alternativen seien nicht ernsthaft geprüft worden, die Verwaltung stoße bereits jetzt bei anderen Projekten an ihre Grenzen und fiskalische Erwägungen würden eine zentrale Rolle spielen. So solle mit dem Neubaugebiet der Zuzug von einkommensstarken Haushalten aus dem Umfeld gezielt gefördert werden – statt einer Entlastung drohe damit eine weitere Verschärfung der sozialen Ungleichheit in Frechen.
Die Informationsveranstaltung der Stadt
Als „Planungsmarkt“ kündigt die Stadt ihre Informationsveranstaltung für Bürgerinnen und Bürger zur Entwicklung des Wohngebietes Grube Carl an. Er findet am Donnerstag, 11. Juni, 17 bis 19 Uhr, im Rathausfoyer statt. Es soll Informationen zu den Themen Städtebau und Wohnen, Verkehr und Mobilität, zum Verfahren sowie zu Grün, Klima und Umwelt geben. An den Ständen stehen Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Frechen, der beteiligten Fachbüros sowie der Entwicklungsträger für Gespräche und zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung. (aj)
Der Protestspaziergang der Bürgerinitiative
Ein sichtbares Zeichen gegen die aus ihrer Sicht „zu großmaßstäbliche Bebauung und für den Erhalt wichtiger Grünflächen“ will die Bürgerinitiative Grube Carl vor der Infoveranstaltung der Stadt mit einem Protestspaziergang setzen. Start ist um 16 Uhr an der Ecke Zum Bellerhammer/Rosmarstraße. Von dort aus geht es zum Rathaus. Im Anschluss soll gemeinsam die Infoveranstaltung besucht werden. (aj)
