Hürth – Kim Susan Kolgraf blickt auf ihren Werdegang zurück und ist mehr als zufrieden. „Glücklich, das bin ich. Rundum glücklich“, sagt sie und lacht. Sie wirft den Kopf zurück und fährt sich mit den Fingern durch die Haare. Die junge, hübsche Frau aus Alt-Hürth strahlt über das ganze Gesicht, als sie am Tor der Friedrich-Ebert-Realschule auf ihr ehemaliges Schulgebäude schaut. Hier hat die 23-Jährige quasi ihre Karriere begonnen. Denn sie hat mittlerweile eine Bachelorarbeit in der Hand, die bundesweit in ihrem Fachgebiet Internationaler Tourismus als eine der besten ausgezeichnet worden ist.
Dabei hätte sie früher noch nicht einmal die Realschule besuchen dürfen – hätten Kim Susan und ihre Mutter Jutta Kolgraf sich mit der Empfehlung begnügt, die der jungen Schülerin damals von ihrer Lehrerin an der Clementinenschule ausgestellt worden war. Es war eine klare Empfehlung für die Hauptschule.
Gerade in Mathe war ich schlecht“, erinnert sich die 23-Jährige und schüttelt nachdenklich den Kopf. „Aufgrund bestimmter Lebensumstände war ich irgendwie blockiert.“ Doch ihre Mutter wollte sich nicht mit dem Urteil der Grundschule abfinden und fragte ihre verunsicherte Tochter, was sie sich denn zutraute.
Für Kim Susan war klar, wenn sie auf die Realschule wollte – und das wollte sie unbedingt, weil ihr Bruder die Einrichtung besuchte – dann müsste sie ordentlich ranklotzen. „Und letztlich wollte ich das auch.“
Mit Nachhilfestunden und Besuchen in einer pädagogisch therapeutischen Einrichtung in Hürth boxte sich das Mädchen durch den Lernstoff. Kim Susan hatte beschlossen, ihre Lernprobleme in Angriff zu nehmen. Sowohl ihre Mutter als auch ihr Bruder Daniel standen ständig hinter ihr, machten ihr Mut, spornten sie an. Kim Susan Kolgraf: „In der siebten Klasse platzte plötzlich der Knoten, anders kann ich es nicht beschreiben.“ Auf den Zeugnissen der Schülerin fanden sich plötzlich nur noch Noten wie „Sehr gut“ und „Gut“. In der Schule lief es plötzlich glatt, Kim Susan Kolgraf schloss sich einer Tanzgruppe an, lernte Freunde kennen, verlor einige überflüssige Pfunde. Das Mädchen blühte gänzlich auf.
Nach ihrem Realschulabschluss ging sie für ein Jahr in die USA, und als sie zurückkam, kam sie sofort in die 12. Klasse des Ernst-Mach-Gymnasiums. Die elfte Klasse wiederholen, wie es Schüler nach einem Auslandsjahr taten, kam für Kim Susan nicht in Frage. „Das hat mich weiter angespornt. Je schwerer etwas wurde, umso mehr habe ich mich in die Arbeit und das Lernen hineingekniet.“ Nach dem Abitur bewarb sich die Hürtherin an der Cologne Business School, wo sie drei Jahre studiert hat und ihre Bachelorarbeit geschrieben hat – auf Englisch. Die Deutsche Gesellschaft für Personalführung hatte ihre Arbeit jetzt prämiert. Doch Kim Susan Kolgraf ist schon wieder mindestens einen Schritt weiter. Sie ist mittlerweile nämlich Trainee zur Verkaufsleiterin beim Discounter Lidl. Wenn alles nach Plan, also nach ihrem Plan, läuft, wird Kim Susan Kolgraf mit 24 Jahren vier bis sechs Filialen betreuen und somit die Verantwortung für bis zu hundert Mitarbeitern haben. „Es ist anstrengend und ich muss viel arbeiten. Aber es ist das Beste, was mir passieren konnte.“
Rückblickend sagt sie: „Mir ist nichts zugeflogen. Alles, was ich erreicht haben, hat mich harte Arbeit gekostet.“ Ihre Mutter und ihrem Bruder danke sie für die Unterstützung. Eins ist sich Kim Susan Kolgraf sicher und will damit allen jungen Leuten Mut machen: „Wenn du etwas wirklich willst, dann schaffst du das auch.“
