Frechen – Zuerst führte der Laden Luftikuss, der Kinder- und Babymode sowie Spielzeug anbot, nur etwas Wolle nebenbei. „Wir hatten an einer Wand fünf Regale mit Wolle stehen“, erinnert sich Ladenchefin Claudia Krull. Doch die Nachfrage stieg, und so musste sie ihren Raum für Wolle erweitern. Dafür flogen Kinderspielzeug und Babymode aus dem Sortiment. Geblieben sind nur Spiegelburg-Geschenkartikel – der Rest des Geschäfts besteht aus Wolle. „Damit haben wir jetzt im Rhein-Erft-Kreis das größte Sortiment. Ein vergleichbares Angebot gibt es erst wieder an der Breite Straße in Köln.“
Immer mehr Männer stricken
„Früher war das eine bestimmtes Klientel von Ökos und Großmüttern, aber heute stricken auch junge Akademiker-Mütter, Ärztinnen oder Juristinnen – oft auch zur Entspannung“, so Krull. Sie fügt hinzu: „Die kommen hier mit einer Louis-Vuitton-Tasche rein, wollen aber für eine Designer-Mütze keine 300 Euro zahlen, sondern stricken sie sich mit reiner Kaschmir-Wolle lieber selbst“, so Krull. Das mache nicht nur Spaß, sondern sei auch preiswerter: Für ihre selbst gestrickte Mütze zahlten sie bei derselben Qualität statt der 300 Euro am Ende gerade mal um die 30 Euro. „Früher gingen die Frauen Kegeln, heute treffen sie sich zum Stricken“, sagt Krull und lacht.
Inzwischen nähmen auch immer mehr Männer die Stricknadeln in die Hand – wenn auch immer noch seltener als Frauen. Das Verhältnis von Strickern und Strickerinnen liege bei 20 zu 80. Das Ende des Strick-Booms sei noch nicht erreicht: „Wir befinden uns erst am Anfang des Trends, der in den 80er-Jahren losging, die Nachfrage steigt eher noch.“
Die Frechenerin hat schon als 14-Jährige in einem Wollgeschäft hinter dem Rathaus gearbeitet. Auch ihre Mitarbeiterin Gabriele Junggeburt, die gerade die neuen Regale einräumt, strickt seit ihrem sechsten Lebensjahr – „in jeder freien Minute“, wie sie sagt. Damit könnten die Kunden auch Know-how erwarten: „Wir begleiten sie von Null an bis zur Wolldesignmode“, so Krull.
