Nach acht Monaten im Amt zieht die Technische Beigeordnete in Frechen, Magdalena Pötschke, eine erste Bilanz.
InterviewSo blickt Frechens Technische Beigeordnete auf Großprojekte und die Zukunft der Stadt

Magdalena Pötschke ist sei September 2025 Technische Beigeordnete in Frechen.
Copyright: Alexa Jansen
Die parteilose Magdalena Pötschke (42) ist seit 1. September 2025 Technische Beigeordnete der Stadt Frechen, ihre Berufung erfolgte auf acht Jahre. Mit Alexa Jansen sprach sie über ihre erste Zeit im Rathaus, ihr Team, Großprojekte und die Situation der Schulen.
Wie sind die ersten acht Monate Ihrer Amtszeit in Frechen verlaufen? Wie erwartet oder gab es Überraschungen?
Magdalena Pötschke: Die ersten acht Monate hier waren total spannend. Es gab ganz viele Themen, die darauf warteten, weiter angeschoben zu werden. Der Empfang hier im Rathaus war unglaublich herzlich, ich bin auf ein sehr motiviertes, tolles Team gestoßen. Es hat eigentlich ab der ersten Sekunde richtig Spaß gemacht. Zu meinen ersten Aufgaben zählte, zu gucken, wo aktuell die Schwerpunkte liegen, was man machen kann und wo jetzt Entscheidungen herbeigeführt werden müssen, damit es weiter gehen kann. Der Start war sehr schnell und intensiv. Ich bin hier sofort angekommen.
Welche Projekte sehen Sie in Frechen als besonders dringend an?
Ich glaube, der Gebäudebestand stellt zur Zeit die größte Herausforderung dar. Wirklich zu wissen, welche Gebäude in welchem Zustand sind, und welche Handlungsoptionen daraus entstehen, gilt es zu erarbeiten. Was man schon sagen kann, ist, dass mit Abstand die Schulen das Alltagsgeschäft der Gebäudewirtschaft massiv prägen. Das ist schon extrem. Deshalb freue ich mich auch sehr über das neue Rotationsgebäude, weil wir einfach einen Ausweichstandort brauchen. Sanieren und Bauen um die Schüler herum, ist für alle Beteiligten sehr belastend. Daneben gibt es noch weitere Projekte, die dringend angegangen, beziehungsweise weiter verfolgt werden müssen. Dazu gehören die Sanierung von Regenrückhaltebecken, Pumpwerke und auch die ganze unterirdische, nicht sichtbare Infrastruktur.
In der Vergangenheit wurde in ihrer Abteilung öfters der Personalmangel als Grund für Verzögerungen angegeben, wie stellt sich die Situation Ihrer Meinung nach aktuell dar?
Wir haben einen Riesenfortschritt gemacht bei den Einstellungen: Seit dem 1. Mai haben wir zum ersten Mal seit meinem Amtsantritt die Führungsebene voll besetzt - sowohl alle Fachdienstleitungen als auch Abteilungsleitungen. Ich bin wirklich stolz darauf, wen wir für uns in Frechen gewinnen konnten. Aktuell fehlen besonders im Grünbereich Mitarbeitende, Landschaftsplaner, und auch im Bereich der Technischen Gebäudeausrüstung ist es besonders schwierig offene Stellen mit geeigneten Fachkräften zu besetzen. Entsprechend liegt mir viel daran, die Leute zu halten und zu motivieren.
Wie wirkt sich die desolate Haushaltslage der Stadt und das drohende Haushaltssicherungskonzept (HSK) auf Ihre Abteilungen aus?
Kaum, da es sich zum Beispiel bei den Aufgaben der Gebäudewirtschaft und des Straßen- und Tiefbaus um Pflichtaufgaben handelt. Wir reden hier ja nicht über aufschiebbare Schönheitsreparaturen. Man überprüft natürlich alles. Auch hier sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz vorne mit dabei und schauen, was können wir schieben oder es noch anders bewerkstelligen.
Es gibt aktuell sehr viele große Themen, wie zum Beispiel die Projekte Grube Carl und Rhenania West, die Gesamtschule, den Rathausneubau - wie organisieren Sie dies alles?
