Gerd Koslowski (58, CDU), Uwe Tietz (52, SPD) und Wolfgang Höfig (63, Perspektive für Frechen) treten zur Wahl für das oberste Amt an.
KommunalwahlIn Frechen treten drei Bürgermeisterkandidaten an, acht Parteien wollen in den Rat

Wer zieht als neuer Bürgermeister in das Frechener Rathaus ein? Darüber können die Bürgerinnen und Bürger am 14. September entscheiden.
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Ein männliches Trio tritt am 14. September in Frechen im Rennen um den Posten als Stadtoberhaupt an – und das, nachdem mit der amtierenden Bürgermeisterin Susanne Stupp (CDU) seit fast zehn Jahren eine Frau im Rathaus regiert. Die 56-Jährige ist die einzige weibliche Kandidatin, die sich bislang in der Stadtgeschichte an die Spitze setzen konnte, und das gleich zweimal: 2015 folgte sie mit 60,42 Prozent ihrem CDU-Amtsvorgänger Hans-Willi Meier, der 16 Jahre lang im Amt war. 2020 gewann sie mit 51,7 Prozent der Stimmen knapp die Stichwahl gegen Carsten Peters, SPD.
Nun stehen Gerd Koslowski (58, CDU), Uwe Tietz (52, SPD) und Wolfgang Höfig (63, Perspektive für Frechen) auf den Wahlzetteln für das Bürgermeisteramt. Susanne Stupp, die immer klar den Wunsch nach einer dritten Amtszeit geäußert hatte, wurde von ihrer Partei das Vertrauen entzogen. Für sie völlig überraschend wurde kurzfristig der Königsdorfer Koslowski favorisiert, sie zog ihre Kandidatur zurück.
Susanne Stupp zieht sich aus der aktiven Politik zurück
„Ich war fassungslos. Es hat mich maßlos verletzt, dass man nicht gesprochen hat, ich habe eine Woche vorher Andeutungen gehört“, resümierte Stupp in einem Gespräch mit dieser Redaktion. Mit einem Ergebnis von 94,1 Prozent wurde Koslowski dann wenige Tage später auf der Nominierungsversammlung der CDU als Kandidat gewählt. Stupp hat nun am 31. Oktober ihren letzten Arbeitstag als Bürgermeisterin und möchte sich dann aus der aktiven Politik zurückziehen.

Der 58-jährige Königsdorfer Gerd Koslowski tritt für die CDU als Kandidat für das Bürgermeisteramt an.
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Dem Wahltag vorangegangen sind in den vergangenen zwei Jahren recht turbulente Zeiten, in denen im Stadtrat oft kontrovers und mit wechselnden Mehrheiten diskutiert wurde. Einige Politiker wechselten die Parteizugehörigkeit und Splittergruppen entstanden. Themen wie die marode Situation der Schulbauten, die Schaffung einer rechtswidrigen Geschäftsführerstelle der Stadtentwicklungsgesellschaft, die Pannen bei der Sanierung des Terrassenfreibades sowie die geplante Inbetriebnahme einer Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Königsdorf sind nur einige der Punkte, bei denen der Ton im Ratssaal rauer wurde.
Frechen: Diffamierende und bedrohliche Videos im Internet
Dies setzt sich im jetzigen Wahlkampf weiter fort: In den sozialen Medien werden zum Teil mit bissigem Humor, aber auch mit Diffamierungen unterhalb der Gürtellinie Frechener Parteien und Ratskandidaten kompromittiert – von Politikerkollegen aber auch Teilnehmern, die sich – wie so oft – hinter der Anonymität verstecken.

