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Vier InnungenDas Handwerk im Rhein-Erft-Kreis sprach seine Gesellen los

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Das Foto zeigt frische Gesellen auf der Bühne.

Die Absolventen und künftigen Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik bei der Lossprechung in Frechen.

Erstmalig kamen zur Lossprechungsfeier vier Innungen der Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft zusammen.

Von Merle von Mach

Selbstbewusst, mit stolz vorgestreckter Brust, mit verlegenem Lächeln, johlend oder gar freudig brüllend: 118 Gesellen konnten am Freitag ihre Gesellenbriefe auf der Bühne der Frechener Eventlocation La Vie entgegennehmen und ihre bestandene Prüfung feiern. Erstmalig kamen zur Lossprechungsfeier vier Innungen der Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft zusammen, darunter der Nachwuchs von Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Metallbau, KFZ-Mechatronik und elektrotechnischem Handwerk.

Rhein-Erft: Gleich zwei Gründe zu feiern

Doppelt freuen konnte sich Elektronikergeselle Torben Odendall aus dem Kerpener Betrieb Jürgen Lackner, er feierte nicht nur seinen 27. Geburtstag, sondern gleichzeitig auch sein Prüfungsergebnis als einer der sechs Innungsbesten: „Dass ich unter den Besten bin, hätte ich nicht gedacht“, und auch sein Ausbilder, der mit Odendalls Familie am Tisch saß, freute sich.

Das Foto zeigt einen jungen Mann, der eine Zeugnis-Urkunde hält.

Innungsbester und fertig ausgebildeter Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik: Torben Odendall.

Um seinen Meister machen zu können, muss sich Odendall wohl noch bis 2029 gedulden. Er steht auf einer Warteliste, bis dahin möchte er als Geselle weiter Berufserfahrung sammeln. Etwas früher auf ihre Weiterbildung zum Meister der Anlagentechnikerin für Sanitär und Heizung konnte sich eine junge Frau aus Pulheim freuen: Maren Giesen wird künftig im Familienbetrieb Frank Giesen Heizung und Sanitär weiterarbeiten und kann mit etwas Glück ihren Meister bereits im kommenden Jahr machen.

Frechen: Frauen in männerdominierten Berufen

Während ihr Zwillingsbruder im Ausland arbeitet, hält sie als Tochter die Stellung und kann sich vorstellen, den Betrieb künftig zu übernehmen. Nachdem Giesen sich in einer vorangegangenen Ausbildung theoretische Grundlagen angeeignet hatte, reizte sie die Praxis: „Ich wollte einfach wissen, wie alles praktisch und nicht nur theoretisch funktioniert und selbst Hand anlegen.“ Außerdem ist ihr die Branche durch ihre Familie schon früh bekannt.

das Foto zeigt eine junge Frau, die ein Zeugnis in der Hand hält.

Maren Giesen, eine von drei Frauen und Anlagenmechanikerin Sanitär-Heizung-Klima bei der Lossprechung.

Als Frau in einem männerdominierten Berufszweig fühlt sie sich nicht unwohl: „In unserem Betrieb kannte ich alle schon, und es ist sehr vertraut. Nur in der Berufsschule war es am Anfang etwas ungewohnt.“ Maren Giesen ist unter den Prüflingen aller vier Innungen eine von insgesamt drei Frauen.

Zwar ist die einzig frauenlose Innung in diesem Jahr die Fachinnung Metall, doch ganz ohne weiblichen Einfluss ging es nicht. Fabian Mainzer (21) hat den Schubs zur Metallbauer-Ausbildung von seiner Mutter bekommen. Mit 19 Jahren fand er unter anderem über Praktika zu seinem Gewerk, es folgte die Ausbildung zum Gesellen. Sein nächstes Ziel: eine Weiterbildung zum Schweißfachmann.

Das Foto zeigt zwei junge Männer vor einer Lichterkette.

Die Metallbauer Fabian Mainzer (l.) und Sinan Kaya (r.).

Auch dem Jahrgangsbesten Sinan Kaya (25) wurde der Metallbau durch seine Mutter nahegebracht, die leidenschaftlich in diesem Bereich tätig war. Sinan Kaya hätte zu Beginn seiner Ausbildung nicht gedacht, einmal Innungsbester zu werden: „Am Anfang dachte ich nur, Hauptsache, ich schaffe irgendetwas. Aber mit jeder Prüfung habe ich an Selbstvertrauen gewonnen.“ Einen Meister direkt im Anschluss kann er sich fürs erste nicht vorstellen, zunächst will er als Geselle weiterarbeiten, um Erfahrung zu sammeln, bevor er sich in ein paar Jahren dem Meister widmet.

Das Foto zeigt einen jungen Mann mit einem Zeugnis in den Händen.

KFZ-Mechatroniker und Drittbester seiner Innung: Maximilian Booten.

Eine weitere, vierte Innung war ebenso auf der Lossprechungsfeier vertreten: Die Kraftfahrzeuginnung, die die jungen Gesellen der KFZ-Mechatronik in die Garagen und Werkstätten des Landes entsenden kann. Wohl einer der jüngsten Absolventen machte unter den 50 Prüflingen gleich den dritten Platz. Max Booten ist mit nur 19 Jahren schon fertiger Geselle. Mit 16 Jahren entschloss er sich nach dem Realschulabschluss kurzerhand zur Ausbildung als KFZ-Mechatroniker im Autohaus Rolf Horn GmbH in Erftstadt. Auch bei Booten war es die Familie, die ihm das Handwerk nahebrachte. Obwohl er alte Autos schätzt – er selbst fährt einen VW T4 – hat er sich während seiner Ausbildung „Elektroknowledge“ angeeignet.

Für seinen beruflichen Weg kann er sich vorstellen, in ein paar Jahren Fahrzeugtechnik zu studieren. Der kaputte Familienwagen, das neue Bad, ein stählernes Treppengeländer oder störungsfreie Elektroanlagen würden ohne das Handwerk Probleme oder unerfüllte Träume bleiben. Nach der Lossprechung der Kreishandwerkerschaft Rhein-Erft können die neuen Gesellen dafür sorgen, dass niemand aufgeschmissen ist, wenn mal etwas kaputt geht.