Es sind definitiv schon sehr viele, sehr komplexe Projekte. Ich glaube, das ist mit ein Grund, warum ich den Job gerne mache. Dabei hilft es mir, dass ich ein strukturierter und organisierter Mensch bin. Zudem habe ich hervorragende Fachdienstleister, die ihren Job wirklich gut können und machen. Es ist ein Miteinander bei wesentlichen Entscheidungen und Weichenstellungen. Gerade am Anfang begleite ich große Projekte intensiver und bin zunächst bei vielen Terminen und Abstimmungen dabei. Wenn ich sehe, dass das Projekt gut angelaufen ist und die Zielrichtung angenommen hat, die ich mir vorstelle, dann ziehe ich mich aus dem Alltagsgeschäft wieder raus und widme mich dem nächsten Projekt.
Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit von Verwaltung und Politik/Rat?
Ich würde sagen, auch wir mussten uns erst einmal kennenlernen. Die ersten Wochen waren durch Wahlkampf und verschiedene Themen politisch auch für mich nicht leicht. Ich habe aber das Gefühl, dass wir jetzt schon gut miteinander zurechtkommen. Ich gehe gerne offen mit Themen um und sehe auch eine kontinuierliche Information und Mitwirkung der Politik als wesentlichen Faktor für die gemeinsame Bewältigung von den schwierigen Aufgaben, die vor uns liegen. Für den Bürgermeister ist Transparenz ein ganz wesentliches und wichtiges Thema. Offene Kommunikation entspricht auch meiner Herangehensweise – auch, wenn mal etwas schief geht. Insgesamt sehe ich die Zusammenarbeit von Verwaltung und Politik auf einem guten Weg, aber wir müssen noch weiter zusammenwachsen. Die Voraussetzungen dafür sind meines Erachtens vielversprechend.
Wie steht es um die Sanierung beziehungsweise um den Neubau des Rathauses?
Das ist ein Projekt, für das ich wirklich gerne mehr Zeit hätte. Wir sind immer noch in Phase Null. Es ist mit eins der komplexesten Projekte, die eine Stadt zu bieten hat. Dabei muss grundsätzlich die Frage beantwortet werden, wie möchten wir als Stadt Frechen in Zukunft arbeiten? Was braucht man wirklich, auch um als Arbeitgeber attraktiv für die Mitarbeitenden zu sein. Ein Interimsstandort wurde ja bereits vor meiner Zeit gekauft. Aber auch für die Planung der sinnvollen Belegung eines Interimsstandortes und die Suche nach eventuell zusätzlichen Räumen brauchen wir noch Personal, die Hauptprojektbetreuung ist noch unbesetzt.
Was passiert mit dem für die Verwaltung umgebauten, ehemaligen H&M-Gebäude?
Das Gebäude kann nach Fertigstellung durch den Nocheigentümer übernommen werden. Ein genauer Übergabetermin ist in Abstimmung. Dann müssen noch die IT und Möbel eingerichtet werden. Es werden hauptsächlich Abteilungen einziehen, die bislang beengt im Alten Rathaus sitzen und natürlich die Stadtbücherei. Im Alten Rathaus werden dann Fraktionen Räumlichkeiten erhalten, denen wir bisher im näheren Umfeld des Rathauses noch keine anbieten konnten.
Gibt es ein Lieblingsprojekt von Ihnen?
Ich habe eigentlich kein wirkliches Lieblingsprojekt. Was mir viel Freude macht und wo ich eine wichtige Aufgabe für mich sehe, hat gar nichts mit Bauen zu tun: Man könnte sagen, mein Lieblingsprojekt ist es zu prüfen, wo können wir Prozesse besser strukturieren, wo die Kommunikation und unsere Zusammenarbeit verbessern - wir sitzen alle zusammen in einem Boot und ich habe ein Führungsteam, das prädestiniert dafür ist, an einem Strang zu ziehen.
Zur Person
Magdalena Pötschke ist 42 Jahre alt, Mutter einer Tochter und lebt in Essen. Sie ist Diplomingenieurin für Raumplanung und verfügt über einen Master of Arts für den Studiengang „Management — Ausrichtung kommunales Management“.
Zuletzt arbeitete sie als Leiterin des Amtes für Stadtplanung, Vermessung und Bauordnung bei der Stadt Ratingen. Bevor sie im Juli 2023 die Ratinger Stelle antrat, leitete sie fünf Jahre lang den Fachbereich Stadtplanung und Bauordnung in Bocholt.