Der 52-jährige Uwe Tietz tritt für die SPD Frechen als Bürgermeisterkandidat an.
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Parteiübergreifend hat besonders ein YouTube-Kanal für Besorgnis und auch Entsetzen gesorgt. Unter dem Namen G´Unit Kings-Village wurden mehrere Videos publiziert, die mit hetzerischen, beleidigenden und drohenden Liedtexten unterlegt waren. Fraktions- und Parteivorsitzende, der Verwaltungsvorstand, die Rats- und Bürgermeisterkandidaten wurden persönlich und zum Teil sexistisch angegriffen. Kurz nach Erscheinen verschwanden die Videos, der Urheber ist bislang noch unbekannt. Ebenso wie der Autor diverser KI-generierter Karikaturen, die in Whats App-Gruppen kursierten und sogar als Aufkleber im Aufzug des Rathauses auftauchten.
Frechen: Grüne, FDP und BSW stellen keine Bürgermeisterkandidaten
Die kleineren Fraktionen von Grünen, FDP und BSW stellen erneut keinen eigenen Kandidaten oder Kandidatinnen für das oberste Amt in Frechen auf. „Wir hatten leider niemanden, der bereit war zu kandidieren“, erklärt Uta Spork, Fraktionsvorsitzende der Grünen.
Eine Wahlempfehlung für das Bürgermeisteramt gibt Spork nicht: „Völlig losgelöst von den Kandidaten war die Zusammenarbeit insbesondere mit den jeweiligen Spitzen von CDU und SPD in den letzten Jahren oft sehr schwierig. Man weiß aktuell nicht, welcher der beiden Parteien man den Platzvorteil des Bürgermeisterpostens am ehesten wünschen soll. Aus unserer Sicht gibt es einfach – nur alleine mit Blick auf die Zusammenarbeit im Rat, unabhängig von der Qualifikation der Kandidaten – nicht die optimale Lösung.“
Keine Empfehlungen für den ersten Durchgang der Bürgermeisterwahl
Auch Angela Lindemann-Berk, Fraktionsvorsitzende der FDP, erläutert die Zurückhaltung ihrer Partei: „Einen Bürgermeister-Kandidaten zu stellen, ist für eine kleinere Partei natürlich immer auch eine Chance für mehr Sichtbarkeit. Aber auch wir ‚Kleinen‘ haben politische Verantwortung: Zum Bürgermeister kandidieren sollte nur, wer es wirklich will, kann und eine realistische Chance hat. Eine reine ‚PR-Kandidatur‘, die nur Stimmen abzieht, verzerrt am Ende den Wählerwillen. Darum haben wir uns bewusst dagegen entschieden.“
Sie hat – zumindest bis zu einer möglichen Stichwahl – ebenfalls keine Wahlempfehlung: „Im ersten Wahlgang treten drei Kandidaten an. Würden wir uns jetzt öffentlich für eine Person aussprechen, bliebe das Ergebnis hängen, unsere Gründe aber gingen unter. “

Wolfgang Höfig ist der Bürgermeisterkandidat der Fraktion Perspektive für Frechen.
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Der Fraktionsvorsitzende des BSW, Peter Singer, erklärt: „Zum einen sollte man keinen Kandidaten aufstellen, der von vornerein keine Chancen hat. Insofern sehen wir diese Frage sehr realistisch. Zum anderen ist der Aufwand für eine kleine Partei, wie wir es (noch) sind, enorm.“ Der Ausgang der Wahl am 14. September sei völlig offen. Seine Partei gehe davon aus, dass es zu einer Stichwahl komme: „Dazu werden wir dann unsere Meinung äußern.“
Eine Stichwahl am 28. September würde notwendig, wenn keiner der drei Bewerber mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält. Die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen treten dann direkt gegeneinander an. Der Tendenz nach scheint diese in Frechen wieder wahrscheinlich. Die Wahlprogramme der drei Kandidaten überschneiden sich in vielen Punkten, das Ergebnis wird sich an persönlichen Sympathien und Parteitreue orientieren.
Acht Parteien kandidieren für den Stadtrat in Frechen
Auf den Wahlzetteln für den Stadtrat stehen jetzt acht Parteien – CDU, SPD, Grüne, Perspektive für Frechen, FDP, BSW, Linke und AfD. Neben den Reservelisten treten alle Parteien auch in sämtlichen 23 Wahlkreisen mit Direktkandidatinnen und -kandidaten an.
Bei der Ratswahl erreichte 2020 die CDU 35,45 Prozent, die SPD 23,89 Prozent, die Grünen kamen auf 17,98 Prozent, die Perspektive für Frechen auf 7,18 Prozent und die FDP auf 6,12 Prozent. Die AfD erhielt 3,98 Prozent, Die Linke 3,49 Prozent sowie die Piraten 1,92 Prozent. Weil es zu Überhangs- und Ausgleichmandaten kam, wurde der Stadtrat von 46 auf 52 Sitze aufgestockt. Die Wahlbeteiligung lag nur bei 52,97 Prozent.