Hürth-Gleuel – Seine Vorbereitungen sind ein hartes Stück Arbeit: zweimal pro Woche geht Marcel Treppe zur Physiotherapie, zweimal pro Woche trainiert er selbstständig im Hürther Reha-Zentrum "Pro Medik" seine Muskulatur, er geht zur Logopädie, und seit einem Jahr paukt er Spanisch. Jetzt bald soll der 38-jährige Gleueler, bei dem im Jahr 2007 die fortschreitende neurologische Krankheit "Friedreich-Ataxie" diagnostiziert worden ist, für seine Mühen belohnt werden. Kommende Woche fliegt er für einen Monat nach Peru. Wie im vergangenen Jahr, nur dieses Mal ohne Betreuer.
Was für viele ein großes Abenteuer ist, ist für Marcel Treppe ein gewaltiges Wagnis. Dem schaut er mit leichtem Magenkribbeln, aber natürlich auch mit großer Vorfreude entgegen. Der 38-Jährige muss aufgrund der Beeinträchtigungen durch seine Krankheit, die sich vor allem beim Gehen und Sprechen äußern, mit zwei Stöcken gehen. Beim Sprechen versucht er, möglichst deutlich zu artikulieren, "ich klinge so verwaschen", sagt Marcel Treppe von sich.
Sein schwankender Gang und seine Aussprache bringen ihn immer wieder in eine unglückliche Lage. "Es haben schon häufiger Leute die Polizei gerufen, wenn sie mich in mein Auto haben einsteigen sehen", erzählt er. Sie alle hatten vermutet, ein völlig betrunkener Mann würde das Auto starten. "Dann ist es natürlich schwierig, den Polizisten zu erklären, was eigentlich mit mir los ist."
Auch sein Bemühen um einen ehrenamtlichen Job sind bisher an seiner Krankheit gescheitert. "Wenn ich in einer Senioreneinrichtung angerufen habe, wurde nach zwei Sätzen aufgelegt." Dass die Krankheit den jungen, optimistischen Mann geistig keineswegs einschränkt, wissen diese Leute nicht. Dabei wünscht sich Marcel Treppe dringlich eine ehrenamtliche Tätigkeit. Nachdem er vor einiger Zeit seinen Job verloren hat, ist er nun Rentner.
Als erstes macht er sich nun aber auf nach Peru - genauer gesagt nach Cusco, ins Reich der Inkas. Marcel Treppe freut sich auf die "Luftveränderung". Immerhin liegt der Ort, in dem er bei den Eltern seines Begleiters aus dem Vorjahr, Carlos Taboada, leben wird, rund 3400 Meter über dem Meeresspiegel. "Das Klima dort ist für mich wie Doping", sagt er und schmunzelt. "Letztes Jahr waren in Peru plötzlich ganz neue Kräfte in mir geweckt. Ich war so kräftig wie ungefähr zwei Jahre davor." Bei der Entwicklung, die die Friedreich-Ataxie mit sich bringt, kann nicht vorhergesagt werden, wie lange Marcel Treppe noch mit Hilfe seiner beiden Stöcke gehen kann. "Ich weiß, dass ich einmal im Rollstuhl sitzen werde. Und einen Rollator habe ich auch schon im Keller."
Aber vorzeitig aufgeben will er nicht. Für ihn steht jetzt vor allem seine Reise nach Peru an vorderster Stelle. Wenn er wiederkommt, hofft er auf einen Ehrenamtsjob. Und er kämpft weiter für die Aufklärung über die Friedreich-Ataxie, die viele Menschen nicht kennen. Dafür läuft er in luftigen Höhen durch Peru und will auf seine Krankheit aufmerksam machen.
