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FachkräftemangelSo hilft eine Personalberaterin aus Frechen Unternehmen, Mitarbeiter zu finden

4 min
Auf dem Bild ist eine blonde Frau mit Brille zu sehen: Die Personalberaterin Andrea Erdmann.

Andrea Erdmann vermittelt kein Personal, sondern macht kleine und mittlere Unternehmen fit, damit sie passendes Personal finden.

Andrea Erdmann entwickelt Strategien, mit denen Firmen nicht nur neue Mitarbeiter gewinnnen, sondern auch bewährte Kollegen halten können.

Ein Arzt, der die Praxiszeiten kürzen muss, weil eine Medizinische Fachangestellte fehlt. Ein Elektrofachbetrieb, der expandieren würde, wenn er denn endlich seine offenen Stellen besetzen könnte – Personalberaterin Andrea Erdmann aus Frechen kennt die Probleme von Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen, Mitarbeitende zu finden. Sie sagt: „Der Stellenmarkt ist heute so komplex, dass viele Firmen gar nicht wissen, wo sie am besten aktiv werden sollen.“ Und: „Viele Unternehmen formulieren nicht genau genug, wer sie sind.“ Beate Schwarz sprach mit der Königsdorferin über Strategien für die Personalsuche.

Frau Erdmann, warum suchen so viele Firmen lange und oft ohne Erfolg nach Mitarbeitenden?

Andrea Erdmann: Der Markt ist angespannt, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können wählerisch sein. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer klagen, dass sie gar keine Bewerbungen erhalten. Oder sie sind mit den Qualifikationen von Bewerberinnen und Bewerbern unzufrieden.

Wie löst man das?

Viele inhabergeführte Firmen wissen nicht, wie Recruiting heute überhaupt funktioniert. Was ihnen fehlt, ist selten Budget oder Technik. Es fehlt Klarheit über die eigene Arbeitgeberkultur – und eine verständliche Übersetzung in Kommunikation, Inhalte und digitale Kanäle. Unternehmen sind erfolgreicher, wenn sie schärfer formulieren, wie sie arbeiten, was sie ausmacht. Und sie müssen an den richtigen Stellen sichtbar werden. Mit einer technisch gut aufgebauten Karriereseite können Unternehmen heute dauerhaft am digitalen Arbeitsmarkt sichtbar sein.

Was meinen Sie mit „schärfer formulieren, was ein Unternehmen ausmacht“?

Zum einen wissen kleine Unternehmen oft gar nicht, was sie alles zu bieten haben. Zum anderen sind gerade inhabergeführte Organisationen wie medizinische Praxen, Handwerksbetriebe, Steuer- oder Architekturbüros von der Persönlichkeit der Inhaberin oder des Inhabers geprägt. Was die Firma im Kern zusammenhält, was für die Zusammenarbeit wichtig ist oder wo es Schwachstellen gibt, wird oft nicht klar ausgesprochen. Ich biete Workshops, in denen das alles herausgearbeitet wird. Dafür müssen sich allerdings die Beteiligten öffnen und auch bereit sein zu sagen, was man nicht bieten kann. Ohne ehrliche Selbstreflexion findet man kein passendes Personal.

Sie nennen sich „die Werte-Recruiterin“. Warum sind Werte wichtig?

Wer an einen Arbeitsplatzwechsel denkt, dem geht es selten nur um Geld oder mehr Urlaubstage. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen etwas Sinnhaftes tun. Das gilt natürlich auch für die Menschen, die bereits in einem Unternehmen arbeiten. Ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander und offen kommunizierte Werte tragen nicht nur dazu bei, Mitarbeitende zu finden. Sondern auch, gute Arbeitskräfte zu halten und zu entwickeln. Das ist ja oft einfacher und besser als neue Kräfte zu suchen.

Sehen Firmeninhaberinnen und -inhaber das Potenzial ihrer Mitarbeitenden?

Nicht immer. Vor allem kommunizieren sie häufig nicht konkret, warum und für welche Position sie Verstärkung wollen. Wenn dann jemand von außen geholt wird, fühlen sich einige Mitarbeitende vor den Kopf gestoßen. Gar nicht so selten gäbe es Menschen, die sich für das Unternehmen weiterbilden würden. Allerdings müssen die auch begleitet werden. Dafür müssten Firmen Mentoren benennen und Prozesse definieren.

Ist es wichtig, Jobprofile festzulegen?

Ich halte das für unabdingbar, damit es auf beiden Seiten keine Enttäuschung gibt. Man muss für jede Position ein Profil entwickeln.

Wieviel Zeit muss ein Unternehmen für das Aufsetzen eines Arbeitgeberprofils und passender Recruitingstrukturen investieren?

Unternehmerinnen und Unternehmer haben wenig Zeit. Meine Workshops mit der Geschäftsführung oder Leitungsebene dauern etwa einen halben Tag. Meistens gibt es einen weiteren Workshop von wenigen Stunden, am besten mit Mitarbeitenden, um die Jobprofile zu schärfen. Ich bereite alles vor und nach, entwickle Konzepte, organisiere das Fotoshooting, schreibe die Texte, baue Karriereseiten und Stellenanzeigen.

Geht Recruiting nur noch online? Sind Jobmessen oder Aufkleber out?

Auf keinen Fall! Karrierewerbung auf dem Auto, im Mitarbeiterkreis, im Verein oder unter Freunden kostet fast nichts und ist immer gut. Für Job- oder Ausbildungsmessen muss man dagegen Personal stellen, Zeit und Geld investieren. Falls man zuversichtlich ist, dort die Menschen anzutreffen, die das Unternehmen sucht, kann man sich eventuell mit anderen Firmen zusammentun und die Arbeit teilen. Tatsächlich findet Recruiting aber überwiegend online statt.

Onlineplattformen gibt es viele …

Ja, die Mehrzahl der kleinen und mittelständischen Unternehmen ist mit dem Thema überfordert. Denn man muss nicht nur je nach Branche oder Job die passende Plattform wählen, sondern sich auch professionell präsentieren.

Workshops, Onlineauftritte – ist das nicht teuer?

Zeit und Geld investieren muss man anfangs schon, wenn man passgenaue Mitarbeitende finden möchte. Das sind dann aber meistens Mitarbeiter, die auch lange bleiben. Eine hohe Fluktuation oder langfristig unbesetzte Stellen sind sicher teurer. Mein Ziel ist, die Unternehmen in die Lage zu versetzen, mittelfristig die Personalsuche mit überschaubarem Aufwand selbst zu managen. Bei den rund 100 Unternehmen, die ich bisher beraten habe, hat das gut geklappt.


Zur Person:

Von Arztpraxen mit fünf Mitarbeitenden bis zu technischen Betrieben mit über 60 Angestellten: Andrea Erdmann berät seit über 25 Jahren kleine und mittelständische inhabergeführte Unternehmen unterschiedlichster Branchen, die keine eigene Personalabteilung haben, wie sie Personal finden. Sie hat Betriebswirtschaftslehre studiert, ist zertifizierte Profile Dynamics Beraterin (Analyse von Werten im Arbeitskontext) und zertifizierte Fachtrainerin des Berufsverbands für Training, Beratung und Coaching. Erdmann lebt in Frechen; ihr Büro ist in Köln. (bsz)