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MedizinDialyse in den eigenen vier Wänden

4 min

Wenn Kirsten Röllgen zu Hause dialysiert, macht sie es sich so gemütlich wie möglich.

Frechen-Königsdorf – Kirsten und Thomas Röllgen sind ein lebensfrohes Pärchen. Sie lachen viel und gerne, sind zuvorkommend und gastfreundlich. Besucht man sie in ihrem Häuschen in Königsdorf, fühlt man sich gleich wohl und willkommen. Dabei hat es das Leben mit Kirsten Röllgen nicht immer gut gemeint. Vor rund zwanzig Jahren wurden bei der heute 40-jährigen Bibliothekarin Schrumpfnieren diagnostiziert. Seitdem ist sie auf eine Dialysebehandlung angewiesen. Ihre beiden Nieren hatten sich mit der Zeit auf wenige Zentimeter verkleinert und wurden funktionsunfähig. Eine transplantierte Spenderniere brachte keine wirkliche Besserung, sie begann ebenfalls zu schrumpfen. Somit blieb als einzige Möglichkeit die Dialyse.Für die Patienten bedeutet das in der Regel: Sie müssen zu festgelegten Zeiten dreimal in der Woche für fünf Stunden zur Behandlung in einem Dialysezentrum erscheinen. Insbesondere für junge Menschen wie Kirsten Röllgen ist es sehr belastend, 15 Stunden in der Woche in einer fremden Umgebung mit oftmals alten und kranken Menschen verbringen zu müssen. Diese missliche Situation hat sich für die 40-Jährige vor zwei Jahren jedoch schlagartig verbessert. Seitdem führt sie in ihren eigenen Wänden Heimdialyse durch.

„Die Patienten werden von uns in der Durchführung der Dialyse intensiv geschult, außerdem wird das gesamte technische Equipment einschließlich Wasseraufbereitungsanlage und Dialysemaschine zur Verfügung gestellt“, erklärt der Leitende Arzt der Nierenklinik Rhein-Erft, Stephan Breuer. Der Mediziner und das Ehepaar Röllgen hatten die Presse eingeladen, um der Öffentlichkeit die Vorzüge der Heimdialyse näherzubringen.

Der Raum, in dem die Bibliothekarin die Behandlung zu Hause durchführt, ist eine Mischung aus Kranken- und Wohnzimmer. Zentral angeordnet sind unter anderem eine komfortable Liege und die Dialysemaschine, die allerdings von zahlreichen Bücherregalen umrahmt werden. An der Wand hängt zudem ein Flachbildfernseher, in der Ecke steht ein Schreibtisch.

Kontakt per Telefon

„Ich habe es mir hier schon recht gemütlich gemacht“, sagt die 40-Jährige lachend und erntet dafür ein anerkennendes Nicken von ihrem Arzt. „Wir möchten, dass die Leute nicht ihr Leben an die Dialyse anpassen, sondern umgekehrt“, lobt Breuer seine Patientin. Im Fall von Kirsten Röllgen scheint dieser Plan perfekt aufzugehen. Mit traumwandlerischer Sicherheit legt sie sich die beiden langen Dialysenadeln in den sogenannten Shunt am rechten Arm. Aus einem dieser Schläuche läuft das Blut nun aus ihrem Körper in die Maschine, wird dort gesäubert und findet durch einen weiteren Schlauch den Weg zurück in die Blutlaufbahn der Patientin. Innerhalb von viereinhalb Stunden werden so 60 Liter Blut der Patientin gesäubert, das Zehnfache ihres Blutvolumens. „Bei gesunden Nieren werden über den Tag verteilt 1000 Liter Blut gefiltert“, zieht Stephan Breuer einen Vergleich.

Die Bedienung der kompliziert anmutenden Maschine geht Kirsten Röllgen ebenfalls ganz leicht von der Hand. Die Zeit der Dialyse vertreibt sie sich damit, zu lesen und fernzusehen. „Außerdem hat mein Mann mir ein Tablet geschenkt, auf dem ich beispielsweise meine E-Mails abrufen kann“, so Röllgen. „Und natürlich setze ich mich häufig dazu und wir plaudern“, fügt ihr Gatte Thomas an. Zu Beginn hätten sie große Vorurteile gegenüber der Heimdialyse gehabt, schränken die Röllgens ein. „Wir wollten die Krankheit nicht nach Hause holen. Außerdem hatten wir Angst, damit allein zu sein“, so Thomas Röllgen. Doch all diese Befürchtungen hätten sich inzwischen in Luft aufgelöst. Die Maschine ist über eine Datenleitung mit der Nierenklinik verbunden, außerdem besteht regelmäßiger Kontakt zu den medizinischen Verantwortlichen. „Ich habe immer das Telefon hier liegen, es ist immer jemand zu erreichen“, sagt die 40-Jährige.

Ein großer Vorteil der Heimdialyse ist, dass die Patienten flexibel sind. In welcher Frequenz dialysiert wird, steht den Patienten frei, solange 15 Stunden in der Woche nicht unterschritten werden. „Wir können also auch mal spontan etwas unternehmen, dann hole ich die Behandlung halt nach“, berichtet Kirsten Röllgen. So kann sie auch ihre Arbeitszeit als Bibliothekarin flexibler gestalten, sagt sie. Die Heimdialyse jedenfalls empfindet sie als große Erleichterung. „Auf diese Weise kann ich im Grunde ein ganz normales Leben führen.“