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Gold-Kraemer-StiftungSo werden in Frechen auch Menschen mit Einschränkungen digital aktiv

3 min
Auf dem Bild sind eine Frau und ein Mann zu sehen, die an einem digitalen Spieltisch sitzen.

Eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“ am „Care Table“ mit Gruppenbetreuer Christoph Malter macht Jutta Griebenow viel Freude.

In allen Wohnangeboten der Stiftung stehen nun die „Care Tables“ bereit – große, leicht bedienbare Touchscreen-Geräte.

Zugegeben, ein „Tischlein deck dich“ ist er nicht. Der „Care Table“ kann keine leckeren Speisen herbeizaubern. Aber sonst kann er fast alles: Die „Care Tables“, große, leicht bedienbare Touchscreen-Geräte, eröffnen neue Wege in die digitale Welt – für Menschen, die bisher kaum Zugang zu Technik und Kommunikation hatten.

Jutta Griebenow ist ganz begeistert. „Ich trainiere mit dem „Care Table“ Rechnen“, sagt sie. Davon kann sie nicht genug bekommen. Die junge Frau mit Einschränkungen geht gern einkaufen, aber mit zehn Euro kommt sie oft nicht weit. Gruppenbetreuer Christoph Malter übt mit ihr Bezahlen, Jutta Griebenow hat dabei riesigen Spaß.

Seitdem der „Care Table“ im Wohnzimmer des Paul-Kraemer-Hauses in Buschbell steht, gehört er zur Tagesstruktur der 24 Bewohner dazu. „Am Anfang waren alle interessiert, vor allem die Jüngeren. Doch inzwischen bietet er auch unseren älteren Bewohnern einen spannenden Einstieg in die digitale Welt“, erklärt Christoph Malter.

Frechen: Kochrezepte, Spiele, Videotelefonate und Sportübungen

Für sie alle wurde im vergangenen Jahr das Projekt „Digitale Teilhabe für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf“ gestartet: Mit Förderung der Sozialstiftung NRW stehen seitdem in allen Wohnangeboten der Gold-Kraemer-Stiftung die „Care Tables“ bereit – große, leicht bedienbare Touchscreen-Geräte, die speziell für Menschen entwickelt wurden, die herkömmliche Endgeräte nicht nutzen können. Sie haben ein großes Display, sind robust und im Nu von der vertikalen in die horizontale Ebene für Rollstuhlfahrer wandelbar. 

Das ist ganz viel gemeinsames Erleben und wertvolle Beschäftigung, komprimiert in einem Gerät
Christoph Malter, Gruppenbetreuer im Paul-Kraemer-Haus

Es gibt auf ihnen leichte Kochrezepte von Kartoffelpüree bis Pilzsuppe, dazu Fragen, die zum Gespräch anregen. „Durften Sie früher beim Kochen helfen?“ ist eine davon.  Jutta Griebenow liebt die Karaoke-Funktion und singt gleich „An der Nordseeküste“ lautstark mit. Per Klick gibt es Spiele wie Puzzles und Memory, sportliche Übungen wie Gymnastik oder Sitztanz, man kann Tiergeräusche raten und es werden Märchen wie Rapunzel oder Hänsel und Gretel vorgelesen. Wer will, kann auf dem „Care Table“ auch Klavierspielen oder Xylophon üben, oder Videotelefonate mit der Familie und Freunden führen.

Wenn etwas besonders gut gelingt, werden die Bewohner mit einem digitalen Feuerwerk belohnt. „Das ist ganz viel gemeinsames Erleben und wertvolle Beschäftigung, komprimiert in einem Gerät“, fasst es Christoph Malter zusammen. „Das unterstützt die kognitiven Fähigkeiten und kann auch bei Demenz helfen. Unser Ziel ist digitale Teilhabe und neue Chancen für Selbstbestimmung und Gemeinschaft.“

Digitale Teilhabe ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht
Motto des Projekts „Care Table“

Mitarbeiter der Paul-Kraemer-Häuser wie Christoph Malter wurden im PIKSL-Labor in Köln geschult. Schon nach den ersten Monaten zeige sich nun, wie das Projekt wirkt: In manchen Wohngruppen sitzen mehrere Bewohnerinnen und Bewohner gemeinsam am „Care Table“, probieren Funktionen aus und helfen sich gegenseitig. Aus einer technischen Neuerung wird so ein soziales Erlebnis, das Verbindungen schafft und Gespräche anregt.

Die Ziele des Projekts unter dem Motto „Digitale Teilhabe ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht“ gingen über den Moment hinaus, teilt die Stiftung mit. Digitale Teilhabe solle dauerhaft Teil des Lebensalltags werden. Wer heute den „Care Table“ nutze, erwerbe digitale Kompetenzen, die auch in anderen Bereichen wichtig sind – von der Orientierung im öffentlichen Raum bis hin zum Zugang zu Verwaltungsleistungen.  Für viele Bewohnerinnen und Bewohner sei der „Care Table“ damit ein Türöffner – in die digitale Welt, in neue Begegnungen und in eine Zukunft mit mehr Selbstbestimmung und Lebensqualität.

„Eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“?“, fragt Jutta Griebenow und klickt auf die richtigen Buttons. Christoph Malter nickt. Digitale Teilhabe ist hier dank „Care Table“ bereits Teil des Alltags geworden.