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Zehn Jahre Sozialwarenhaus in FrechenEhrenamt ohne öffentliche Gelder

Vor zehn Jahren eröffnete die Flüchtlingshilfe das Sozialwarenhaus im Gold-Kraemer-Haus – heute finanziert es soziale Projekte in Frechen.

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Ulrich Lussem (l.) hat das Sozialwarenhaus gegründet. Jürgen Weidemann ist Vorsitzender der Flüchtlingshilfe.

Am Anfang stand die Hilfsbereitschaft: Als 2015 in der Turnhalle des Frechener Gymnasiums Geflüchtete untergebracht wurden, sammelten zahlreiche engagierte Frauen Kleidung und andere Sachspenden, um die Menschen mit dem Nötigsten zu versorgen. Bald entstand daraus die Idee, das Engagement zu bündeln und Räume für ein Sozialwarenhaus anzumieten. Es wurde im Gold-Kramer-Haus an der Dr. Tusch-Straße 1-3 eröffnet und feiert nun sein zehnjähriges Bestehen.

Träger der Einrichtung ist die Flüchtlingshilfe Frechen, die sich ein Jahr zuvor gegründet hatte. Das Sozialwarenhaus sei heute eine feste Einrichtung und eine wichtige Grundlage für die soziale Arbeit des Vereins, so die Flüchtlingshilfe.

Helfer der ersten Stunde

Zu den Menschen der ersten Stunde gehörte Uli Lussem, Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Vereins. Den Aufbau des Sozialwarenhauses gestalteten insbesondere die inzwischen verstorbene Maria Sobetzko und Annelen Schumacher gemeinsam mit vielen weiteren engagierten Helferinnen, teilt die Flüchtlingshilfe mit. Einige von ihnen seien auch heute noch dabei.

Günstige Waren aus Spenden und Haushaltsauflösungen

Zum Angebot des Sozialwarenhauses gehören Bücher, Spielsachen, kleinere Elektrogeräte und Haushaltswaren, zum Beispiel Geschirr und Gläser. „Die Waren bekommen wir meist durch Haushaltsauflösungen und durch Spenden“, berichtet Jürgen Weidemann, der vor einiger Zeit den Vorsitz der Flüchtlingshilfe übernommen hat. Sie werden im Kaufhaus sehr preiswert verkauft, eine Tasse beispielsweise für 50 Cent.

Aus den Haushaltsauflösungen landen zuweilen auch wertvolle Stücke im Sozialwarenhaus, hochwertiges Porzellan zum Beispiel. Da gehen auch schon einmal Stücke für 30 oder 40 Euro über den Ladentisch. „Bei uns kann jeder einkaufen“, berichtet Jürgen Weidemann. Man habe von Anfang an bewusst auf Bedürftigkeitsnachweise verzichtet, um niemanden auszugrenzen. Dies führt dazu, dass sich auch regelmäßig Schnäppchenjäger im Sozialwarenhaus umsehen, die auf wertvollere Stücke erpicht sind.

Das Sozialwarenhaus in Frechen

Einnahmen für Betrieb und soziale Projekte

Das Geld kann die Flüchtlingshilfe auf jeden Fall gut gebrauchen. Sie finanziert aus den Einnahmen nicht nur den laufenden Betrieb, etwa die Miete für die Räume im Gold-Kraemer-Haus, sondern auch soziale Projekte, die sie gemeinsam mit der Stadt oder mit freien Trägern realisiert.

Die Flüchtlingshilfe kommt vollständig ohne öffentliche Gelder aus, betont Weidemann. Der Verein finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und das Sozialwarenhaus, das komplett ehrenamtlich betrieben wird.

Nachhaltigkeit und gewandelte Vereinsarbeit

Von Anfang an spielte im Sozialwarenhaus auch der Gedanke der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: Gut erhaltene Haushaltsgegenstände, Bücher und Spiele finden neue Besitzer, statt weggeworfen zu werden. Die Arbeit des Vereins hat sich im Laufe der Jahre verändert: Während anfangs vor allem die unmittelbare Unterstützung geflüchteter Familien im Mittelpunkt stand, fördert die Flüchtlingshilfe heute zahlreiche soziale und integrative Maßnahmen. Dazu gehören Freizeitangebote, Ferienaktionen und gemeinsame Aktivitäten für Kinder und Familien.

Gesellschaftliche Teilhabe und Heimatpreis

Dabei gehe es längst nicht mehr ausschließlich um geflüchtete Menschen, sondern um Begegnung, Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe für alle, so der Verein. Eine besondere Anerkennung für dieses langjährige Engagement sei die diesjährige Auszeichnung der Flüchtlingshilfe mit dem Frechener Heimatpreis gewesen. „Was hier in zehn Jahren entstanden ist, verdanken wir vor allem den vielen Helferinnen, die sich Woche für Woche ehrenamtlich engagieren. Ohne sie gäbe es das Sozialwarenhaus nicht. Und ohne das Sozialwarenhaus könnten wir viele unserer sozialen Projekte gar nicht finanzieren. Darauf können wir gemeinsam stolz sein“, sagt Jürgen Weidemann.